Bühne und Bewegung

© StefanKaegi, Rimini Protokoll

Cuba emprende – ein Familienunternehmen

Oder: Das Museum der Revolution im Zeitalter seiner Privatisierung

Revolutionsführer Fidel Castro ist tot, die Rolling Stones spielten in Havanna, US-Präsident Obama kam zu Besuch: Kuba öffnet und verändert sich. Das Theaterprojekt „Cuba emprende“ macht sich diese besondere Situation zunutze und fragt, wohin sich das Land 60 Jahre nach der Revolution bewegt. Dabei setzt es an einer für Kuba emblematischen Stelle an: der kubanischen Familie bzw. der „Familia compuesta“ – jener Lebensgemeinschaft auf engstem Raum, zu der sich weit entfernte Verwandte, Verliebte und Geschiedene aufgrund des Wohnungsnotstands unter einem Dach versammeln. Gemeinsam mit der Gruppe von jungen Theatermacher/innen „Laboratorio IBSEN“ begab sich Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) auf die Recherche und besuchte zweierlei kubanische Experten: Die „Combatientes“ (Revolutionäre) und die „Cuentapropistas“ (Selbstständige), die oft den verschiedenen Generationen einer Familie angehören. Die einen haben ihr Leben lang für das revolutionäre Projekt gekämpft, für die anderen klingt „Kapitalismus“ so verheißungsvoll wie damals für ihre Großeltern „Revolution“. Oft scheinen sich die beiden Gesellschaftsmodelle in ihren Ausformungen gar nicht so sehr zu widersprechen: Waren zum Beispiel die Wohngemeinschaften im kommunistischen Kuba, die Privatrestaurants oder der Linienverkehr per Anhalter in klapprigen Limousinen nicht Prototypen von AirBnB, Couchsurfing und Uber? Hier setzt das Theaterlabor an, recherchiert im kubanischen Filmarchiv, filmt das Kuba von heute und hört den Menschen zu, deren Leben zwischen die ideologischen Fronten geriet. Es macht die kleinstmögliche Gemeinschaft – die Familie – zum Ausgangspunkt für die Frage, wie die kubanische Geschichte weitergedacht werden kann, und was wir heute von Kuba für die Welt von morgen lernen können.

Künstlerische Leitung: Stefan Kaegi
Dramaturgie: Yohayna Hernández González (CU), Aljoscha Begrich
Kamera: Marta María Borrás (CU)

Termine
22.03.2019 - 24.03.2019 Maxim Gorki Theater, Berlin Premiere