Poetry Jazz, Wax and Honey, I’m home

Spoken Poetry, Musik und Übersetzung in Addis Abeba und Berlin – gefördert im Fonds TURN

In Äthiopien hat die gesprochene Lyrik eine lange Tradition. Mit ihren verborgenen Bedeutungen ist diese lyrische Form als „Wachs und Gold“ bekannt: Die wortgetreue, oberflächliche Bedeutung des „Wachses“ verbirgt das „Gold“, das umhüllt von Wortspielen, Metaphern und Mehrdeutigkeiten eine mitgedachte, aber nicht offen ausgesprochene Bedeutung trägt. Diese codierte Kritik am politischen System und an den radikalen gesellschaftlichen wie kulturellen Veränderungen, von denen vor allem die Hauptstadt Addis Abeba betroffen ist, erreicht in Äthiopien durch Poetry-Live-Auftritte und einschlägige Radiosendungen ein breites Publikum.

Mit dem Projekt „Poetry Jazz, Wax and Honey, I’m home“ lässt das Institut für Raumexperimente diese kritische und unterhaltsame Vortragskunst auf internationale Mitspieler in Berlin treffen und führt damit seine Zusammenarbeit mit Äthiopien fort. In Kooperation mit der Lesebühne Tobiya Poetic Jazz aus Addis Abeba und der Akademie der Künste in Berlin bringt die zweiteilige Veranstaltungsreihe in Berlin und Addis Abeba europäische und äthiopische Akteure aus Lyrik, Musik, Übersetzung und Sprachkunst zusammen und unterstreicht so die politische Bedeutung von Spoken Poetry in Verbindung mit Musik in Äthiopien.

Während der Proben- und Arbeitsprozesse in Berlin und Addis Abeba studieren Dichter/innen und Musiker/innen zeitgenössische Ausdrucksformen dieser und anderer Lyrik-Traditionen und kreuzen performative Aufführungselemente, traditionelle äthiopische Musik, Jazz- und Ethio-Jazz-Einflüsse als auch zeitgenössische elektronische Musik. Gemeinsam wird eine neue Choreografie entwickelt, die Musik und Spoken Poetry vereint. Das neu entstandene Repertoire mündet in einer dreisprachigen Poesie-Publikation, die mit visuellen und konzeptuellen Einflüssen experimentiert, von Fluxus und Dada über konkrete Poesie bis hin zu homophoner Übertragung.

Das Projekt will das Interesse an einer reichhaltigen und langen Lyrik- und Musiktradition in anderen Sprachräumen – in diesem Fall dem Amharischen, Englischen und Deutschen – wecken und einen Einstieg ermöglichen, der multiperspektivisch ist.

Künstlerische Leitung: Christina Werner (DE)
Mit: Eric Ellingsen (US), Hildur Guðnadóttir (IS), Clara Jo (US), Mihret Kebede (ET), Robert Lippok (DE), Nebiy Mekonnen (ET), Bekele Mekonnen Nigussu (ET), Abebaw Melaku (ET), Jorga Mesfin (ET), Moseb Traditional Music Band (ET), Cia Rinne (SE), Rike Scheffler (DE), Misrak Terefe (ET)

Termine
05.08.2017 Akademie der Künste, Hanseatenweg, Berlin "Poetry Jazz: Wax and Gold" - Konzert

Weitere Termine

Sommer/Herbst 2018, African Jazz Village, Addis Abeba - Workshop & Aufführungen

TURN – Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern

Mit dem Fonds TURN möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

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