03.04.2012 - Pressemitteilung der Kulturstiftung des Bundes

2,5 Mio. Euro für neue Theaterkooperationen - Kulturstiftung des Bundes fördert 17 Projekte im Theaterfonds DOPPELPASS


Pressemitteilung der Kulturstiftung des Bundes

Auf ihrer Sitzung am 26. März 2012 hat sich die Doppelpass-Jury (Christiane Kühl, Mitglied der Künstlerischen Leitung der Berliner Festspiele, Jan Jochymski, Schauspieldirektor am Theater Magdeburg, und Carena Schlewitt, Direktorin der Kaserne Basel) für die Förderung von 17 neuen Projekten in 9 Bundesländern in einer Gesamthöhe von rund 2,5 Mio. Euro ausgesprochen.

Mit dem 2011 aufgelegten Fonds Doppelpass möchte die Kulturstiftung des Bundes gezielt Kooperationen zwischen freien Gruppen und festen Tanz- und Theaterhäusern unterstützen und sie zum Erproben neuer Formen der Zusammenarbeit und künstlerischer Produktion anregen.

Das Kernstück des Fonds Doppelpass bildet ein zweijähriges Residenzprogramm, das Künstlerinnen und Künstlern beider Seiten den nötigen Freiraum eröffnen soll, ihre Strukturen und Arbeitsweisen künstlerisch produktiv zu verbinden. Die Partnerschaften werden über einem Zeitraum von zwei Spielzeiten realisiert und mit jeweils bis zu 150.000 Euro gefördert.

Zusätzlich unterstützt der Fonds Gastspiele ausgewählter Produktionen aus den geförderten Partnerschaften, um zu ermöglichen, dass ausgewählte Ergebnisse der Zusammenarbeit auch an weiteren Orten innerhalb Deutschlands und im Ausland gezeigt werden.

Weitere Informationen zum Fonds Doppelpass und den darin geförderten Projekten entnehmen Sie bitte dem Anhang sowie unserer Website: www.kulturstiftung-bund.de/doppelpass. Für weitere Auskünfte stehen wir Ihnen gern persönlich zur Verfügung!

Die Mitglieder der Doppelpass-Jury – Christiane Kühl (Mitglied der Künstlerischen Leitung der Berliner Festspiele), Jan Jochymski (Schauspieldirektor am Theater Magdeburg) und Carena Schlewitt (Direktorin der Kaserne Basel) – haben am 26. März 2012 entschieden, dass folgende 17 Projekte in 9 Bundesländern Fördergelder in einer Gesamthöhe von rund 2,5 Mio. Euro erhalten:

Das Gemeinschaftsprojekt der Landesbühnen Sachsen, Radebeul mit der Tanztheatergruppe bodytalk widmet sich dem ländlichen sächsischen Kulturraum entlang der Elbe. In Form einer getanzten Wanderung mit Recherchen, interaktiven Performances und Happenings sollen die Bewohner dieser Regionen ohne Stadttheaterbezug direkt vor Ort angesprochen und eingebunden werden.

Unter dem Titel „Völkerschlachten – ein fringe writing projekt“ möchten das fringe ensemble gemeinsam mit der Schaubühne Lindenfels in Leipzig an der Weiterentwicklung eines modernen, auf kollektiven Arbeitsformen basierenden Autorentheaters arbeiten. Dabei werden ein öffentlich begehbarer Campus auf dem Leipziger „Jahrtausendfeld“ sowie Theaterinszenierungen und neue Texte entstehen.

Die Bürgerbühne des Staatsschauspiels Dresden begibt sich gemeinsam mit dem Theater Aspik in die ostsächsische Provinz: Dort laden sie die Bewohner des Dorfes Reinhardtsdorf-Schöna ein, mit ihnen gemeinsam ein Landschaftstheaterprojekt zu realisieren. Die Arbeit vor Ort wird ergänzt durch theaterpädagogische Rückanbindung ans Theater und eine abschließende Tagung.

Am Theater Bremen werden Gintersdorfer/Klaßen mit ihrer deutsch-afrikanischen Kompanie nicht nur die Bühne, sondern das komplette Haus und in einem zweiten Schritt auch die Stadt im Rahmen von Festivals und Performances bespielen. Auf dem Programm steht außerdem die Entwicklung eines neuen Genres namens „Opercal“, in das Elemente von Theater, Musical und Oper einfließen.

Zusammen mit der jungen Theaterformation copy & waste unternimmt der Ringlokschuppen Mühlheim einen Modellversuch zur Weiterentwicklung ortsspezifischen Theaters im Ruhrgebiet. Gemeinsam will man sich mit der physischen und sozialen Architektur der Stadt, der Region und des Theaters auseinandersetzten und neue Blicke auf die städtischen Veränderungsprozesse ermöglichen.

Im Schauspielhaus Düsseldorf werden die Künstler der Gruppe vorschlag:hammer als Stalker, Eindringlinge und Schatzgräber zu Gast sein. Die Residenz selbst wird zum Thema gemacht, womit sich Form und Inhalt gegenseitig bedingen und neben zwei Inszenierungen neue Formate entwickelt werden, das „Gefundene“ zu präsentieren.

Das projekttheater Dresden und das Performancekollektiv theatrale subversion haben sich die Erkundung von Dresdner Subkulturen auf die künstlerische Agenda gesetzt. Aus kulturwissenschaftlichen Expeditionen sollen Bestandsaufnahmen, Auseinandersetzungen und Denkanstöße entstehen, die in zeitgenössische Formen politischen Theaters übersetzt werden.

Mit der Spielstätte Stadt wollen das Mecklenburgische Staatstheater und Kulturfiliale zusammen die Stadt Schwerin erobern. Der Stadtraum wird zur temporären Dokumentations- und Projektionsfläche der Visionen und Sehnsüchte seiner Bewohner. Zum Abschluss werden die Erfahrungen in einer Produktion im Theater mit Schweriner Bürgern gebündelt.

Die Sophiensaele in Berlin wollen gemeinsam mit der freien Gruppe Internest das neue künstlerische Format „Preenactment“ zur Erforschung exemplarischer Gegenwartsphänomene erproben. Neben zwei Inszenierungen finden zwei Symposien zur Zukunft der freien Theater- und Performanceszene auf deutscher und internationaler Ebene statt.

Das Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt möchte mit dem Tänzer-Choreografen-Kollektiv Mamaza im Rahmen einer zweijährigen Residenz zwei große internationale Koproduktionen sowie mehrere choreografische Interventionen im Stadtgebiet entwickeln. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung neuer Vermittlungsformate von Tanz und Choreografie.

Unter dem Titel „Game on Stage“ wollen die Künstlergruppe machina eX und das FFT Düsseldorf ein Entwicklungs- und Produktionslabor an der Schnittstelle von Games und Theater schaffen. In Zusammenarbeit mit externen Experten und der regionalen Game-Szene sollen hier Elemente traditionellen Theaters und Strukturen von Computerspielen zu neuartigen Formen von Live-Performance verbunden werden.

Das Theater Kiel und das Theater- und Performancekollektiv lunatiks produktion gründen gemeinsam das RADAR Institut. Hier sollen Methoden der performativen Recherche, der stadtspezifischen Theaterarbeit und des dokumentarischen Arbeitens erprobt und analysiert werden. Es entsteht eine Versuchsanordnung für neue Formen der Untersuchung einer Stadt mit Mitteln des Theaters.

Das büro für zeit + raum zeichnet sich durch seine interdisziplinäre Ausrichtung und eine Kombination von Elementen bildender und darstellender Künste sowie der Musik aus. Die Residenz an den Wuppertaler Bühnen eröffnet der Gruppe völlig neue Produktionsmöglichkeiten und eröffnet dem Theaterhaus gleichzeitig die Perspektive, seine üblichen Arbeitsweisen und Ästhetiken zur Disposition zu stellen.

Das Junge Theater Münster möchte seine Kinder- und Jugendsparte ausbauen und sich hierfür mit dem freien Theater Fetter Fisch vernetzen, das seit Jahren erfolgreich Theater für Kinder und Jugendliche in Münster macht. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach der ästhetischen Erfahrbarkeit von Spiel, Regel und Wirklichkeit, um diese dann mit narrativen und performativen Mitteln für Kinder erlebbar zu machen.

Im Residenzprogramm des Theaterkollektivs Turbo Pascal mit dem Theater Freiburg sollen sich theatrale Forschungsarbeiten mit der Entwicklung neuer Theaterarbeiten verbinden. Die Partner stellen sich gegenseitig ihre Formate und Mitarbeiter als „Open Sources“ zur Verfügung und beschäftigen sich in Form und Inhalt mit der Verflüssigung von Grenzen.

Gemeinsam begeben sich die freie Theatergruppe Mass&Fieber Ost und das Theaterhaus Jena auf eine theatrale Spurensuche: Welche Rolle spielte das Theatergenre Varieté – speziell das Black Face-Theatre – in der Geschichte der Stadt Jena? Auf dem Weg dieser ergebnisoffenen Recherche sollen eine Reihe diskursiver Veranstaltungen, zwei große Theaterabende und eine wissenschaftliche Publikation entstehen.

Die Puppentheatergruppe Das Helmi und das Schauspielhaus Hannover wollen mit einem Platzhaus die Innenstadt Hannovers in einer hunderttägigen Aktion beleben und als Begegnungsplatz zurückgewinnen. Das Platzhaus dient dabei zugleich als kreatives Aktionszentrum, Probebühne, Diskussionslab und Werkstatt. Durch die Zusammenfassung und Überhöhung der Erlebnisse der 100 Tage-Aktion soll ein Bühnenstück entstehen.

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