09.06.2016 - Pressemitteilung der Kulturstiftung des Bundes

Fonds „Stadtgefährten“ mit 13 neuen Projekten


Pressemitteilung der Kulturstiftung des Bundes

Kulturstiftung des Bundes fördert Stadtmuseen in neuen Partnerschaften
 

In ihrer ersten Sitzung am 19. Mai 2016 hat die Fachjury im Fonds „Stadtgefährten“ dreizehn Vorhaben von Stadtmuseen zur Förderung in einer Gesamthöhe von 1,6 Mio. Euro empfohlen.

Mit dem Fonds „Stadtgefährten“ fördert die Kulturstiftung des Bundes neue Partnerschaften von Stadtmuseen mit Gruppen oder Akteuren aus den jeweiligen Städten, die kooperativ zu Fragen der städtischen Gesellschaft arbeiten. Der Fonds gehört zum Förderschwerpunkt „Museen verändern“, mit dem die Kulturstiftung des Bundes die Museen in Deutschland dazu anregen will, den Herausforderungen einer sich verändernden Gesellschaft zu begegnen.

„Stadtmuseen müssen sich öffnen, wenn sie in der Zukunft Bestand haben wollen“, ist Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, überzeugt. „Gerade in den kleineren Städten können die Museen, wenn sie die Menschen vor Ort zur Mitwirkung einladen, wichtige Orte sein, die den Wandel unserer Stadtgesellschaften aktiv mitgestalten.“ Der Fonds „Stadtgefährten“ will mit den geförderten Projekten beispielhaft erproben, wie ein derartiger Ansatz in der Praxis aussehen kann.

Der Fonds richtet sich an Stadtmuseen in Städten mit bis zu 250.000 Einwohnern. Die gemeinsamen Vorhaben mit einem oder mehreren Partnern werden über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren realisiert und mit jeweils bis zu 150.000 Eurogefördert. Wichtiger Bestandteil der Förderung ist die personelle Verstärkung des Museumsteams durch eine geeignete Projektleitung.

Die Mitglieder der Stadtgefährten-Jury sind Prof. Dr. Hans-Jörg Czech (Direktor Hamburg Museum), Prof. Dr. Martin Eberle (Stiftungsdirektor Schloss Friedenstein Gotha), Susanne Gesser (Abteilungsleiterin Ausstellen und Vermitteln / kinder museum Historisches Museum Frankfurt), Dr. Jutta Götzmann (Direktorin Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte) und Dr. Reinhard Spieler (Direktor Sprengel Museum Hannover).


Weitere Informationen zum Fonds Stadtgefährten sowie den Fördergrundsätzen finden Sie unter kulturstiftung-bund.de/stadtmuseum. Nähere Auskünfte gibt Ihnen auch gern Carl Philipp Nies unter Tel. +49 (0)345 2795-2387.

 

Neue Stadtgefährten-Projekte:
 

Wie erinnern Zeitgenossen das städtische Leben in der DDR? Dieser Frage geht dasKulturhistorische Museum Görlitz mit seinen Partnern in der Ausstellung „Erfahrung DDR!“ nach. In Kooperation u.a. mit einer örtlichen Wohnungsbaugesellschaft und dem Fotomuseum sind die Bürger/innen der Stadt eingeladen, private Erinnerungsstücke zu zeigen und ihre Erlebnisse mit jenen Görlitzern zu teilen, die nach 1989 geboren oder in die Stadt gezogen sind. 

Partner: Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec, Philharmonische Brücken e.V., KommWohnen GmbH, Fotomuseum Görlitz und weitere

 

Das Zusammenleben in einer Einwanderungsgesellschaft beleuchtet das Hellweg-Museum Unna aus Sicht der einheimischen wie der zugewanderten Bevölkerung. Für das Projekt „ankommen – auskommen“ kooperiert das Museum u.a. mit dem Caritasverband; das Westfälische Literaturbüro sowie ein Theater entwickeln geeignete Formate der Beteiligung und Präsentation. Besonderer lokaler Bezugspunkt ist dabei die 1951 im Stadtteil Unna-Massen eingerichtete Landesstelle für Aussiedler, Zuwanderer und ausländische Flüchtlinge. 

Partner: Caritasverband für den Kreis Unna, Westfälisches Literaturbüro in Unna, theater narrenschiff

 

Was Freiheiten im städtischen Leben aus heutiger Sicht bedeuten, erkundet das Stadtmuseum Memmingen ausgehend von den Memminger „Zwölf Artikeln“. Das historische Dokument gilt als eine der europaweit ersten Niederschriften von Menschen- und Freiheitsrechten. Für das Ausstellungsprojekt „Zeitmaschine Freiheit“ arbeitet das Museum mit dem Jugendamt, der Lebenshilfe, dem Landestheater Schwaben und weiteren Einrichtungen in Memmingen zusammen. 

Partner: Kolping Akademie, Lebenshilfe Memmingen, Landestheater Schwaben, Kulturverein der schwäbischen Hausfrauen, Kulturwerkstatt Memmingen und weitere

 

Das Projekt „Unter uns? Sinti in Ostfriesland und Leer“ will die Geschichte der Sinti in der Region im Dialog erforschen und erzählen. In Leer lebende Sinti stellen dem geschichtswissenschaftlichen Blick „ihre“ Geschichte gegenüber und tragen eigene Inhalte für die Ausstellung zusammen. Das Heimatmuseum Leer kooperiert dazu mit dem Sinti-Verein Ostfriesland und fragt auch nach der Sichtweise der Ausstellungsbesucher. 

Partner: Sinti-Verein Ostfriesland Leer 
 


Wie gestaltet sich das Zusammenleben und -wohnen von Ludwigsburger/innen aus rund 140 Ländern? Dieser Frage widmet sich die Ausstellung „hin und weg“ des Ludwigsburg Museums. Gemeinsam mit regionalen Partnern und den Bewohner/innen der Stadt erarbeitet das Museum eine aktuelle Bestandsaufnahme urbaner Lebens- und privater Wohnräume. Architekturinstallationen an öffentlichen Plätzen verlängern die Ausstellung in den Stadtraum hinein. 

Partner: Deutsch-Französisches Institut, Büro für Integration und Migration, Labor Ateliergemeinschaft und weitere

 

Das Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim untersucht in Kooperation mit den Werkstätten für Behinderte Rhein-Main das Thema Inklusion. In dem Projekt „StadtMuseum inklusive“ soll das Museum selbst auf den Prüfstand gestellt und die Stadt aus Sicht von Menschen mit Unterstützungsbedarf in den Blick genommen werden. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit sollen durch eine Tagung wissenschaftlich reflektiert und der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Partner: Werkstätten für Behinderte WfB Rhein-Main, Kunstverein Rüsselsheim, Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel

 

Das Ausstellungsprojekt „Mit 17… – Jugend in Paderborn“ lässt Jugendliche über ihre Stadt sprechen. Gemeinsam mit ihnen untersucht das Stadtmuseum Paderborn, wie sich Alltag und Lebensgefühl jugendlicher Paderborner im 20. Jahrhundert verändert haben. Ein Netzwerk mit Akteuren aus der Kulturszene ermöglicht neue Formate und ungewöhnliche Ausstellungsorte. 

Partner: Jugendamt Paderborn, Zwischenstand e.V., Lektora Verlag, Paderborner Kreaturen e.V. und weitere
 

 

Die Museen der Stadt Kempten erproben, wie die Bevölkerung bereits in den Entstehungsprozess eines Stadtmuseums einbezogen werden kann. Das Projekt „Stadtexpedition“ erarbeitet über einen Zeitraum von zwei Jahren, was für die Kemptener „Heimat“ bedeutet und was sie von ihrem künftigen Stadtmuseum erwarten. Um möglichst viele Gruppen in der Stadt zu erreichen, kooperieren die Museen u.a. mit dem Theater in Kempten, der örtlichen Diakonie und Bildungseinrichtungen. 

Partner: TiK – Theater in Kempten, Künstlerhaus e.V. und weitere

 

Die Kontroverse um Wohnutopien und Lebenswirklichkeiten im Tübinger Süden macht das Stadtmuseum Tübingen zum Thema seiner Sonderausstellung „Zwischen Paradies und Hölle“. Städtebaulichen Visionen und medialen Darstellungen der „grünsten Stadt Deutschlands“ wird die Sichtweise der Bewohner gegenüberstellt. Durch Interventionen im Stadtraum erarbeiten die Menschen vor Ort Module der Ausstellung mit und verändern sie fortlaufend. 

Partner: Werkstadthaus Tübingen / Werkstatt für Eigenarbeit, Nachbarschaftliche Selbsthilfe, Kirch am Eck und weitere

 

Mit dem Projekt „ANKOMMEN. bauen wohnen leben“ thematisiert das Heimatmuseum Bernau die Stadt Bernau bei Berlin als wachsende Kommune. Vier künstlerische Auseinandersetzungen verdeutlichen anhand der städtischen Architektur, wie sich Bernau in den letzten 100 Jahren durch Einwanderung und Zuzug entwickelt hat. Im Austausch mit Bernauer Bürger/innen und Institutionen geht es auch um die Frage, wie das Zusammenleben in Zukunft gestaltet werden soll. 

Partner: AWO Kreisverband, Verein Baudenkmal Bundesschule Bernau, WOBAU Bernau, BeSt Bernauer Stadtmarketing und weitere

 

In Kooperation mit der Bildungs- und Begegnungsstätte KURVE plant das Museum Wustrow im Wendland eine Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe, die das Thema Flucht aus aktueller wie historischer Perspektive in den Blick nimmt. In verschieden Formaten und im Dialog mit Geflüchteten und Einheimischen werden Geschichten vom Weggehen und Ankommen gesammelt und in der Ausstellung „Stadt / Land / Flucht“ zusammengeführt. 

Partner: KURVE Wustrow – Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion, Gymnasium Lüchow und weitere

 

Das Museum für Stadtgeschichte Freiburg macht eine Kernaufgabe von Stadtmuseen – das Sammeln – zum Zentrum seines Vorhabens. Im Projekt „Freiburg sammelt – Erinnerungen für morgen“ kooperiert das Museum mit dem Literaturbüro Freiburg, dem Büro für Migration und Integration und dem Performancekollektiv Turbo Pascal. Gemeinsam wird die Frage gestellt, wie die Sammlungspraxis neu ausgerichtet werden kann, um die Alltagskultur von und mit Freiburgern unterschiedlicher Herkunft darzustellen und zu bewahren. 

Partner: Amt für Migration und Integration, Literaturbüro Freiburg, Performancekollektiv Turbo Pascal

 

Mit dem Projekt „DURCH_EINANDER“ untersucht das Museum Neuruppin, wie neue und langjährige Bewohner Neuruppins den Stadtraum wahrnehmen und nutzen. In Feldforschungen erkunden Alteingesessene und Flüchtlinge gemeinsam, wo es Potenzial für Begegnungsorte gibt. Sechs städtische Orte werden durch Veranstaltungen oder Aktionen umgenutzt. Eine Ausstellung dokumentiert den Prozess der Stadterkundung und hält interaktive Angebote zur Stadtwahrnehmung bereit. 

Partner: ESTAruppin e.V. (Hauptpartner), Kreissportbund Ostprignitz-Ruppin, Fontane Festspiele Neuruppin, Verein „Wir die InnenStadt“ und weitere.

Kontakt

Friederike Tappe-Hornbostel

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