Das Magazin der Kulturstiftung will einen aktuellen und facettenreichen Einblick in die Arbeit der Kulturstiftung des Bundes geben. Der neue Kulturstaatsminister Bernd Neumann legt anfangs seine Leitvorstellungen zur Stärkung der kulturellen Bildung als bundespolitischer Aufgabe dar, die auch von der Fusion der Kulturstiftung der Länder mit der Kulturstiftung des Bundes profitieren wird. Die Kulturstiftung des Bundes hat einen neuen Themenschwerpunkt in ihr Programm aufgenommen. Arbeit in Zukunftbündelt eine Reihe von Initiativen und Maßnahmen, mit denen der Wandel der Arbeitsgesellschaft in eine kulturelle Perspektive gerückt wird. Stärker noch als schon bei den bisherigen Programmschwerpunkten wird hier durch Projekte mit großer Breitenwirkung der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung des Themas Rechnung getragen. Wir informieren darüber auf Seite 5. Mit einem Beitrag des Schriftstellers Bernd Cailloux über seine Erfahrungen mit der Arbeits- und Geschäftswelt beginnen wir eine Reihe von literarischen Texten zum Thema Arbeit, die wir in den nächsten Ausgaben fortsetzen werden.

Mit der Ausrichtung des Tanzkongresses Deutschland im April 2006 in Berlin schreibt die Kulturstiftung des Bundes Geschichte [fort]. Es ist mehr als fünfzig Jahre her, dass eine internationale Zusammenkunft von verschiedenen Akteuren der Tanzszene stattgefunden hat. Patricia Stöckemann klärt in ihrem Beitrag auf Seite 10 über Tradition und Vorgeschichte der Tanzkongresse und ihrer Impulse für den zeitgenössischen Tanz auf. 
Von ähnlich kulturhistorischer Bedeutung sind die Ausstellungen zur Geschichte der Videokunst, die in fünf großen Museen in Deutschland gleichzeitig stattfinden und jeweils einen anderen historischen Schwerpunkt setzen. Das Projekt bietet nicht nur eine einmalig umfangreiche Präsentation von Videokunst von den Anfängen bis heute, sondern ist mit ihren 'Restaurierungsarbeiten auch eine historisch dringend gebotene Rettungsaktion für das kulturelle Erbe. Verena Kuni hat sich bei Videokünstlern erkundigt und hörte so manchen Stoßseufzer der Erleichterung über dieses Initiativprojekt der Kulturstiftung.

Ganz besonders ans Herz legen möchten wir Ihnen den Artikel des chinesischen Film- und Videokünstlers Ou Ning, einer der Stipendiaten im Projekt  Beijing Case. Es ist ein geradezu anrührender Bericht darüber, wie das Selbstbewusstsein und der Handlungsradius durch kulturelle Kompetenzen steigen. Ou Nings Bericht kann als Beispiel dafür dienen, wie internationale Kulturprojekte einen Zuwachs und eine Öffnung unserer Wissenskultur bewirken können. Der Schriftsteller Ingo Niermann, einer der deutschen Stipendiaten, berichtet in ganz anderer Weise von seinen Eindrücken während seines viermonatigen Peking-Aufenthalts. Die Arbeiten, die im Rahmen des Stipendiatenprogramms entstanden sind, werden ab 8. Juni 2006 dem deutschen Publikum im ZKM Karlsruhe vorgestellt.
Das Projekt relations, das über drei Jahre Projekte zu Themen gearbeitet hat, die in der postkommunistischen Zeit die Mittel- und Osteuropäer bewegen, geht mit einer Buchpublikation in seine Abschlussphase. Sprung in die Stadt gibt einen Einblick in die Ergebnisse von relations. Wir veröffentlichen einen Essay des polnischen Kulturwissenschaftlers Edwin Bendyk und ein Theaterstück des bulgarischen Dramatikers Javor Gardev. Die beiden Texte führen eindrucksvoll vor Augen, wie wenig der Westen immer noch vom Lebensalltag ihrer mittel- und osteuropäischen Nachbarn weiß.

Das vorliegende Magazin erscheint zur 4. berlin biennale für zeitgenössische Kunst. Die Entscheidung des Kuratorenteams – Maurizio Catellan, Massimiliano Gioni und Ali Subotnick – eine einzelne Berliner Straße – die Auguststraße – als eine Art Schneise anzulegen, in der sich Kunst- und Alltagswelt begegnen, ist die Grundidee der 4. berlin biennale mit ihrem poetischen Titel From mice and men: Wie sich künstlerische Produktivität, Fiktion und Biografie durchdringen, zeigen die Bilder des niederländischen Zeichners Marcel van Eeden, die uns der Künstler für dieses Magazin dankenswerter Weise vorab zur Verfügung stellte. Marcel van Eeden entwarf für die 4. berlin biennale in insgesamt 150 Bildern die fiktive Biografie eines <K.M. Wiegand>, indem er dokumentarisches Bildmaterial nachzeichnete und zu einem poetischen Lebenslauf ordnete – und dabei auch seine eigene Künstlerbiografie dokumentierte.

Der Vorstand

Die Künstlerische Direktorin Hortensia Völckers und der Verwaltungsdirektor Alexander Farenholtz bilden gemeinsam den Vorstand der Kulturstiftung des Bundes.