Musik und Klang

Plakatmotiv von Corinne Wasmuth (Ausschnitt)
Klanginstallation, Yutaka Makino (C) Ralf Brunner

Donaueschinger Musiktage 2017

Festival für Neue Musik – Gefördert als kulturelle Spitzeneinrichtung

Die 1921 gegründeten Donaueschinger Musiktage sind das älteste Festival für Neue Musik der Welt und das renommierteste dieser Art in Deutschland. Viele bedeutende Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts haben hier ihre Werke uraufgeführt. Das jährlich im Oktober stattfindende Festival gibt einen Überblick über die Musikavantgarde der Gegenwart. Im Jahr 2017 sind insgesamt 30 Komponist/innen und Klangkünstler/innen aus 18 Ländern eingeladen, präsentiert werden 20 Uraufführungen.

Posthume Uraufführung

Die erste Uraufführung des Festivals 2017 hat eine besondere Vorgeschichte: Der Komponist Emmanuel Nunes schrieb "Un calendrier révolu" bereits im Jahr 1968, gab das Stück aber erst kurz vor seinem Tod 2012 frei. Im Mittelpunkt dieses „längst vergangenen Kalendariums“ stehen die Tasteninstrumente Klavier, Celesta und Orgel, um die herum Nunes ein feines Klanggewebe spinnt. Das Remix-Ensemble bringt das Werk des portugiesischen Meisters nun erstmals zur Aufführung.


Neue digitale Wirklichkeit

Wie reagiert die zeitgenössische Musik auf den digitalen Wandel? Wie sehr ist Musik heute durch technische Erweiterungen von ihrem vermeintlich autonomen Schöpfer abgekoppelt? Die Donaueschinger Musiktage 2017 widmen sich in verschiedenen neuen Formaten den Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Alexander Schubert greift in "Codec Error" beispielsweise das Thema zunehmend künstlicher, konstruierter und manipulierter Körper auf und arbeitet mit Brüchen, Fälschungen und Täuschungen in der Musik. Individualisierung und Vereinzelung stehen im Zentrum von Martin Schüttlers Werk "Container-TV", bei dem die Musiker/innen isoliert voneinander in Containern spielen, dabei aber ungewohnte Freiheiten genießen. Auch die Klanginstallationen von z.B. Marianthi Papalexandri-Alexandri und Pe Lang überprüfen unser Verhältnis zu technischen Apparaten und erforschen, wie Musik dazu beitragen kann, diese Abhängigkeit lustvoll und spielerisch zu überwinden.


Lässt sich ein Konzert choreografieren?

Das Solistenensemble Kaleidoskop und der international renommierte französische Regisseur Laurent Chétouane gehen der Frage nach, wie verschiedene Kompositionen sinnvoll in einer Konzertchoreografie zusammengeführt werden können. Die maskierten und kostümierten Musiker/innen und das Publikum begeben sich in ein szenisch-musikalisches Erlebnis, das klassische räumliche Anordnungen und Rezeptionserwartungen unterläuft. Chétouane spielt damit auf die vielen Unorte im modernen Leben an, sei es im Pendelverkehr, im Tourismus oder auf der Flucht.

Neben weiteren Highlights wie der "Minor Music" oder der "NOWJazz-Session" finden begleitend ein Workshop zur "Schule des Klatschens" sowie Diskussionen zu Musik, Medien und Gender statt.

Künstlerische Leitung: Björn Gottstein

Termine
19.10.2017 - 22.10.2017 verschiedene Orte, Donaueschingen Festival für Neue Musik