Musik und Klang

Göttinger Symphonie Orchester, 2015, Foto: Frank Stefan Kimmel

Dem Vergessen entrissen

Symphonische Musik von Alexander Weprik

Der ukrainische Komponist Alexander Weprik war ein musikalisches Wunderkind, bereits mit 24 Jahren unterrichtete er am Moskauer Konservatorium. In den 1920er und 30er Jahren gehörte er zu den bekanntesten sowjetischen Komponisten im Ausland: Hermann Scherchen dirigierte seine „Tänze und Lieder des Ghettos“ 1927 in Leipzig, 1933 führte Arturo Toscanini sein Werk in der New Yorker Carnegie Hall auf. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten verschwand Wepriks Name aufgrund seiner jüdischen Abstammung aus deutschen Konzertsälen. Im Jahr 1943 wurde er zusammen mit anderen jüdischen Professor/innen des Moskauer Konservatoriums fristlos entlassen und 1950 unter Stalin – ohne real vorhandenen Tatbestand – verhaftet und zu acht Jahren Gulag verurteilt. Danach komponierte er nur noch wenig, er starb frühzeitig an den Folgen der Lagerhaft, seine Musik geriet in Vergessenheit.
Wepriks Arbeiten für Symphonieorchester bilden bis heute einen ungehobenen Schatz. Das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) unter Leitung von Christoph-Mathias Mueller wird das Werk dieses bedeutenden, zu Unrecht vergessenen Komponisten in verschiedenen Formaten würdigen und seine Musik nachhaltig international zugänglich machen. Im Zuge einer CD-Aufnahme, die einen repräsentativen Querschnitt durch Wepriks Schaffen präsentiert, plant das GSO Konzerte und richtet ein internationales Symposium zu Leben und Werk des Künstlers aus, zu dem u.a. Intendanten, Generalmusikdirektoren, Dramaturgen, Musik- und Osteuropawissenschaftler eingeladen sind. Eine Publikation in russischer und deutscher Sprache dokumentiert das Projekt.

Künstlerische Leitung: Christoph-Mathias Mueller
Künstler/innen: Göttinger Symphonie Orchester (Klangkörper)
CD-Label: Dabringhaus & Grimm
Referenten des Symposiums: Jascha Nemtsov (RU), Galina Ivanova (RU), Inna Klause (KZ), Friedrich Geiger

Termine:

Stadthalle (CD-Aufnahme), Göttingen: 11.–17.6.2018