Im Prinzip sind uns alle Projekte, die wir fördern, gleich lieb und wichtig. Ihre Verschiedenartigkeit und ihr Anspruch auf Innovation lassen direkte Vergleiche und Rangordnungen kaum zu. Alle Projekte begleiten uns für eine gewisse Zeit – und wir sie −, bis schließlich mit der Prüfung des Verwendungsnachweises unser (Förder)Verhältnis endet.

Mit gespanntem Interesse verfolgen wir, wie sich die Projekte vom Antrag bis zur Durchführung entfalten – und werden bisweilen überrascht. Manchmal allerdings stellt sich eine spontane Begeisterung schon vor einer erfolgreichen Durchführung ein. So ging es uns mit einem Projekt aus dem KUR-Programm mit der Textilfabrik Pausa im schwäbischen Mössingen mit ihren riesigen Lagern an Stoffen und umfangreichen Archiven an Stoffmustern, in denen man tagelang stöbern möchte. Die Bilder in diesem Magazin und der Beitrag von Anke te Heesen geben Ihnen einen Einblick in die farbenfrohe und formenreiche Welt der Muster in Pausa – und sind doch nur eine ganz kleine Auswahl aus dem großen Bestand.

Das Jahr 2009 mit seinen historischen Jubiläen – allen voran die Gründung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1949 und die Anbahnung der deutschen Einheit durch den Fall der Mauer 1989 – hat in Gestalt etlicher Großprojekte seine Schatten vorausgeworfen. Die Kulturstiftung des Bundes bereitet unter anderem ein großes Geschichtsforum in Berlin vor. (Wir informierten Sie im vorigen Heft darüber und halten Sie weiter auf dem Laufenden!). Auch die Ausstellung Deutsche Kunst im Kalten Krieg bietet eine Rückschau auf deutsch-deutsche Parallelwelten, bevor sie sich endlich bis zur Ununterscheidbarkeit angleichen. Die amerikanische Kuratorin Stéphanie Barron erläutert im Interview, warum jenes Kapitel der Kunstgeschichte auch über die Grenzen Deutschlands hinaus für Aufmerksamkeit sorgen wird. Der rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu schildert in einem sehr persönlichen Beitrag die Folgen der Ereignisse von 1989 für das Verhältnis zur Elterngeneration.

Andere Jubiläen des Jahres 2009 drohen in den Schatten der Erinnerung an die geschichtspolitischen Großereignisse zu geraten. So zum Beispiel die Gründung des Bauhauses 1919 in Weimar. Rainer Erlinger, als Experte für „Gewissensfragen“ inzwischen eine moralische Instanz in den deutschen Medien, hat sich mit Blick auf die große Bauhaus-Ausstellung 2009 in Berlin mit der grundlegenden Frage nach dem Verhältnis von Design und Ethik beschäftigt.

Ethische Fragen wirft auch die Erzählung des Schriftstellers Georg M. Oswalt auf. Im Rahmen des Heimspiel-Fonds für Theaterprojekte entstand eine Produktion über die Situation der Illegalen in München. Seine gleichnamige Erzählung nimmt die Haltung derjenigen aufs Korn, die die Beschäftigung von Illegalen für eine „gute Tat“ oder allenfalls für ein Kavaliersdelikt halten.

Was dürfen wir von Literaturausstellungen erwarten, wenn sie einen Beitrag zur Literaturvermittlung leisten und nicht voraussetzungsvoll auf den kenntnisreichen Leser spekulieren? Eine Frage, die sich unsere Jury, die regelmäßig über Anträge zum offensichtlich immer populärer werdenden Genre der Literaturausstellung berät, immer wieder stellt. Ein Workshop zur Theorie und Praxis von Literaturausstellungen in Frankfurt am Main ist für Verena Auffermann Anlass für grundsätzliche Überlegungen und Anregungen.

Der Filmemacher und Sammler Werner Nekes gewährt in einem Interview Einblick in das Ausstellungsprojekt Blickmaschinen und beeindruckt mit seiner (Sammel)Leidenschaft für optische Geräte, die die Kulturgeschichte des Sehens geprägt haben.

Die Kolumne Einwortphrasen von Burkhard Müller hat schon in der letzten Ausgabe begeisterte Leser gefunden. Auch diesmal geht es um Begriffe aus dem Kulturjargon, die wie Untote in den Anträgen auf Projektförderung offenbar unsterblich herumgeistern. Viel Vergnügen!

Der Vorstand

Die Künstlerische Direktorin Hortensia Völckers und der Verwaltungsdirektor Alexander Farenholtz bilden gemeinsam den Vorstand der Kulturstiftung des Bundes.