Bild und Raum

Morehshin Allahyari, “She Who Sees The Unknown: Huma”, Image courtesy of the artist, 2017

Computer Grrrls

Ausstellung

Bevor das Wort Computer eine Maschine beschrieb, bezeichnete es einen Beruf, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem von Frauen ausgeübt wurde; Rechnen galt als eine weibliche Tätigkeit. In den letzten Jahren haben Historiker/innen diese Entwicklungen beschrieben und die Biografien von wichtigen Programmiererinnen wie der „Eniac Girls“ bekannt gemacht. Doch wie kam es dazu, dass sich die Informatik zu einem so stark männlich dominierten Bereich entwickelt hat? Warum nimmt die Anzahl professioneller Informatikerinnen seit 1990 sogar ab? Und wie geht die Gesellschaft damit um, dass Frauen als Gestalterinnen der technologischen Entwicklungen marginalisiert sind?
Die Ausstellung im HMKV greift diese Fragen auf und versammelt künstlerische Positionen, die das Verhältnis von Geschlecht und Technologie in Geschichte und Gegenwart verhandeln. Die Kuratorinnen Inke Arns (HMKV) und Marie Lechner (La Gaîté Lyrique) stellen neben zentralen Positionen wie dem Cyberfeminismus neue technofeministische Kollektive und die feministische Hackerkultur vor, die in den letzten Jahren entstanden ist. Eingeladen sind Künstler/innen, Hacker/innen und Theoretiker/innen, die daran arbeiten, Technologie anders zu denken, indem sie die Gender-Tendenzen in den Bereichen Big Data und Künstliche Intelligenz hinterfragen, sich für ein offenes und diversifiziertes Internet einsetzen, partizipative Arbeitsweisen entwickeln und utopische Technologien und Prototypen entwerfen: Die chinesische Künstlerin und Programmiererin Yinan Song, die ein Betriebssystem entwickelt hat, das beim Surfen die Privatsphäre schützt; die australische Künstlerin Lauren Moffatt, die mit immersiven Technologien arbeitet und in ihrer Arbeit Praktiken der Appropriation und des Sampling reflektiert, die Code-Dichterin Mez Breeze oder die Künstlerin und Professorin Stephanie Dinkins, die sich mit Künstlicher Intelligenz im Kontext von Geschlecht, Rassismus und Alter beschäftigt.
Nach ihrer Station in Dortmund wandert die Ausstellung ins La Gaîté Lyrique nach Paris, wo sie um performative Formate erweitert wird. An beiden Orten wird es Filmscreenings, Künstler/innengespräche und experimentelle Workshops geben.

Kuratorinnen: Inke Arns, Marie Lechner
Künstler/innen: Morehshin Allahyari (IR/US), Black Quantum Futurism (US), Hyphen-Labs (US), Kapwani Kiwanga (FR/CA), Tabita Rezaire (FR/ZA), Erica Scourti (UK/GR), Cornelia Sollfrank, Suzanne Treister (UK), VNS Matrix (AU), Pinar Yoldas (TR/US) u.a.

Termine
27.10.2018 - 03.02.2019 HMKV, Hartware MedienKunstVerein, Dortmund Ausstellung
02.02.2019 - 05.05.2019 La Gaîté Lyrique, Paris Ausstellung