mach doch, was du willst

Kurzfilm-Wettbewerb zum Thema Arbeit

Im Rahmen ihres Themenschwerpunkts "Arbeit in Zukunft" initiierte die Kulturstiftung des Bundes einen Kurzfilm-Wettbewerb zur Frage, wie sich unsere Lebensverhältnisse durch den Wandel der Arbeit verändern und welche Vorstellung wir von Arbeit in der Zukunft haben.

Elf Filmprojekte zum Thema Arbeit wurden von einer Fachjury ausgewählt und anschließend finanziert. Die Ausschreibung richtete sich an Film- und Videokünstler und an Studierende der Film-, Medien- und Kunsthochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit der Durchführung des Wettbewerbs war die KurzFilmAgentur Hamburg (KFA) betraut.

Kurzinfos zu Inhalt und Stab aller geförderten Filme finden Sie auf der Website www.machdochwasduwillst.org.

Der im Rahmen des Wettbewerbs entstandene Film "Bus" von Jens Schillmöller und Lale Nalpantoglu wurde 2007 auf die Berlinale eingeladen. Als einziger deutscher Beitrag konkurrierte er beim Berlinale Kurzfilmprogramm um den Goldenen Bären.
Der Film "Bus" erzählt davon, was passieren könnte, wenn es nicht mehr genug bezahlte Arbeit gibt. Die Arbeits-Guerilla in "Bus" wartet nicht auf die Arbeitsagentur, sondern sucht sich ihre Arbeit selbst. In einem Bus fahren sie durch Deutschland und überfallen Menschen mit ihrer Arbeit. Nirgendwo ist man vor ihnen sicher: weder in Schrebergärten noch auf Autobahnraststätten. Unaufgefordert sammeln sie Laub, reparieren Bremslichter und säubern Toiletten und: Sie stellen Rechnungen dafür! Eine zufällig mitgenommene Anhalterin bedroht kurzzeitig das Gefüge ihres Unternehmens. Doch der kleine Arbeitsbeschaffungsbetrieb lässt sich nicht aufhalten.

Die gesamte Filmrolle "mach doch, was du willst" hatte am 29. März 2007 im Kino Babylon in Berlin Premiere.


Konzept der Ausschreibung



Eigentlich haben wir uns einen Traum erfüllt: Maschinen, Computer und Rationalisierungen haben uns viele Mühen genommen. Aber wer hätte gedacht, dass wir es eines Tages vermissen würden zu arbeiten? Eine Arbeitsgesellschaft mit knapper Arbeit - das könnte in den nächsten Jahren einer der kulturellen Grundkonflikte sein. Denn Arbeit ist für die meisten mehr als Broterwerb: Arbeit ist Selbstverwirklichung, schafft Anerkennung und gilt als Ausweis eines erfüllten und sinnvollen Lebens. Kaum etwas beschäftigt die Menschen mehr als ihre Arbeit und ob und wie sie in Zukunft arbeiten werden. Globalisierung, Flexibilisierung und Automatisierung verändern die Arbeit tiefgreifend. Und mit der Arbeit verändern sich auch die Formen unseres Zusammenlebens, unser Selbstverständnis, unser Lebensgefühl und unser Menschen- und Weltbild - kurz unsere ganze Kultur.

"Was Arbeit ist" - schreibt z.B. Georg Seeßlen - "wer sie verteilt, wer sie definiert, das ist unsere Zukunft. Und ein wesentlicher Teil davon ist, welche Bilder von Arbeit wir dabei produzieren. Und wie wir darüber reden."

Was kommt also nach den Bildern des Industriezeitalters? Welche Eindrücke entstehen in der neuen (Arbeits-)Welt? Gibt es für die "Arbeit als Glück" Bilder? Oder brauchen wir diese gar nicht, weil ein Leben ohne Erwerbsarbeit auch ein erfülltes Leben sein kann? Welche Wünsche und Bedürfnisse entstehen in dieser projekt- und netzwerkorientierten Welt? Was bedeutet uns Arbeit jetzt und was bedeutet uns Arbeit in Zukunft?

Gesucht wurden starke und fantasievolle Filmideen, die von der Wirklichkeit in der neuen und/oder alten Arbeitswelt erzählen und der Diskussion darüber, wie wir in Zukunft arbeiten und leben wollen, neue, streitbare oder visionäre Impulse geben. Wünschenswert waren Drehbücher und Filmprojekte, die sich durch besondere Originalität, durch persönliche und ungewöhnliche Handschrift, durch Mut zu schwierigen Themen und durch Experimentierfreude auszeichnen. In der Gesamtheit sollten die elf ausgewählten Filme eine facettenreiche Mischung von Themen, Stilen und Macharten bieten. 

Einsendeschluss für das Konzept zum Filmprojekt war der 10. Mai 2006.

Der Jury gehörten an:

Gabriele Fischer, Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins "brand eins"
Lars Henrik Gass, Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen
Anke Lindenkamp, Kurzfilmredakteurin bei ZDF/ARTE
Eva Matlok, Geschäftsführerin AG Kino/Gilde
Andres Veiel, Filmemacher
Astrid Kühl, Geschäftsführerin der KurzFilmAgentur Hamburg e.V.

Die elf Filme wurden zu einer Kurzfilmrolle zusammengestellt, auf einer Tournee durch deutsche Festivals und Programmkinos zur Aufführung gebracht und über das Fernsehen und weitere Medien einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Termine
29.03.2007 - 29.03.2007 Kino Babylon Mitte, Berlin Premiere der Kurzfilmrolle "Mach doch was du willst"

Kurzfilmrolle jetzt auf DVD

Die Kurzfilmrolle "mach doch, was du willst" können Sie nun regulär als DVD im Handel kaufen. Weiterhin erhältlich ist eine Bildungs-DVD der Kurzfilmrolle mit Begleitmaterial für den Einsatz im Unterricht, in Bildungseinrichtungen oder Landesmedienzentralen. Die DVD kostet 11,95 Euro und ist über die KurzFilmAgentur Hamburg e.V. zu beziehen. Die DVD mit Begleitmaterial für die Bildungsarbeit kostet für Lehrer und Schulen 35 Euro und für Medienzentren 220 Euro, sie ist bei Matthias-Film zu beziehen.

KurzFilmAgentur Hamburg e.V.Matthias-Film

Preise und Auszeichnungen:

Etliche der entstandenen Filme sind inzwischen bereits, zum Teil sogar mehrfach, ausgezeichnet worden: So erhielt Markus Dietrich mit "Outsourcing" den Friedrich-Wilhelm-Murnau-Kurzfilmpreis 2007, den dfk-Regieförderpreis 2007 sowie den Camera del Lavoro Award des Internationalen Filmestivals Milano 2007. "Bus" von Jens Schillmöller und Lale Nalpantoglu lief 2007 als einziger deutscher Beitrag im Kurzfilmwettbewerb der Berlinale. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden kürte Jan Peters Film "Wie ich ein freier Reisebegleiter wurde" im Februar 2007 zum Kurzfilm des Monats und vergab das Prädikat „besonders wertvoll“. Der Film erhielt darüber hinaus den Preis der Deutschen Filmkritik 2007 in der Sparte Experimentalfilm im Rahmen des European Media Art Festival Osnabrück, er wurde mit dem Jury- und dem Publikumspreis der Hamburgischen Kulturstiftung im Rahmen des Internationalen Kurzfilmfestivals Hamburg 2007 sowie beim 17. Internationalen Videofestival Bochum ausgezeichnet. Er erhielt den Preis des Landesverbandes Filmkommunikation Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen des 17. Filmkunstfestes 2007 wie auch den 3. Publikumspreis im 15. Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb beim Exground Filmfest Wiesbaden 2007. Bei der 14. Regensburger Kurzfilmwoche gewann er den Max-Bresele-Gedächtnispreis für einen politisch relevanten Film, beim La.Meko Festival in Landau 2007 den Preis für den besten Dokumentarfilm und bei Short Cuts Cologne den 3. Publikumspreis. Beim Young Collection Kurzfilmwettbewerb Forum junger Filme in Bremen wurde er 2007 mit dem Kritikerpreis gekürt. 2008 wurde Jan Peters zum 10. Ljubljana Documentary Film Festival eingeladen. Arne Bunks Film "Eine Schauspielerin versucht zu weinen" wurde von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet. Der Film "Peters Prinzip" von Kathrin Albers und Jim Lacy erhielt den Skoda-Kurzfilmpreis auf dem Internationalen Kurzfilmfestival Berlin 2007 und wurde Sieger in der Nachwuchskategorie des 40. Deutschen Wirtschaftsfilmpreises. Zudem wird ihm am 6. Juni 2008 der Kurzfilmpreis der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung verliehen.