Wort und Wissen

© Maxim Gorki Theater

Radikale Jüdische Kulturtage

Ein Berliner Herbstsalon

Integration gilt als das Zauberwort in Zeiten von Flucht und Migration. Im Zuge erstarkender nationalistischer Tendenzen wächst aber auch das Unbehagen daran, wenn sich dahinter der Wunsch der Mehrheitsgesellschaft nach kultureller Assimilation verbirgt. Demgegenüber steht die Vorstellung, dass ein Zusammenleben in Vielfalt die zentrale Herausforderung der Gegenwart sei. Die „Radikalen Jüdischen Kulturtage“ im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Herbstsalons des Maxim Gorki Theaters Berlin, geben ein Beispiel von Desintegration, das aufgrund der spezifischen historischen Folie europäischen Judentums zwar nicht für alle Minderheiten eins zu eins adaptiert, wohl aber einen Anstoß zur Kritik am Integrationskonzept geben kann. In diesem Sinn wird im Herbstsalon der Gedanke der Desintegration als gesamtgesellschaftliches Konzept mit europäischen Künstler/innen und Multiplikator/innen weiterentwickelt. Es geht darum, den Erwartungen und Anforderungen der jeweiligen Dominanzgesellschaft etwas entgegenzusetzen, sich Geschichte neu anzueignen und neue Netzwerke zu knüpfen. Am Gorki Theater geschieht dies bei den Radikalen Jüdischen Kulturtagen zwei Wochen lang mit Theater, Lesungen und Lecture Performances, Konzerten, Filmen und Kunstaktionen. Der „Junge Rat“, ein von Esra Kücük gegründeter Think Tank aus 24 jungen Erwachsenen aus Berlin, wird zum Abschluss des Herbstsalons ein Manifest der postmigrantischen Berliner Internationale erarbeiten.

Künstlerische Leitung: Shermin Langhoff
Kuratoren: Max Czollek, Sasha Marianna Salzmann, Aljoscha Begrich, Cağla Ilk (TR), Erden Kosova (TR)
Künstler/innen: Banu Cennetoğlu (TR), Sapir Heller (IL), Tobias Herzberg, Sven Johne, Daniel Kahn (US), Adi Keissar (IL), Grada Kilomba (PRT), Delaine & Damian Le Bas (GB), Johannes Paul-Raether, Wermke-Leinkauf, Sivan Ben Yishai (IL)

Termine
02.11.2017 - 12.11.2017 Maxim Gorki Theater, Berlin Herbstsalon