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Motion Bank von William Forsythe
Entwicklung eines Notationssystems für den Tanz und Aufbau einer Bibliothek für digitale Tanzpartituren
Was in der Musik selbstverständlich ist, ist es im Tanz noch lange nicht: Bisher hat sich kein einheitliches Notationssystem für Bewegungsabläufe und Choreografien durchsetzen können. Vor einigen Jahren hat der Choreograf William Forsythe einen neuen und vielversprechenden Anlauf genommen und ein Notationssystem entwickelt, mit dem sich eine Choreografie allein anhand einer schriftlichen Partitur erlernen oder rekonstruieren lässt, ohne dass man sie als Aufführung gesehen haben müsste. William Forsythe und seine Company planen, in den Jahren 2010 bis 2013 das neue Notationssystem für Tanz weiterzuentwickeln und es für Künstler/innen, Tanzwissenschaftler/innen und eine Fachöffentlichkeit zugänglich und nutzbar zu machen.
Die Methode, die Forsythe zusammen mit dem Advanced Computing Center for the Arts and Design an der Ohio State University entwickelt hat, adaptiert komplexe Verfahren der IT- und Animationstechnologie: Ein Stück oder eine Choreografie wird zunächst aus unterschiedlichen Perspektiven gefilmt und dann mit Hilfe einer entsprechenden Software in eine Partitur übertragen. In einem weiteren Schritt vervollständigt der Choreograf die Partitur um Regieanweisungen, definiert Pausen, Übergänge oder Impulse. Der Prototyp, der am Beispiel der Arbeit „One Flat Thing, Reproduced“, von William Forsythe entstand (siehe synchronousobjects.osu.edu), wird weiterentwickelt und soll so einfach, nutzerfreundlich und erschwinglich werden, dass künftig jeder Choreograf das Notationssystem für die Verschriftlichung seiner Tanzwerke verwenden kann.
Um zu zeigen, dass die Methode nicht allein bei den Arbeiten Forsythes funktioniert, soll sie im Rahmen des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Projekts an Arbeiten anderer renommierter Choreograf/innen erprobt werden, die künstlerisch sehr unterschiedlich arbeiten.
Wenn sich das Verfahren in der Erprobungsphase bewährt, soll allen Choreograf/innen das Angebot gemacht werden, ihre eigenen Stücke mit Hilfe einer anwendungsfreundlichen und kostenlos erhältlichen Software in einer digitalen Partitur festzuhalten. Im Gegenzug stellen sie ihre Partituren der Motion Bank zur Verfügung. So entsteht sukzessive eine Bibliothek für digitale Tanzpartituren, die den komplexen Aufbau von Choreografien so dokumentiert, dass Nachinszenierungen möglich werden und sie auch der Nachwelt überliefert werden können.
In öffentlichen Lecture Performances sollen die Entwicklungsschritte von der Choreografie zur Partitur und wieder zur Aufführung an künftige Interessenten und Nutzer vermittelt werden. Für Studierende finden Workshops und Masterclasses statt, in denen die neue Methode Nachwuchskünstler/innen vermittelt wird.
Die Kulturstiftung des Bundes fördert das Projekt Motion Bank von William Forsythe in den Jahren 2010 bis 2013 mit insgesamt 1,4 Mio. Euro.
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Kirsten Haß
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