Bild und Raum

"Sturm auf den Winterpalast", unretuschierte Variante und vermutetes Original des theatrales Reenactments auf dem Palastplatz, Sankt Petersburg, 1920, von Nikolaj Evreinov (Regisseur), u.a. Foto: CGAKFFD SPb, Katalognummer Ar 86597

Sturm auf den Winterpalast

Forensik eines Bildes. Ausstellung

2017 jährt sich die Oktoberrevolution zum 100. Mal. Die Ausstellung im Hartware MedienKunstVerein widmet sich aus diesem Anlass jener Fotografie, die wie keine andere zum Symbolbild der Revolution geworden ist: dem „Sturm auf den Winterpalast“. Allerdings stammt das Foto nicht vom historischen Ereignis selbst, sondern von einem Massenspektakel, das 1920 von dem russischen Theaterregisseur Nikolaj Evreinov inszeniert worden ist. Zum dritten Jahrestag der Revolution sollte die Einnahme des Winterpalais, die real nie so stattgefunden hat und damit auch nicht fotografiert werden konnte, publikumswirksam nachgestellt werden. Aus der Fotografie eines Theaterereignisses wurde ein ›historisches Dokument‹. 
Die Ausstellung präsentiert Filmaufnahmen und Fotografien des Massenschauspiels von 1920 sowie die Dokumentwerdung des Fotos in der sowjetischen Geschichtsschreibung, in Bildbänden, Schulbüchern und auf Plakaten. Zudem werden Arbeiten zeitgenössischer Künstler/innen – beispielsweise des Regisseurs und Reenactment-Spezialisten Milo Rau oder der russischen Künstlergruppe Chto Delat – gezeigt, die den Sturm auf den Winterpalast kommentieren und sich mit den Themen Geschichte, Erinnerung, Reenactment und Wiederholung auseinandersetzen. Die Inszenierung der Oktoberrevolution durch die polnische Künstlergruppe Orange Alternative von 1988 und Werke der Künstlerin Christina Lucas sowie des Filmregisseurs Peter Watkins ergänzen die Ausstellung.

Kuratorinnen: Inke Arns & Sylvia Sasse
Künstler/innen: Chto delat (RU), Nikolaj Evreinov (RU), Waldemar Fydrych (Orange Alternative) (PL), Cristina Lucas (ES), Kazimir Malevich (RU), Milo Rau – International Institute of Political Murder (CH), Peter Watkins (UK)

Termine
25.11.2017 - 08.04.2018 Dortmunder U, Ebene 6, Dortmund Ausstellung

Weitere Termine:

Gessnerallee, Zürich: 1.9.–31.10.2017;
Muzeum Sztuki, Lodz: 30.11.2017–28.1.2018