Internationaler Themenschwerpunkt

Afrika (c) Kulturstiftung des Bundes

Afrika

Internationaler Themenschwerpunkt

Die Kulturstiftung des Bundes widmet sich mit ihrem Themenschwerpunkt den Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern und möchte in den nächsten Jahren den künstlerischen Austausch und die Kooperation zwischen afrikanischen und deutschen Künstler/innen und Institutionen fördern.

Hochdynamische afrikanische Kunstszenen

Damit reagiert sie auf eine bemerkenswerte Entwicklung: In den vergangenen Jahren sind auf Betreiben einer jungen Generation von Künstler/innen und Kurator/innen in zahlreichen Ländern Afrikas wie etwa dem Senegal, Nigeria, Benin,  Burkina Faso, Kamerun, Kenia, in der Republik Kongo oder in Südafrika neue Zentren für Kunst, Fotografie, Tanz, Performance und Film entstanden. Viele dieser neuen Institutionen beschäftigen sich mit den Formen und Ansprüchen zeitgenössischen Kulturschaffens oder mit der gesellschaftlichen Relevanz künstlerischen Handelns. Handlungsbedarf besteht etwa im Hinblick auf Archive, die als kulturelle Gedächtnisorte und als Fundus selbstbestimmter Geschichtsschreibung benötigt werden. In der Praxis reagiert man darauf mit der Gründung von Bibliotheken und Sammlungen, mit neuen Publikationen und Verlagen, mit kulturellen Bildungsangeboten, mit künstlerischen Aktionen im öffentlichen Raum oder an historisch umstrittenen Orten. Als Reaktion auf die neuen, globalisierten Verhältnisse wird zudem – vor allem in der Bildenden Kunst und im Tanz – die Frage nach dem Wert künstlerischer Traditionen und Eigenarten vom afrikanischen Kontinent diskutiert und die vorherrschenden eurozentrischen Diskurse und Förderprogramme kritisch reflektiert. In diesem Zusammenhang beteiligen sich Vertreter/innen der neuen Zentren an internationalen Fachdebatten und betreiben künstlerische Netzwerke.

Die Perspektive des Globalen Südens

Seit einiger Zeit nehmen auch Kulturinstitutionen in Deutschland von dieser kulturellen Aufbruchsstimmung Notiz. Man sucht den Austausch mit Kunstschaffenden und Intellektuellen, die im Afrika der Gegenwart Einfluss als Wegbereiter und Vordenker einer neuen politischen Kultur gewinnen. Das Interesse an den Ausdrucksformen und Themen zeitgenössischer Künstler/innen, Musiker/innen, Schriftsteller/innen und Theatermacher/innen aus afrikanischen Ländern wächst, denn ihre Auseinandersetzung mit der Dynamik kultureller Prozesse ist aus einer globalen Perspektive hoch relevant.

Künstlerische Kooperationen

Dieser Trend zieht künstlerische Kooperationen zwischen Afrika und Europa nach sich. In ihren gemeinsamen Projekten diskutieren Kulturschaffende die Rahmenbedingungen für den transkontinentalen Austausch, der weiterhin vom Kolonialismus belastet bleibt. Ihre Projekte greifen aber auch neue Phänomene und Herausforderungen auf, z.B. die Kulturen des „Afropolitanismus“ (einer spezifischen Form des Kosmopolitismus), die soziale Architektur der Megacities, Erfahrungen von Migration oder den Umgang mit Homosexualität.

Die Kulturstiftung des Bundes möchte mit dem Themenschwerpunkt Afrika diese Impulse und Entwicklungen verstärken und unterstützen. Dafür wurde 2012 der Fonds TURN ins Leben gerufen, seit 2013 kooperiert die Kulturstiftung mit dem panafrikanischen Magazin Chimurenga. Zudem veranstaltet die Kulturstiftung Foren, die dem Austausch und der Vernetzung der geförderten Kooperationspartner dienen.

TURN – Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern

Seit 2012 fördert der Fonds TURN den künstlerischen Austausch und die Kooperation zwischen deutschen und afrikanischen Künstler/innen und Institutionen. Die Fördergrundsätze, das Onlineantragsformular und weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

Chimurenga Chronic

Um über die geförderten Projekte hinaus hierzulande die Kenntnisse über die Kunstszenen und kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu erweitern, kooperiert die Kulturstiftung des Bundes erstmalig mit dem renommierten Kunst- und Kulturmagazin Chimurenga. Chimurenga erscheint schwerpunktmäßig in Südafrika, Kenia und Nigeria und gilt als eine der interessantesten panafrikanischen Publikationen einer neuen Generation afrikanischer Intellektueller. Die Kulturstiftung unterstützt das 2013 entwickelte Format Chimurenga Chronic, eine Gazette, die in englischer Sprache in Kapstadt, Lagos und Nairobi erscheint.

Foren

Um den inhaltlichen und künstlerischen Austausch zu fördern, organisiert die Kulturstiftung des Bundes "TURN Meetings" mit Kuratoren, Choreografen, Schriftstellern, Verlegern, Musikern, Designern und Filmemachern aus den geförderten Projekten und weiteren internationalen Experten.
2012 veranstaltete die Kulturstiftung des Bundes gemeinsam mit der Raw Material Company in Dakar und dem Goethe-Institut in Johannesburg das dreitägige Symposium Condition Report zur Situation der Kunstinstitutionen in afrikanischen Ländern.