Afro-Tech and the Future of Re-Invention © HMKV
Cristina De Middel, Iko Iko aus "The Afronauts", 2012 © Cristina De Middel

Afro-Tech, and the Future of Re-Invention

Recherche- und Ausstellungsprojekt – gefördert im Fonds TURN

Ruanda will das Silicon Valley Afrikas werden. Der rasant wachsende afrikanische Internetmarkt verspricht satte Gewinne. Diese Entwicklung bedeutet auch, dass oft westliche Vorstellungen von Technologie reproduziert und alternative, radikale und visionäre Neu-Erfindungen von zeitgenössischer Technologie verhindert werden. Das Internet wird als globales Kommunikationsmedium immer öfter zu einem Instrument, das unterschiedliche Kulturen nach seinen Standards formt. Endverbraucher – egal ob in Europa oder Afrika – sind sich jedoch nicht der Ideologien bewusst, die diesen Technologien eingeschrieben sind. "Technologien”, so Frank Schirrmacher 2010 in der FAZ, "sind gewaltigere Ideologien als politische."

Das Ausstellungsprojekt des Hartware MedienKunstVerein befasst sich mit technologischen Neuerungen auf dem Kontinent und dem Verständnis von Innovation, das diesen zu Grunde liegt. Die Ausstellung fragt danach, wie interkulturelle Dialoge, alternative Erzählungen und ein postkoloniales Nachdenken über Technologie aussehen könnten: Welches Potential haben Emanzipations- und Empowermentdebatten in der aktuellen Diskussion über die Konsequenzen von Digitalisierung und Vernetzung? Welche Blicke und Bedürfnisse bedingen dieses Interesse? Und wie könnte eine polyzentrische, vernetzte Welt der Zukunft aussehen, in der sich die technologischen Zentren der Welt nicht mehr nur im „Westen” befinden, sondern auch im Globalen Süden?

„Afro-Tech, and the Future of Re-Invention“ führt Künstler/innen und Kulturproduzent/innen verschiedener afrikanischer Ländern zusammen, die Technologien nach nicht-westlichen Standards imaginieren, entwickeln und verwenden. Es präsentiert Projekte, die sich durch innovative und adaptive Ansätze und großen Erfindungsreichtum auszeichnen und Technologie jenseits vorgefertigter kommerzieller Produkte denken (z.B. in Form uringetriebener Stromgeneratoren). Das Hacken und Erfinden wird dabei nicht als „notwendige Improvisation unter schwierigen Bedingungen” verstanden, sondern als Praxis auf der Höhe der Zeit. Die Ausstellung stellt auf diese Weise eine Verbindung zwischen Afrofuturismus und alternativen technologischen Energien und Imaginationen her. Die in den künstlerischen Arbeiten formulierten Gegennarrative und Spekulationen werden mit realen Erfindungen aus der Maker-Szene in Beziehung gesetzt.

Die Ausstellung entstand in Koproduktion mit Interkultur Ruhr des Regionalverbands Ruhr (RVR) und ist Teil des Festivals "Afro-Tech" mit Workshops, Konzerten und Performances zum Thema.

Kuratoren: Inke Arns (DE), Fabian Saavedra-Lara (DE)
Mit: Jude Agnowih (NG), John Akomfrah (GH), Jean Pierre Bekolo (CM), Nerl Beloufa (FR), Anne Bergner (DE), Louis Henderson (NO), Martin Howse (GB), Denis Roio aka Jaromil (IT), Wanuri Kahiu (KE), Kapwani Kiwanga (CA), Abu Bakarr Mansaray (SL), Yvette Mutumba (DE), Emeka Okafor (US), Rachida Phillips (US), Rammellzee (US), Simon Rittmeier (DE), Bisi Silva (NG), Veye Tatah (DE), Juliet Wanyiri (KE)

Termine
21.10.2017 - 22.04.2018 Dortmunder U, Dortmund Ausstellung