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Stadtbibliotheken

Raum für Veränderung

Stadtbibliotheken führen in Deutschland oft ein Schattendasein, wenn sie nicht gar mit einem verstaubten Image zu kämpfen haben. Dabei haben sie das Potenzial, kooperationsfreudige und teilhabeorientierte Kulturorte in einer durch Diversität geprägten Stadtgesellschaft zu werden. 

Diese Option verändert zunehmend das Selbstverständnis öffentlicher Bibliotheken, die nun stärker nach geeigneten Maßnahmen suchen, um sich vom traditionellen Lese- zum medienkompetenten Kulturort zu wandeln. Für diese Entwicklung gibt es besonders in den skandinavischen Ländern bereits erfolgreiche Vorbilder.

Mit ihrem neuen Programm will die Kulturstiftung des Bundes die kulturpolitisch neue Handlungsrolle von Stadtbibliotheken in Deutschland würdigen und das Wissen über beispielhafte Handlungsstrategien aus dem In- und Ausland vermitteln. Nach bundesweiter Ausschreibung fördert das Programm an voraussichtlich fünfzig Orten Projekte, in denen Stadtbibliotheken in neuartiger Ausrichtung vorhandener Ressourcen oder im Zusammenwirken mit Partnern aus Kunst, Kultur, Wissenschaft sowie der Zivilgesellschaft Veranstaltungsformate einüben, die ihnen auf Dauer ermöglichen, sich als offene Orte der Begegnung zu etablieren.

Im Vergleich zum Theater oder dem Konzertsaal gelten gerade Stadtbibliotheken als besonders informell und niedrigschwellig: Sie stehen jedermann, Erwachsenen und Kindern, offen, liegen üblicherweise inmitten der Städte, bieten bisweilen stattliche Architekturen und arbeiten gemeinwohlorientiert sowie ausnahmslos nicht-kommerziell. In den Stadtgesellschaften der Gegenwart könnten öffentliche Bibliotheken mit einem erweiterten Angebot eine prominente Rolle übernehmen, wenn es darum geht, einen Raum für das Miteinander verschiedenartiger Kulturen zur Verfügung zu stellen und damit die Chancen auf kulturelle Teilhabe in einer Einwanderungsgesellschaft gerechter zu verteilen. Mit einer Modernisierung ihrer Institutionen, die auf neue gesellschaftliche Herausforderungen und den digitalen Wandel reagieren, können Stadtbibliotheken an Bedeutung in der Kulturlandschaft gewinnen und ihre Zukunftsfähigkeit demonstrieren.

Antragsberechtigt für das Programm sind bundesweit alle öffentlichen Stadt- und Gemeindebibliotheken. Die Fördersumme kann zwischen 50.000 und 200.000 Euro für einen Projektzeitraum von bis zu zwei Jahren liegen. Über die Auswahl der Projektanträge entscheidet eine Fachjury. Die Fördergrundsätze werden ab Februar 2018 auf dieser Website veröffentlicht. Der erste Antragsschluss ist voraussichtlich im November 2018.

Die Kulturstiftung des Bundes begleitet das Programm mit vorbereitenden Workshops, internationalen Veranstaltungen und Informationsangeboten. Sie sucht bei der Programmdurchführung und der bundesweiten Ergebnisvermittlung das inhaltliche und strategische Zusammenwirken mit Vertreterinnen und Vertretern der Kulturpolitik, dem Deutschen Bibliotheksverband sowie mit dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund.

Die Kulturstiftung des Bundes fördert das Programm Stadtbibliotheken – Raum für Veränderung (Arbeitstitel) in den Jahren 2018–2022 mit 5,6 Mio. Euro.