Bild und Raum

© Anja Erdmann

Radiophonic Spaces

Ein akustischer Parcours durch die Radiokunst

Die Ausstellung „Radiophonic Spaces“ bringt die flüchtige Radiokunst in den Museumsraum und verknüpft zwei Welten, die einander näher sind, als es zunächst scheinen mag. Immer schon arbeiten neben Schriftstellern, Komponisten oder Theatermachern auch bildende Künstler mit den vielfältigen Möglichkeiten des Mediums Radio. „Radiophonic Spaces“ verbindet die künstlerische Auseinandersetzung mit Radiokunst und Radiophonie mit einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt unter Federführung der Bauhaus-Universität Weimar. Die Ergebnisse dieses kreativen Zusammenspiels entfalten sich in einem künstlerisch gestalteten Parcours, der 200 Schätze internationaler Radiokunst auf verschiedenen Ebenen präsentiert. Historische und zeitgenössische Positionen werden dabei in Beziehung gesetzt: Von Antonin Artaud, John Cage und Samuel Beckett bis hin zu Brandon LaBelle, Rimini Protokoll und Ahmet Ögüt. Auf einer ersten Ebene taucht der Besucher akustisch in die Kunstform ein, indem er durch seine Bewegung im Raum einzelne Werke der Radiokunst auslöst, die in Form eines immersiven Kopfhörersystems erfahrbar werden. Die Soundexponate sind in zehn Narrativen wie z.B. „Plattengeschichten“ oder „Funkstille“ arrangiert. Weiterhin werden ikonische Objekte der Radiokunst-Produktion gezeigt, die jeweils ein Narrativ repräsentieren. Eine Webplattform – der Logik einer virtuellen Mindmap folgend – widmet sich schließlich der historischen Entwicklung der Radiokunst. Hierbei werden neue Wege algorithmischer Sortierung (Data-Retrieval) von Archivbeständen ausgelotet.
Das Projekt holt Radiokunst aus ansonsten schwer zugänglichen Archiven wie dem Deutschen Rundfunkarchiv, dem Lautarchiv der Humboldt-Universität Berlin oder dem New Radiophonic Workshop (BBC) und arbeitet mit diversen Radiosendern zusammen, u.a. mit dem documenta 14 Radio des SAVVY Berlin. Die Ausstellung passt sich dynamisch an die Gegebenheiten der einzelnen Stationen in Basel, Berlin und Weimar an und wird von einem vielfältigen Rahmenprogramm begleitet.

Künstlerische Leitung: Nathalie Singer, Experimentelles Radio, Bauhaus-Universität Weimar
Leitung Forschungsgruppe Radiophonic Cultures (Sinergia/SNF): Ute Holl, Seminar für Medienwissenschaft, Universität Basel

Kurator/innen, Radioforscher/innen und Radiokünstler/innen: Ulrich Bassenge, Ulrich Gerhardt, Gaby Hartel, Künstler-Kollektiv k.a.a.l., Jochen Meißner, Chikashi Miyama (JP), Wolfram Wessels, u.a.

Sender, Kooperationen und beteiligte Forschungsinstitutionen: nationale und internationale öffentlich-rechtliche Sender (Sender der ARD, des Österreichischen Rundfunks, des Schweizer Rundfunks, Deutschlandradio, BBC und INA) sowie wichtige Archive der Radiokunst (Deutsches Rundfunkarchiv, Studienzentrum für Künstlerpublikationen Weserburg, Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin, Archive der deutschsprachigen Rundfunkanstalten, New Radiophonic Workshop, INA/Groupe de Recherches Musicales und private Archive), Film- und Medienstiftung NRW, ZKM, Musikwissenschaftliches Seminar – Universität Basel, Hochschule für Musik – Elektronisches Studio Basel

Termine:

Museum Tinguely, Basel: April/Mai 2018; Haus der Kulturen der Welt, Berlin: Herbst 2018 (im Rahmen von 100 Jahre Gegenwart); Universitätsbibliothek der Bauhaus-Universität Weimar, Weimar: Herbst 2019 (im Rahmen von Bauhaus 100)