Aktuelle Projekte: Allgemeine Projektförderung

Auswahl der 48. Jurysitzung

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Einleitung

Die interdisziplinäre Jury der Allgemeinen Projektförderung empfahl auf ihrer jüngsten Sitzung im Herbst 2025 neue Förderprojekte aus den Bereichen Bildende Kunst, Theater, Performance, Tanz, Film und Musiktheater. 

Geförderte Projekte 

Gabriele Stötzer: Dabei sein und nicht schweigen

Schwarz-weiß-Foto der Künstlerin mit gemalten Vögeln im Vordergrund
Gabriele Stötzer, Mir gegenüber – Selbst im Spiegel, 1985 © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Der Gropius Bau widmet der 1953 geborenen Gabriele Stötzer in der zweiten Jahreshälfte 2026 ihre bislang größte Werkschau. Stötzers künstlerisches Schaffen ist untrennbar mit ihrem politischen Engagement und ihrer Auflehnung gegen die Staatsmacht der DDR verbunden, wo sie nach Zwangsexmatrikulation und Hafterfahrung zu einer Schlüsselfigur der Erfurter Untergrundszene wurde. Die Ausstellung zeigt mehr als 150 Werke – von Malerei über Film bis Performance – und umfasst auch neue Arbeiten, die das Publikum aktiv einbeziehen.

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The Day Before (AT)

Leuchtend rote Szenerie mit verschwommenen Clubbesuchern
Foto: Rafa Jacinto

Mit „The Day Before“ schafft die brasilianische Regisseurin Christiane Jatahy gemeinsam mit der deutsch-österreichischen Komponistin Brigitta Muntendorf und der spanischen Journalistin, Aktivistin und Schriftstellerin Rosa Montero ein politisches und partizipatives Musiktheater, das im Frühjahr 2026 bei den Wiener Festwochen Premiere feiert. Weitere Aufführungen sind bei den KunstFestSpielen Herrenhausen in Hannover und beim Festival Musica in Strasbourg geplant. Das internationale Trio konfrontiert den Mythos der „Ilias“ – einen der bekanntesten und brutalsten Texte der europäischen Literatur – mit den Konfliktlinien einer globalen, von männlicher Gewalt geprägten Gegenwart.

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How to Make a Life

Ältere Dame mit Leuchter tanzend auf Bühne
Wen Hui, I Am 60, 2007. Foto: Li Yinjun

Mit dem Festival „How to Make a Life. Ein internationaler Programmschwerpunkt zu Alter(n) und Jugend, Zukunft und Glück“ widmet sich der Frankfurter Mousonturm im Herbst 2026 einem gesellschaftlich dringlichen, jedoch oft verdrängten Thema: dem Alter(n). Das Programm reagiert auf die Unterrepräsentation alter Körper und Stimmen im Theater und hinterfragt gängige Vorstellungen von Jugend, Leistung und Verfügbarkeit. Co-kuratiert vom südafrikanischen Choreografen Boyzie Cekwana bezieht es internationale Perspektiven auf demografischen Wandel ein. Gezeigt werden Ur- und Erstaufführungen sowie Gastspiele aus Tanz, Performance und Theater, partizipative Arbeiten und genreübergreifende Format.

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NOTIERT.GETANZT.ERWIDERT.

Schwarz-weiß Aufnahme dreier Tänzerinnen in Bewegung
Chamber Dance Quartet, erstes Ensemble, in Promenade von Noa Eshkol, 1954–1956.Foto: T. Brauner.

Mit „Notiert. Getanzt. Erwidert.“ bringt das Dance On Ensemble im Frühjahr 2026 in den Sophiensælen in Berlin wenig gezeigte Werke der israelischen Künstlerin Noa Eshkol (1924–2007) zurück auf die Bühne – und stellt ihnen eine neue Arbeit des französischen Choreografen Noé Soulier gegenüber. Weitere Aufführungen folgen im Sommer darauf bei der Tanzwerkstatt Europa in München und im Herbst in HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste in Dresden.

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School of Listening

Blau gefärbter Ausstellungsraum mit Radio in der Mitte
Radio Choreography. Acts of Transmission. 2024, Einzelausstellung von Netta Weiser. Badischer Kunstverein.  Foto: Felix Grünschloß.

Die Ausstellung „School of Listening“, kuratiert von Havîn Al-Sîndy, Maayan Sheleff und Nora Sternfeld zusammen mit dem Team des ZKM findet im Frühjahr 2027 am ZKM | Karlsruhe statt. Sie erforscht Formen der Zusammenarbeit und Teilnahme durch den Akt des Zuhörens und reagiert damit auf die scheinbar weltweit wachsende Polarisierung von Debatten. Zunehmend sind auch kulturelle Institutionen aufgefordert, Partei zu ergreifen und sich auf die eine oder andere Seite zu stellen. So schwinden Räume für Nuancen. Mit der „School of Listening“ schlagen die Kurator:innen daher vor, Positionen zu stärken, die kein „Entweder / oder“ fordern, sondern stattdessen andere, subtile Wege anbieten, einander zuzuhören, vereinfachende Perspektiven auf Identität in Frage zu stellen und mit Differenzen umzugehen.

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ELECTRICITY (AT)

Schöne Stoffbahnen in weiß wabern in Industriehalle
Asad Raza, Prehension, Manifesta 15, Barcelona, 2024. Foto: Ivan Erofeev

Das E-WERK Luckenwalde ist ein ehemaliges Braunkohlekraftwerk, das heute als Kunst- und Kulturzentrum und zugleich als regeneratives Kunststrom-Kraftwerk genutzt wird. Im Herbst 2026 erföffnet dort die Ausstellung „ELECTRICITY“ mit einer Auftragsarbeit von Asad Raza sowie einem umfassenden öffentlichen Programm, das gemeinsam mit dem multidisziplinären Künstler Asad Raza entwickelt wird.

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Love is a Verb #2: We, the Heartbroken

Violette Projektionen auf Leinwände in Ausstellungsraum
“Love is a Verb” im HAU. Foto: Sophie Utikal. 

Kann Liebe als kollektive Praxis der Fürsorge Wege durch die Erschütterungen unserer Zeit eröffnen? „Love is a Verb #2“ im HAU Hebbel am Ufer erkundet im Herbst 2026, wie ein bislang privat verortetes Konzept vergesellschaftet und politisch gedacht werden kann. In Anlehnung an Paul Preciados „Dysphoria Mundi“, Hannah Arendts „Amor Mundi“ und Gargi Bhattacharyyas „We, the Heartbroken“ versteht das Festival Liebe als zugewandte, widerständige Haltung und Herzschmerz als Zeichen eines revolutionären Bewusstseins. Es fragt nach den Auswirkungen globaler Krisen auf Beziehungen und verhandelt Liebe in künstlerischen, performativen und diskursiven Formaten. Zentrum ist die „Vessel of Love“ im HAU1 – ein Raum für Begegnung, Austausch und mögliche Transformation.

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Tanya Lukin Linklater

Dunkelhaarige verträumte Performerin vor einer himmelblauen Wand
Tanya Lukin Linklater, A gentle reassembly, 2022, video with soundprojection onto performance platform of pine wood reclaimed fromthe Ottawa River, plinth to accompany Woman’s Beaded Hood, wallspainted to match the bead colours on Hood, 48 minutes, 55 seconds. Performance view with Ivanie Aubin-Malo and Laura Ortman,Movement: Expressive Bodies in Art, National Gallery of Canada,Ottawa, 2022. Photo: National Gallery of Canada. Courtesy Catriona Jeffries, Vancouver

In ihren transdisziplinären Arbeiten verbindet die in Kanada lebende Sugpiaq-Künstlerin Tanya Lukin Linklater Tanz, Performance, Video, Skulptur und Text. In ihrem Werk setzt sie Körper, Sprache und Erinnerung in ein vielschichtiges Verhältnis. Für die Kunsthalle Portikus an der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main realisiert sie ab Frühjahr 2026 eine neue Rauminstallation aus Textil und Zedernholz – einem Material, das in vielen indigenen Kulturen Nordamerikas eine besondere Bedeutung trägt. Stoffbahnen aus Leinen, Pailletten und Decken werden dabei von Holzbalken getragen, Materialien, die der Künstlerin im Kontext indigener Rituale geschenkt wurden. Besucher*innen bewegen sich zwischen den Stoffen hindurch und aktivieren die Arbeit körperlich. Ergänzt wird die Installation durch neue Aquarelle, die Wasser – als Träger von Geschichte, Bewegung und Leben – als zentrales Element von Lukin Linklaters Praxis hervorheben und einen direkten Bezug zur Lage des Portikus über dem Main herstellen.

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Oh Europa! Performing Security

Digitaler Avatar mit blauem Anzug
TÒ SU, Tom Lane

Das deutsch-italienische Regieduo TÒ SU (Martina Mahlknecht und Martin Prinoth) recherchiert in „Oh Europa! Performing Security“ gemeinsam mit internationalen Künstler*innen und Expert*innen zu den europäischen Außengrenzen als Orte gewaltsamer Ausgrenzung, von Macht, Ungleichheit und manchmal auch Menschlichkeit. Zwischen Frühjahr 2026 und Frühjahr 2027 werden die Erfahrungen ehemaliger Frontex-Mitarbeiter*innen durch eine dokumentarische Filminstallation und eine immersive Bühnenperformance für das Publikum erlebbar gemacht. Aufführungen sind auf Kampnagel in Hamburg, in Bozen / Bolzano und in Prag geplant.

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Vom Unterwegssein der Dinge

Puppen wie Lieferanten vor Lager und LKW
Fidena 26: Transport Cargo Maribor Puppet Theatre  c: Boštjan Lah

„Vom Unterwegssein der Dinge“ ist ein künstlerisches Projekt des Fidena Festivals, das sich im Frühjahr 2026 in Bochum, Herne und Essen mit globaler Logistik und Infrastruktur auseinandersetzt. Es nutzt die Ausdrucksformen des Figuren- und Objekttheaters, um Fragen von Macht, Verantwortung und Sichtbarkeit im Kontext globaler Warenströme zu thematisieren. Im Fokus stehen dabei der Zusammenhang zwischen Konsum und Verantwortung, die Unsichtbarkeit von Arbeitsverhältnissen in Lieferketten, die Darstellung von Migration als logistisches Problem sowie die ökologischen Auswirkungen weltweiter Transporte. Dazu gehört die sechsteilige Theaterreihe „Transport“ von Tin Grabnar, die sich mit der Mobilität von Gütern und Menschen beschäftigt, sowie eine Auftragsarbeit von Ant Hampton zu verborgenen Strukturen globaler Logistik. Das Programm findet innerhalb des internationalen Figurentheaterfestival Fidena statt und wird durch ein Talk-Format zu Migration und Überwachung sowie einen künstlerischen Workshop zu Logistik im Alltag der Stadtbevölkerung ergänzt.

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Still Together / Still Apart (AT)

Personen tanzen auf einer rot beleuchteten Bühne
Foto: Öncü Gültekin

Zum 20. Jubiläum von K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg auf Kampnagel wird im Frühling 2027 ein vierteiliger Tanzabend unter dem Motto „Still Together / Still Apart“ (AT) entstehen. Die Produktion setzt sich mit dem Umgang mit multiplen Krisen der Gegenwart auseinander und fragt: Wie können Menschen zusammenkommen, trotz Dissens, Konflikt, Ungleichheit und Polarisierung? Mit Reut Shemesh, Aloali‘i Tapu, Adam Linder und dem Kollektiv Marble Crowd stellen internationale Choreograph*innen den bewegten Körper in das Zentrum dieser Ambivalenzen. Es entstehen jeweils 20-30-minütige Choreographien, die diverse Tanzstile – Ballett, zeitgenössischer Tanz, Krump, House – an einem Abend zusammenbringen.

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Jetzt / עכשיו / الآن / Now (AT)

Hausfassade mit reparierten Rissen
Maya Schweizer, Recherchefotos, 2025. VG Bild-Kunst, Bonn

Die Kunsthalle Göppingen plant in Kooperation mit dem Center for Contemporary Art in Tel Aviv–Yafo eine Ausstellung der Bildenden Künstlerin Maya Schweizer: Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit ist das hebräische Wort „aksháv“ (עכשיו ausgesprochen: achscháv), das zum eindringlichen Ruf des Protests tausender Menschen auf den Straßen Tel Avivs wurde, die das Ende des Krieges in Gaza und die Freilassung der israelischen Geiseln – „jetzt“ – forderten. In ihrem Projekt sammelt Schweizer atmosphärische Eindrücke in Israel und im Landkreis Göppingen, die sie in eine mehrkanalige Videoarbeit übersetzt, um das „Jetzt“ einer Gesellschaft erfahrbar zu machen. In Göppingen recherchiert die Künstlerin zu den Spuren jüdischen Lebens, um so eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. Die Schau ist im Herbst 2026 in Tel Aviv und im Frühling 2027 in Göppingen zu sehen.

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Self-Defense

zwei schwarze männlich gelesene Performer nackt tanzend in einer Kunsthalle
Foto: Matheus Freitas

Wie kann Tanz zu einer Selbstverteidigungspraxis werden? Das brasilianische Choreograf*innen-Duo Davi Pontes und Wallace Ferreira untersucht seit 2018 in ihrer Repertório-Trilogie Choreographie als Werkzeug für politischen Widerstand. Ihre Bewegungssprachen reagieren auf koloniale Kontinuitäten, staatliche und polizeiliche Gewalt in Brasilien und fragen nach einer poetischen, kollektiven Form des Schutzes jenseits von Kampf oder Rückzug. Mit „Expanded Repertory“ (AT) & „The School of Self-Defense“ präsentiert die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz im Herbst 2026 ein Projekt, das Tanz, Theorie, Community-Arbeit und Popkultur, afro-diasporisches Wissen, queere Perspektiven und kritische Theorie zu einem performativen Gegenarchiv verbindet. Zentrale Bestandteile sind die Uraufführung von „Expanded Repertory“ (AT) – der ersten Ensemblearbeit von Pontes und Ferreira außerhalb Brasiliens – sowie das interdisziplinäre Festival „The School of Self-Defense“ mit Workshops, Panels, Vorträgen und Ballroom-Veranstaltungen.

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POEMS OF UNREST / GEDICHTE DER UNRUHE

zwei Bühnenfiguren mit pinkfarbenen Kostümen
Robert Gabris, Aylum, a poem of unrest. 

Im Sommer 2026 präsentiert das Haus für Medienkunst in Oldenburg in Zusammenarbeit mit der OFF-Biennale Budapest eine Auswahl aus deren fünfter Ausgabe. Die Ausstellung „Poems of Unrest“ – benannt nach einer Arbeit des Künstlers und Aktivisten Robert Gabris – untersucht, wie Vorstellungen von innerer und äußerer Sicherheit miteinander verwoben sind und wie persönliche Erfahrungen und kollektive Traumata einander beeinflussen. Arbeiten, die sich mit den Traumata des Krieges auseinandersetzen, treten in Dialog mit Werken zu häuslicher Gewalt und den Konfliktzonen des familiären Alltags. Angesichts des weltweiten Erstarkens populistischer Bewegungen bieten die Erfahrungen aus dem ungarischen Kontext Strategien, um sich Gewalt, Angst und Spaltung zu widersetzen – durch Zärtlichkeit, Empathie und geteilte Menschlichkeit.

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Hass/Μίσος

3 Schauspieler auf Bühne, in der Mitte einer mit wütendem Gesicht
Hass im Theaterhaus Jena. Foto: Candy Welz

Das Theaterhaus Jena kooperiert für „Hass“ mit der griechischen Kompanie Spektrum AMKE und dem Theatro Technis in Athen für zwei Theaterproduktionen, die soziale Ungleichheit und Marginalisierung in Europa beleuchten. Ausgangspunkt ist der Kultfilm „La Haine“ („Hass“) von Mathieu Kassovitz (1995). Für eine deutsche Adaption verlegt der Regisseur Daniele Szeredy die Handlung nach Jena-Lobeda, wo der NSU gegründet wurde. Ein gemischtes Ensemble aus deutschen, rumänischen und griechischen Schauspielern porträtiert darin eine Generation zwischen sozialem Aufruhr und erstarkendem Faschismus. Die Athener Version „24 hours in a world that doesn't belong to us“ von Pantelis Flatsousis untersucht dabei als Mockumentary-Performance mit einem fast ausschließlich weiblichen Ensemble die Verknüpfung von Männlichkeitsbildern und Gewalt im heutigen Europa. Die beiden Gastspiele sind Anfang 2026 in Jena und Athen zu sehen.

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Yiddish Wo:men – Another Story of Modernity

Schwarz-weiß-Aufnahme einer jungen Frau an einem DJ-Mischpult
Chaia Bermann Peters.  Foto: Michael Sticher

Als zentraler Programmpunkt des Yiddish Summer Weimar 2026 widmet sich „Yiddish Wo:men – Another Story of Modernity“ jiddischsprachigen Frauen als Wegbereiterinnen europäischer jiddischer Kultur. Drei Formate setzen sich mit dem jüdischen Aufbruch in die Moderne aus weiblicher Perspektive auseinander: Das Modul „Her:Kol – Yiddish Women's Song Cultures“ vergibt Kompositionsaufträge an Komponistinnen des 21. Jahrhunderts für neue jiddische Lieder auf Basis historischer und zeitgenössischer Frauenlyrik. Das Musiktheater „Togbukh" erzählt die Fluchtgeschichte der Schauspielerin Rose Shoshana Kahan nach Shanghai. Eine virtuelle Ausstellung zeigt auf Basis jiddischer Manuskripte vom 15. Jahrhundert bis zur Moderne, wie Frauen durch Lesen und künstlerisches Schaffen zu Wegbereiterinnen der Neuzeit wurden.

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Amina Kadous. Memory is A Place

Eine beengte, abgenutzte Schneiderwerkstatt mit Nähmaschine, Stoffen und persönlichen Gegenständen; an der Wand hängt ein gerahmtes Porträt. Der Raum wirkt improvisiert und erzählt von Arbeit, Alltag und vergangener Zeit.
Amina Kadous, City Entrapped #1 from the series City Entrapped (2017) Archival pigment print, Courtesy of the Artist

Das zweiteilige, transnationale Ausstellungsprojekt „Memory is A Place“ der in Kairo lebenden Künstlerin Amina Kadous untersucht, wie Erinnerungen mit Räumen und Gegenständen verwoben sind. Ende 2026 zeigt zuerst das ARD Art Institute in Kairo die immersive Installation „One Brick at a Time“, in der auf die Ziegel ehemaliger Gebäude Fotografien montiert werden, die den Zerfall und die Erneuerung Kairos dokumentieren. Die Berliner Ausstellung knüpft ab Frühjahr 2027 an die Schau dort an und entwickelt sie weiter. Im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst werden drei Arbeiten präsentiert: eine kleinere Version von „One Brick at a Time“ und die großformatige persönliche Installation „If My Grandfather Had Written Me a Letter“, die mit der fotografischen Serie „A Crack in the Memory of My Memory“ verbunden ist. Gemeinsam erzeugen sie eine vielschichtige Konstellation persönlicher Erinnerungen und kollektiver Geschichte in Kairo, wobei jede Arbeit in die nächste übergeht. Schließlich wird auch die fotografische Serie „City Entrapped“, die Portraits von beliebten ägyptischen Persönlichkeiten zeigt und ihre Bedeutung für die lokale Erinnerungskultur reflektiert. Durch das urbane Gefüge Kairos und das Nachhallen von Innenräumen und intimen Orten entsteht das, was Kadous als eine architektonische Erinnerung beschreibt.

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POST-WEST

Spaziergänger unter einem pflanzenbewachsenen Laubengang
Impulse 2025, Tyrannosaurus Regina. Foto: Robin Junicke. 

Das Impulse Festival in Nordrhein-Westfalen gilt seit über 35 Jahren als zentrale Plattform der freien Performance-, Theater- und Tanzszene im deutschsprachigen Raum. Unter der künstlerischen Leitung von Franziska Werner wurde 2025 die Programmlinie Post-West eingeführt, um Transformationserfahrungen in Ost- und Westdeutschland zu reflektieren. Im Jahr 2026 erweitert das Festival diesen Schwerpunkt gezielt um Perspektiven aus Osteuropa und zeigt drei Gastspiele aus Polen, Estland und der Slowakei. Das Festival untersucht in vielfältigen künstlerischen Formaten postsozialistische und post-westliche Erfahrungen, autoritäre Entwicklungen sowie Formen des Widerstands und fragt nach neuen Modellen des Zusammenlebens. Durch Residenzen und Kooperationen mit Partnerinstitutionen soll ein nachhaltiges Netzwerk für künstlerischen Austausch entstehen jenseits binärer Ost-West-Zuschreibungen.

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Practice, Practice, Practice – Kevin Jerome Everson

Junger Mann auf Rollschuhen im urbanen Raum
May, June, July. Kevin Jerome Everson, production still. Courtesy of the artist, trilobite arts DAC, picture palace pictures.

Mit „Practice, Practice, Practice“ plant silent green Film Feld Forschung in Berlin für Sommer 2027 die erste umfassende Einzelausstellung des US-amerikanischen Künstlers Kevin Jerome Everson in Deutschland. In über 200 Kurz- und 12 Langfilmen entwickelte Everson eine eigene filmische Sprache, die Menschen in den USA bei der Arbeit zeigt – mit einer Ästhetik, die die Würde, Intelligenz und Komplexität körperlicher Arbeit im Alltag sichtbar macht. Die Ausstellung in der Betonhalle des silent green macht das filmische Œuvre Eversons erstmals in seiner ganzen Breite erlebbar: neben großformatigen mehrkanaligen Video- und Filminstallationen auch skulpturale Arbeiten. Der Kunstverein Braunschweig wird parallel eine Ausstellung mit ausgewählten Arbeiten Eversons realisieren, die mit den Orten Braunschweig und Wolfsburg als Standorte der Autoindustrie in Dialog treten. Zudem soll eine neue Arbeit zur Automobilindustrie in Deutschland entstehen. Filmvorführungen und Diskursveranstaltungen, u.a. in Zusammenarbeit mit dem Harun Farocki Institut, ergänzen das Programm.

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C.C. Hennix

Ältere lässige Dame in grashüpfergrünem Shirt vor Bilderrahmen mit Katze mit Gitarre
Catherine Christer Hennix, 2022. Foto: Ari Marcopoulos. Courtesy: Blank Forms, New York.

Die Ausstellung „One Darks, Two Darks“ im Badischen Kunstverein Karlsruhe widmet sich der Avantgarde-Komponistin, bildenden Künstlerin, Dichterin und Mathematikerin Catherine Christer Hennix (1948–2023). Die Retrospektive würdigt die Pionierleistung der schwedischen Künstlerin zwischen Kunst und Musik und macht ihr Werk in Installationen, Skulpturen, „Sound Pieces“ und literarischen Arbeiten erstmals umfassend in Deutschland sichtbar. Hennix' raumgreifende Installationen übersetzen Kompositionen in räumliche Erfahrungen. Die Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher ein, Licht, Klang und Vibration als meditative Elemente wahrzunehmen. Veranstaltungen mit Vorträgen, Konzerten und Workshops begleiten die Ausstellung. Zu den internationalen Kooperationspartnern zählen die schwedische Konsthall Malmö sowie die publizistische Plattform „Blank Forms“ aus New York.

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3. EveryBody Festival 2026

Eine Person mit Rollstuhl macht tänzerisch-akrobatische Bewegungen über Kopf
Sharon Fridman - Go Figure. Nimrod Peled.

Das EveryBody Festival für mixed-abled Tanz und Performance bringt exzellente internationale Tanz- und Performanceproduktionen von und mit Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderungen auf die Bühne, die bislang in Deutschland kaum zu sehen waren. Ausgerichtet wird das Festival von der 2021 gegründeten Initiative EveryBody aus Nürnberg, die sich für Inklusion in Kunst und Kultur und vor allem im Bereich des zeitgenössischen Tanzes einsetzt.

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Musik, Musik, Musik

zahlreiche Musiker von hinten auf Bühne
Musik, Musik, Musik. Foto: Ingo van Aaren

Das Genre des deutschen Schlagers existiert seit rund 140 Jahren und erweist sich als komplexe Kulturform und Resonanzraum gesellschaftlicher Vorstellungen, die auch in der bildenden Kunst Spuren hinterlassen. Die Ausstellung in der Kunsthalle Rostock beleuchtet im Sommer 2027 die enge Verbindung von Schlager, Moderne und sozialen Umbrüchen wie Urbanisierung oder Migration. Anhand zentraler Themen – Heimat, Fernweh, Körperbilder, Krieg – spannt sie einen Bogen von Marlene Dietrich bis Shirin David. Musik, Alltagsobjekte und Kunstwerke eröffnen vielschichtige Perspektiven auf kollektive Bilderwelten, ergänzt durch zeitgenössische Positionen und ein generationsübergreifendes Rahmenprogramm.

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Schatten.

Im Winter 2026 widmet sich das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt erstmals dem Phänomen des Schattens als kulturübergreifendem Bild- und Bedeutungsträger. Die Ausstellung vereint Kunstobjekte, Filme und Medienkunst von antiken Höhlendarstellungen über asiatische Schattentheater bis zu filmischen Licht-Schatten-Ästhetiken der Moderne. Werke von Lotte Reiniger und Kara Walker stehen exemplarisch für unterschiedliche historische und politische Lesarten. Internationale Kooperationen, eine begleitende Filmreihe sowie ein umfassendes Vermittlungsprogramm erweitern den Blick auf den Schatten als ästhetisches und symbolisches Schlüsselmotiv.

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Augur

Der Westfälische Kunstverein präsentiert im Sommer 2026 mit „Augur“ die erste institutionelle Einzelausstellung der US-amerikanischen Künstlerin Steffani Jemison in Deutschland. In ihren Videoarbeiten und Skulpturen erforscht Jemison das Fliegen als eine körperliche Erfahrung der Befreiung. Das Fliegen und insbesondere der Flug Schwarzer Körper steht für ein Entkommen aus normativen Zuschreibungen und Zwängen, als symbolische wie körperliche Erfahrung von Freiheit. Für Münster wird die Künstlerin eine neue, raumgreifende Installation entwickeln.

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CALL FOR COMMONING

zwei Hände berühren sich vor einer Stadtkarte von Hamburg
Call for Commoning. Credits/Rechte: Paul Ramirez Jonas

Mit dem Projekt “CALL FOR COMMONING” verlegt Kampnagel ab dem Frühjahr 2027 den Schwerpunkt seines Programms in den öffentlichen Raum der Stadt Hamburg. Selbstwirksamkeit, Partizipation und Mitgestaltung stehen im Zentrum von drei neu produzierten partizipativen Arbeiten internationaler Künstler*innen, die urbane Räume mit Performances und Interventionen aktivieren.
 

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NO PRISON

Im Sommer 2026 bietet sich für das Festival Theaterformen die besondere Gelegenheit, in Braunschweig ein leerstehendes Gefängnis zu bespielen. Seit 1885 wurden hier Menschen inhaftiert und bestraft: zu Zeiten der Monarchie, NS-Diktatur und Demokratie. Bevor die denkmalgeschützte JVA Rennelberg verkauft wird, öffnet sich ein kurzes Zeitfenster, um künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Ort zu initiieren. In den Zellen, Gängen, Aufenthaltsräumen und im Außenbereich entstehen ortsspezifische performative Arbeiten, kollektive Aktionen und performative Prozesse etwa von Nicoleta Esinencu & teatru-spălătorie aus der der Republik Moldau, dem chilenischen Kollektiv LASTESIS oder dem brasilianischen Kollektiv MEXA, die die Institution Gefängnis in verschiedenen politischen Systemen und utopische Konzepte von Gemeinschaft als Antwort auf Gewalt künstlerisch reflektieren.

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Mitglieder der Jury

Über die in der Allgemeinen Förderung eingehenden Anträge entscheidet zweimal jährlich eine unabhängige Fachjury.