Fonds TURN

Cristina De Middel, Iko Iko aus "The Afronauts", 2012 © Cristina De Middel
Nora Chiapaumire: Portrait of myself as my father © Gennadi Novash
Tipo Passe © Edson Chagas, Courtesy of Stevenson, Cape Town/Johannesburg
Kinshasa Collection, Foto: Goethe-Institut Kinshasa
More Aphrike #4, Foto: Barron Claiborne
Hillbrowfication © Constanza Macras
MwangiHutter, Nothing Solid, 2015, Einkanalvideo, © MwangiHutter
"Dutchman" von Bernard Akoi-Jackson

TURN

Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern

Mit dem im Jahr 2012 initiierten Programm TURN – Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

Neue Formen künstlerischer Zusammenarbeit

Deutsche Kultureinrichtungen aller Sparten sind aufgefordert, neue Formen der künstlerischen Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern zu erproben und gemeinsame Kulturprojekte auf den Weg zu bringen. Das Programm soll in erster Linie deutschen Institutionen und Akteuren (Museen, Theaterhäusern, Tanzcompagnien, Kunstvereinen, Komponisten, Schriftstellern, Verlagen u.a.) Anreize bieten, ihr Profil um neue Themen und Arbeitsweisen zu erweitern.

Dynamische afrikanische Kunstszenen

Viele Häuser in Deutschland befassen sich mittlerweile mit den Aktivitäten der hochdynamischen afrikanischen Kunstszenen. Die Auseinandersetzung mit künstlerischen Formensprachen und Debatten in afrikanischen Ländern erweist sich dabei als außergewöhnlich förderlich, um den Blick für die Positionen des Globalen Südens zu schärfen.

Bisher haben 85 Projekte im Fonds TURN eine Förderung erhalten. Um auf das anhaltende Interesse an den Kooperationen zu reagieren und die Beschäftigung mit Afrika nachhaltig in den Institutionen zu verankern, hat die Kulturstiftung des Bundes den Fonds bis 2021 verlängert (Ende Projektlaufzeit: April 2020).

Was wird gefördert?

Es werden künstlerische Projekte gefördert, die einen innovativen Beitrag zur Beschäftigung mit dem zeitgenössischen künstlerischen Schaffen in afrikanischen Ländern leisten, von hoher künstlerischer Qualität sind und eine öffentliche Wirkung in Deutschland haben. Die Mindestantragssumme pro Projekt beträgt 50.000 Euro, das antragstellende Haus muss sich mit baren Eigenmitteln in Höhe von 20 Prozent der Gesamtkosten beteiligen. Antragsteller/innen aus afrikanischen Ländern bewerben sich gemeinsam mit einem institutionellen Partner in Deutschland.

In der ersten Förderrunde wurden einmalig projektvorbereitende Recherchen unterstützt, aktuell können keine Recherchevorhaben mehr beantragt werden.

Um den inhaltlichen und künstlerischen Austausch zwischen den Projekten zu fördern, organisiert die Kulturstiftung des Bundes eine Reihe von Foren mit Regisseuren, Kuratoren, Choreografen, Schriftstellern, Verlegern, Musikern, Designern und Filmemachern aus den geförderten Projekten sowie weiteren internationalen Experten.

Jury

Die Mitglieder der TURN-Jury:

Koyo Kouoh ist Kuratorin, Kulturproduzentin und Autorin. Sie ist Gründungsdirektorin der RAW Material Company in Dakar (Senegal), eines Zentrums für zeitgenössische Kunst, Bildung und Gesellschaft, sowie Kuratorin der 1:54 Contemporary African Art Fair in London und New York. Sie ist kürzlich zur künstlerischen Direktorin der Fábrica de Sabão, einer Kunst- und Innovationsinitiative in Luanda (Angola) ernannt worden. Als internationale Kuratorin und Spezialistin für Fotografie, Video und öffentliche Installationen hat sie wesentlich zu neuen globalen Perspektiven in der kuratorischen Praxis beigetragen und zahlreiche Beiträge über zeitgenössische Künste in Afrika publiziert. Sie war Kuratorin der Rencontres Africaines de la Photographie 2001 in Bamako, Mitkuratorin der Dakar Biennale von 2000 bis 2004 und hat seit 2003 verschiedene künstlerische Leitungen der documenta beraten. 2003 war sie Mitglied der Goldenen-Löwe-Jury der Biennale in Venedig. 2016 war sie Kuratorin der 37. EVA International Biennale in Irland. Sie ist Initiatorin der RAW Académie, einem internationalem Studienprogramm für künstlerische Forschung und kuratorische Recherchen in Dakar.

Dr. Yvette Mutumba ist Kunsthistorikerin, Kuratorin, Journalistin und Autorin. Sie ist Mitbegründerin und Chefredakteurin des Kunstmagazins Contemporary And (C&) sowie Senior Guest Researcher des Projektes African Art Histories and the Formation of a Modern Aesthetic (2015 – 2018) an der Universität Bayreuth. Von 2012 bis 2016 war Mutumba Kuratorin am Weltkulturen Museum, Frankfurt a.M. Hier ko-kuratierte sie die Ausstellungen „Ware&Wissen“, „El Hadji Sy: Painting, Performance, Politics” und „A Labour of Love“, welche 2016 für den Global Fine Arts Award nominiert wurde. Zusammen mit Julia Grosse kuratierte sie 2016 den „Focus: African Perspectives“ der Armory Show in New York. Sie studierte Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin und promovierte am Birkbeck, University of London. Mutumba hat zahlreiche Texte und Publikationen zu zeitgenössischer Kunst aus afrikanischen Perspektiven sowie zu Themen Globaler Kunstgeschichten verfasst und herausgegeben.

Jan Goossens ist Intendant und Dramaturg. Seit 2016 ist er Direktor des Festival de Marseille, eines internationalen Festivals für darstellende Künste in Marseille, das sich stark auf die Mittelmeerregion, den Mittleren Osten und  den afrikanischen Kontinent ausrichtet. Von 2001 bis 2016 war er künstlerischer Leiter der Koninklijke Vlaamse Schouwburg, des Flämischen Nationaltheaters in Brüssel, welches er in einen multidisziplinaren und mehrsprachigen Spielort verwandelte, mit langfristigen Austauschbeziehungen zu Kinshasa und zahlreichen anderen zentralafrikanischen Städten. Von 2009 bis 2015 kuratierte er zusammen mit lokalen KünstlerInnen und PartnerInnen das jährliche Festival „Connexion Kin“ in Kinshasa. Er war Ko-Kurator von „Dream City 2015“, der Biennale für Kunst im öffentlichen Raum in der Medina in Tunis, für die er auch 2017 als Kurator ernannt wurde. Jan Goossens hat Literatur und Philosophie in Antwerpen, Löwen und London studiert. Vom französischen Kulturministerium wurde er für seine Arbeit mit dem Titel „Chevalier des Arts et des Lettres“ geehrt. Er pendelt zwischen Marseille und Bamako, wo seine Familie lebt.

Jonathan Fischer ist Journalist, DJ und Maler. Seit 1990 arbeitet er als freier Journalist mit dem Schwerpunkt afroamerikanische, afrokaribische und afrikanische Musik und Kultur, u.a. für Bayerischer Rundfunk, Süddeutsche Zeitung, FAZ, Die Zeit, NZZ. Regelmäßige Recherchereisen nach u.a. Mali, Senegal, Kongo, Tansania, Südafrika. Von 2001 bis 2012 erstellte er Radiofeatures über die Straßenmusik in New Orleans, Durban, Havanna, Kinshasa und Bamako. Seit 1995 ist er Herausgeber der Trikont-Serie „Radical Black Music“ mit Editionen u.a. zu der Musik der Black Panther Ära, schwarzem Country, den Anfängen des Rap und dem zeitgenössischen Blues. Er war nominiert für den Goldenen Prometheus als bester deutscher Journalist 2006 im Bereich Print. 2007 gewann er den Deutschen Sozialpreis für die Reportage „Gefahrenzone“ im SZ-Magazin. Seit 2012 ist er engagiert in der pädagogischen Arbeit mit jungen Geflüchteten. Jonathan Fischer hat Amerikanistik, Psychologie, Sonderpädagogik und Malerei in München studiert. Er lebt in München.

Die Mitglieder der Jury sprachen sich in ihrer ersten Sitzung im April 2013 dafür aus, dass 12 Projekte Fördergelder in einer Gesamthöhe von 1,4 Mio Euro erhalten. Der Vorstand der Kulturstiftung entschied weiterhin, 11 Recherchevorhaben mit Fördergeldern in einer Höhe von 88.570 Euro zu unterstützen.

In der zweiten Förderrunde des Fonds TURN entschied sich die Jury für eine Förderung von 14 Projekten mit einer Fördersumme von insgesamt rund 1.787.000 Euro. Bei der Jurysitzung im März 2015 wurde die Förderung von 15 weiteren Projekten mit einer Fördersumme von insgesamt 2.084.800 Euro bewilligt.

Bis 2019 stellt die Kulturstiftung weitere 4 Mio. Euro bereit. Die Gesamtfördersumme betrug damit im Jahr 2015 10,4 Mio. Euro. 2016 wurde der Fonds TURN erneut bis zum Jahr 2021 (Ende Projektlaufzeit: April 2020) verlängert und erhielt weitere 3,8 Mio. Euro.

Foren

TURN Meeting #2

Das TURN Meeting #2 fand vom 2. - 4. Juni 2016 statt.

TURN Meeting #1

Das TURN Meeting #1 On perspectives, Facts and Fictions vom 26. bis 28. Juni 2014 in Berlin war eine nichtöffentliche Arbeitskonferenz für alle Teilnehmer im Fonds TURN. Mit dem "TURN Meeting #1" wurde der Austausch zwischen den Institutionen über inhaltliche und methodische Fragen aus ihren Projekten befördert und Einblicke in die Debatten und Themen der Kolleg/innen vom Kontinent ermöglicht. Auf dem Programm standen Roundtable-Diskussionen u.a. zu folgenden Themen und Fragen:

- Kampfzone Repräsentation – Wie über Afrika schreiben / sprechen / diskutieren?
- Kuratieren und Kooperieren in asymmetrischen Verhältnissen, Künstlerische Kooperationen – ästhetischer Zugewinn oder künstlerische Sackgasse?
- Wer braucht Archive – Geschichte schaffen und behalten
- Das neue Wir – Formen und Kulturen des Kooperierens
- Nachahmung und Verspottung – Über afroeuropäische Begegnungen
- Risiken eingehen. Zur Rolle des Risikos in der künstlerischen Arbeit


Roundtable Pre-Writing History: Past/Future

Am 27. Juni 2014 fand in Berlin ein öffentlicher Roundtable statt, zu dem das TURN Meeting #1 gemeinsam mit dem Ausstellungsprojekt "Giving Contours to Shadows" eingeladen hatte:

Teleologische Vorstellungen der Zeit, wie sie das Projekt der Aufklärung vorschrieb, diktieren uns, dass wir Ideale, Ideen und eine konkrete Vorstellung davon haben, wie die Zukunft sein soll (Elisio Macamo in seinem Essay Accommodating Time – Confidence and Trust in African Everyday Life). Ereignisse, die tatsächlich stattgefunden haben, lassen sich nicht ändern. Aber die Geschichte kann mit neuen Informationen, mit einer neuen Perspektive anders erzählt und geschrieben werden. Eine rückwärts gewandte Perspektive ist nicht befriedigend für die Gegenwart, doch sie ist aufschlussreich, da sie uns lehrt, die Idee der Zukunft nochmals sorgfältig zu überdenken. Können wir die zukünftige Geschichte vor-schreiben? Können wir schreiben, wie wir sie haben wollen? Gibt es zwischen dem Idealismus und dem Realismus einen möglichen Verhandlungsraum, in dem eine zukünftige Geschichte vor-geschrieben werden kann?

Im Kontext Afrikas ist der Begriff „post“ ein sehr wichtiges Wort, das automatisch eine Verbindung mit der Vergangenheit herstellt. Gibt es mögliche Denkweisen, bei denen das Präfix „post“ nicht mehr benötigt wird? Was wäre, wenn wir jenseits der Geschichte agierten, wie ließe sich eine Zukunft imaginieren?

Teilnehmer/innen: Premesh Lalu (Prof. Geschichte, Direktor Centre for Humanities Research, University of the Western Cape, Kapstadt), Elvira Dyangane Ose (Kuratorin, Tate Modern, London), Greg Tate (Schriftsteller, Musiker, New York), Jimmy Ogonga (Künstler, Nairobi). Moderation: Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Kurator, Direktor SAVVY Contemporary, Berlin)

Im Anschluss: Performance "Black Mass" im Heimathafen Neukölln, Künstler/innen: Satch Hoyt, Greg Tate, Christina Wheeler