Museum Neuruppin, Blick aus dem Bestandsgebäude auf den Neubau und den Apollo-Tempel, Foto: Lorenz Kienzle und Ronka Oberhammer

fontane.200

Jubiläumsprogramm zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane

Bei großen Künstlern, deren Werk bis in unsere Gegenwart hinein von herausgehobener Bedeutung ist, hat die Kulturstiftung des Bundes in der Vergangenheit schon mehrfach Jubiläen gefördert und dafür des Öfteren eigene Projekte entwickelt. Im Jahr 2019 wird der 200. Geburtstag von Theodor Fontane gefeiert. Aus diesem Anlass fördert die Kulturstiftung des Bundes zwei zentrale Projekte im umfänglichen Jubiläumsprogramm, das die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH – in Kooperation mit dem Museum Neuruppin, der Fontanestadt Neuruppin, dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, der Universität Potsdam und dem Kulturland Brandenburg  ̶  ausrichtet.

Ausstellung und Vermittlungsprogramm

Die Kulturstiftung des Bundes fördert zum einen die zentrale Ausstellung fontane.200/Autor im Museum Neuruppin, in der Heike Gfrereis, eine der renommiertesten Kuratorinnen von Literaturausstellungen, die Vielseitigkeit Fontanes und die Modernität seines künstlerischen Schaffens aufzeigt. Die vielstimmige, interaktiv angelegte Ausstellung stellt Fontane in drei Kapiteln als Wortsampler, Schreibdenker und Textprogrammierer vor. Dabei kommen Materialien aus dem Nachlass ebenso zum Einsatz wie abstrakte Visualisierungen von Literatur. Zum anderen wird ein Vermittlungsprojekt fontane.200/Word&Play! (AT) gefördert, in dem Jugendliche im Rahmen eines Game Jam mit den Mitteln der Bild-, Text- und Soundgestaltung eigene digitale Spiele entwickeln. Diese finden schließlich Eingang in das Medienangebot der Leitausstellung und werden als Open-Source-Material zur Verfügung gestellt. Das Vermittlungsprogramm wird von der Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit der Plattform Kulturelle Bildung im Land Brandenburg in Trägerschaft der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH und der Stiftung Digitale Spielekultur durchgeführt. Ein ergänzendes Rahmenprogramm wird sich an Pädagog/innen, Eltern und Kulturakteure richten, um die Kompetenz im Umgang mit Games zu stärken.

 

Hintergrund

Der 1819 im brandenburgischen Neuruppin geborene Theodor Fontane (gest. 1898 in Berlin) gehört in Europa zu den bedeutendsten Schriftstellern des literarischen Realismus. Fontanes Romane "Effi Briest", "Der Stechlin oder "Irrungen, Wirrungen" wie auch seine Novellen sind fester Bestandteil des deutschsprachigen Literaturkanons. Seine Balladen "John Maynard" oder "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" gehören zu den bekanntesten deutschen Gedichten und haben Generationen von Schüler/innen nachhaltig beeindruckt. Weniger bekannt ist hingegen, dass Fontane erst spät zum Romancier avancierte und sein Leben lang als Autor mit unterschiedlichsten Textgattungen vertraut war: Als Journalist, Kriegsberichterstatter, Literatur-, Kunst- und Theaterkritiker, Essayist, Korrespondent, Dichter, Autobiograph, als Briefeschreiber oder Verfasser von Notizbüchern wurde er zum Chronisten epochaler Umwälzungen des 19. Jahrhunderts in Technik, Ökonomie, Politik und Gesellschaft. Fontane war ein scharfsinniger Beobachter und Kommentator der beginnenden Moderne. Dabei erscheint die Art und Weise, wie Fontane mit unterschiedlichen Textbausteinen und in verschiedensten Textgattungen gearbeitet hat, wie ein Vorgriff auf die digitale Epoche des 21. Jahrhunderts, in der das Sammeln, Kopieren und Neuarrangieren von Bild- und Textmaterial alltäglich geworden ist. In seiner Montage-Struktur ist das Gesamtwerk daher von einer Vielstimmigkeit und Offenheit geprägt, die sich zahlreichen Generationen von Leser/innen immer neu vermittelt hat – und die bis in unsere Gegenwart hineinwirkt.

Für die Ausstellung fontane.200/Autor stellt die Kulturstiftung des Bundes 770.000 Euro, für das digitale Vermittlungsprojekt fontane.200/Word&Play! 300.000 Euro zur Verfügung.

Termine
30.03.2019 - 30.09.2019 Museum Neuruppin, Neuruppin Ausstellung