Wort und Wissen

Bildausschnitt aus "Hermann Hesse beim Bocciaspiel, um 1935", Foto von Martin Hesse © Martin Hesse Erben

Zwischen den Fronten. Der Glasperlenspieler Hermann Hesse

Ausstellung

Während die Rolle Thomas Manns als moralische Instanz im Kampf gegen den Nationalsozialismus heute selbstverständlich anerkannt ist, steht Hermann Hesse diesbezüglich im Schatten. Dieser Wahrnehmung möchte die Ausstellung im Literaturhaus Berlin etwas entgegensetzen und Hesses Haltung zum „Dritten Reich“ aufarbeiten. Im Fokus steht Hermann Hesses literarisches, politisches und gesellschaftliches Wirken von Anfang der 1930er bis Mitte der 1950er Jahre und insbesondere die intensive Beziehung, die Hesse und Mann sowohl im Literarischen wie auch im Persönlichen verband. Als Schweizer, der er seit seiner Einbürgerung 1924 war, hatte Hermann Hesse eine besondere Position zwischen deutschem Widerstand, „innerer Emigration“ und dem Exil. In der Zeit des Nationalsozialismus setzte Hesse sich für zahlreiche Schriftsteller und Intellektuelle mit Verlagsvermittlungen, Interventionen bei der Schweizer Fremdenpolizei und mit direkter finanzieller Hilfe ein, darunter für Walter Benjamin, Peter Weiss, Siegfried Kracauer oder Robert Musil. Unzählige Freunde und Verwandte vor allem aus Österreich wandten sich zudem hilfesuchend an Hesses zweite Frau Ninon Hesse, die aus einer jüdischen Familie stammte. Hesses Position als Schriftsteller war eine Gratwanderung: Seine Bücher wurden von den NS-Behörden teils geduldet, teils sabotiert, und während der S. Fischer Verlag sich aufspaltete und damit zahlreiche Autorenrechte freigab, publizierte Hesse weiter beim reichsdeutschen Restverlag.

Die Ausstellung wird Teile des unpublizierten Briefwechsels zwischen Hermann Hesse und seinem Sohn Martin sowie unveröffentlichte Briefe aus der Korrespondenz mit Thomas Mann zugänglich machen. Mit historischen Objekten, Dokumenten, Fotos und Originalaquarellen Hesses sowie multimedialen Komponenten sollen die zeit- und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge dargestellt werden. Ein umfangreiches Programm mit Lesungen, Filmvorführungen und Expertengesprächen begleitet die Ausstellung im Literaturhaus Berlin. Weitere Stationen in Zürich, in der Ukraine, Russland, den USA und China sind geplant.

Künstlerische Leitung: Lutz Dittrich
Kurator/innen: Volker Michels, Gunnar Decker, unodue (Florian Wenz, Costanza Puglisi)
Mitwirkende: Jan-Pieter Barbian, Markus Bernauer, Lukas Bärfuss (CH), Richard Dindo (CH), Eva Eberwein, Harald Eggebrecht, Heike Gfrereis, Michael Kleeberg, Hanspeter mit Matthias und Martin Siegenthaler, Florian Welle.

Termine
14.12.2017 - 11.03.2018 Literaturhaus Berlin, Berlin Ausstellung

Weitere Termine:

Anfang 2019, Philosophicum in der Druckereihalle, Basel (in Planung)

Ausstellung mobil, verschiedene Orte in der Ukraine, verschiedene Orte in Russland, verschiedene Orte in China: 2.3.–28.12.2018; Ausstellung mobil, verschiedene Orte in den USA: 7.9.–28.12.2018;