Der Burmane Ba, Fotografie von Max Miede, in: Der Eigene, Jg. 13 (1932) Heft 9 Berlin, Schwules Museum*. "Der Eigene", ab 1896 zunächst als anarchistische Kulturzeitschrift erschienen, wurde ab 1898 zu einer „Schwulenzeitschrift“ und ist damit die erste bekannt gewordene Zeitschrift ihrer Art weltweit. Sie erschien bis 1932, herausgegeben von Adolf Brand (1874–1945) und propagierte eine maskulinistische Theorie der Homosexualität.

Ein anderer Blick

Postkoloniale Perspektiven im Schwulen Museum* - gefördert im Programm Fellowship Internationales Museum

In vielen Ländern der Welt werden homosexuellen oder transidentischen Menschen grundlegende Menschen-, Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte verwehrt. Lesbische Frauen, schwule Männer und Trans*personen werden juristisch sanktioniert, sozial diskriminiert und häufig brutal verfolgt. Im Globalen Norden wird die Situation dieser Menschen häufig als Gradmesser für Demokratie und Zivilisiertheit betrachtet. Dabei wird jedoch außer Acht gelassen, dass die rechtliche Situation die soziale Lebenswelt meist nicht ausreichend spiegelt. Auch wird wenig darauf eingegangen, dass die Diskriminierung oft sogar auf der Grundlage alter Kolonialgesetze geschieht. Demgegenüber können die Auseinandersetzungen um die Legitimität heteronormativer Lebensentwürfe als Kämpfe verstanden werden, die nicht zwischen den Kulturen, sondern innerhalb von Kulturen weltweit ausgefochten werden.

Das Projekt untersucht, ob die Emanzipationsbewegungen der westlichen Industrieländer Impulse für den politischen und kulturellen Kampf queerer Communities des Globalen Südens geben können. Umgekehrt soll erforscht werden, was die queeren Communities in Deutschland und im speziellen das Schwule Museum* für die Lösung der Konflikte in der postmigrantischen Gesellschaft leisten können. Im Rahmen des Fellowship sollen partizipative Ansätze mit den Selbstorganisationen postmigrantischer Queers erprobt werden, die die Institution Museum, seine Organisationsformen und Ausstellungspraktiken als Ausdruck „weißer“, „männlicher“ Dominanzkultur kritisieren.