Die Neuen Tendenzen

1961 fand in Zagreb die Ausstellung "Nove Tendencije" statt, in der 25 Künstler aus Jugoslawien, Deutschland, der Schweiz, Österreich, Frankreich, Italien, Argentinien und Brasilien vertreten waren. Die Ausstellung war die Geburtsstunde der internationalen Künstlerbewegung Die Neuen Tendenzen. Fernab des westeuropäischen Kunstbetriebs kamen junge Künstler zusammen, die in der Tradition der Avantgardebewegungen der ersten Jahrhunderthälfte eine neue Kunst anstrebten, die unmittelbar auf den Menschen wirken sollte. So war die Partizipation des Betrachters ein wichtiges Ziel ihrer Arbeiten, die außerdem einer modernen, sich verändernden und jede Gewissheit ausschließenden Weltsicht Rechnung trugen.

"Die größte Überraschung der ersten Neuen-Tendenzen-Ausstellung war die verblüffende Verwandtschaft der Experimente der Künstler verschiedenster Länder, obwohl diese Künstler wenig voneinander wussten oder oftmals sich überhaupt nicht kannten. Dieses Phänomen hat uns in Zagreb zum ersten Mal die Existenz einer internationalen Bewegung bewusst gemacht, eine Bewegung, wo Kunst eine neue Konzeption offenbart, die mit optischer Untersuchung der Fläche, der Struktur und der Objekte experimentiert." (Almir Mavignier)

So waren Die Neuen Tendenzen während der 60er Jahre weit mehr als eine Künstlergruppe; sie waren vielmehr eine Sammelbewegung nahezu aller europäischen und südamerikanische Künstler und Künstlergruppen, die der Op Art, der kinetischen Kunst und der Licht-Kunst zuzurechnen sind. Den Neuen Tendenzen gehörten u.a. auch die Mitglieder der Gruppen Zero und Effekt (Deutschland), Grav (Frankreich), Gruppo N und Gruppo T (Italien) und der ehemaligen Gruppe Exat 51 (Jugoslawien) an.

Ab 1961 fanden in Zagreb vier Ausstellungen der Neuen Tendenzen statt, weitere Ausstellungen wurden u.a. in Venedig, Leverkusen und Paris gezeigt. Besonders die Ausstellung in Paris 1964 im Musée des Arts Décoratifs im Palais du Louvre sorgte für großes Aufsehen, so dass sich bis heute der französische Name stärker eingeprägt hat als der kroatische. Als William C. Seitz 1965 die berühmte Ausstellung "The Responsive Eye" im Museum of Modern Art in New York zeigte, bezog er sich maßgeblich auf die Ausstellung der Nouvelle Tendance in Paris, die er ein Jahr zuvor gesehen hatte. In einer Besprechung dieser Ausstellung im Time Magazine wurde der Begriff "Op Art" für diese Kunst geprägt. Die Nove Tendencije Ausstellung in Zagreb 1961 und die folgenden Ausstellungen sind damit als eine Geburtsstunde der Op Art zu betrachten.

Doch zeigte sich der experimentelle und avantgardistische Charakter der Neuen Tendenzen auch in der Zusammensetzung der weiteren Ausstellungen. 1968 wurde in Zagreb eine umfangreiche Sektion mit Computerkunst gezeigt, die damals noch keinesfalls als Kunst allgemeine Anerkennung gefunden hatte und erst seit 1965 in die Öffentlichkeit getreten war. In der letzten Zagreber Ausstellung 1973 war dann auch die Konzeptkunst vertreten, die ebenso wie die Computerkunst in Zagreb eine bedeutende Plattform gefunden hat.

In Ingolstadt wurde dieses europäische Projekt, das in der kroatischen Hauptstadt seinen Anfang nahm, umfangreich präsentiert. In der Ausstellung waren die wichtigsten Künstler und Künstlergruppen mit Werken vertreten. In einem begleitenden, umfangreichen Katalog wurden die zentralen Fragestellungen wissenschaftlich erarbeitet. Viele Arbeiten, die in Ingolstadt gezeigt wurden, stammen aus den Beständen des Muzej Suvremene Umjetnosti in Zagreb, in dem die Zagreber Ausstellungen stattfanden.

Beteiligte Künstler u.a.

Getulio Alviani
John Baldessari
Alberto Biasi
Hartmut Böhm
Enrico Castellani
Gianni Colombo
Carlos Cruz-Diez
Piero Dorazio
Herbert W. Franke
Karl Gerstner
Gerhard von Graevenitz
Julije Knifer
Vlado Kristl
Edoardo Landi
Julio Le Parc
Heinz Mack
Manfredo Massironi
Almir Mavignier
Manfred Mohr
François Morellet
Frieder Nake
Ivan Picelj
Otto Piene
Uli Pohl
Vjenceslav Richter
Bridget Riley
Klaus Staudt
Luis Tomasello
Günther Uecker
Ludwig Wilding

Termine
28.09.2006 - 07.01.2007 Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt Ausstellung