Künstlerinnen fahren Bewohner in Görlitz per Rikscha zu ihren Lieblingsorten und sprechen mit ihnen über ihre Stadt. Ein Performer wandert mit einer Plastikpalme durch das Brandenburgische Viertel in Eberswalde und bringt so Anwohner über ihre Wünsche ins Gespräch. In Wismar eröffnen beim KuNo-Kulturfest ein mobiler Ideenkiosk und eine partizipative Rauminstallation. Und zwei Tage vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt lädt der „Kongress der Utopien“ ganz Quedlinburg dazu ein, gemeinsam Visionen zu entwickeln – mit breiter Unterstützung von der Kita bis zur Feuerwehr.
Das sind keine Einzelaktionen, sondern Teil des Förderprogramms „LOKAL – Programm für Kultur und Engagement", mit dem die Kulturstiftung des Bundes, die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und die European Cultural Foundation Kulturakteure darin unterstützen, gemeinschaftsstiftende Projekte an ihrem Ort und in ländlichen Räumen umzusetzen. Kultureinrichtungen in 13 kleineren Städten und Gemeinden – von Lüchow-Dannenberg bis Torgau – bauen langfristige, ungewöhnliche Partnerschaften auf: etwa mit Sportclubs, den Landfrauen oder Handwerksbetrieben. Gemeinsam entwickeln sie künstlerisch-partizipative Projekte, die mit dem Ort und für den Ort konzipiert sind. Die ersten starten nun:
16. Mai 2026 in Wismar: KuNo-Kulturfest
150 Akteure, 20 Nationen, 1.000 Gäste: Auf dem KuNo-Kulturfest stellt sich am 16. Mai das Projekt „KIDZ (Kultur-Initiative für eine demokratische Zukunft)“ aus dem Förderprogramm LOKAL vor. In Anwesenheit der Künstlerischen Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, Katarzyna Wielga-Skolimowska, werden u.a. ein mobiler Ideenkiosk und eine partizipative Rauminstallation eröffnet. Das KuNo Kunst- und Kulturnetzwerk Nord e.V. möchte in Wismar sein breites Netzwerk auf rund 15 neue Partner in der Stadt erweitern, u.a. auf Streetworkerinnen und den Stadt- und Kreisjugendring.
26. bis 30. Mai 2026: Palmen in Eberswalde
Um den Ausbruch aus gewohnten Denkmustern geht es im Projekt „#PLATTEN#SPIEL#BALL“ des Kanaltheaters im brandenburgischen Eberswalde. Dort bewegt sich der Performer Bruno mit einem ungewöhnlichen Requisit durch das von Strukturwandel in Mitleidenschaft gezogene Brandenburgische Viertel: Mit einer großen Plastikpalme kommt er mit den Anwohnenden zu ihren Wünschen und Träumen ins Gespräch. Diesem Motiv bleibt das Kanaltheater auch für den vom 26. bis 30. Mai 2026 stattfindenden #platten#spiel#strand treu: Täglich lädt es hier zum offenen Mitmachformat in das Plauderstübchen der AWO in Eberswalde ein. Dort werden verschiedene Künstlerinnen und Künstler mehrerer Sparten von Fotografie bis Tanz kreative Nachmittage gestalten, für alle, die sich eingeladen und zum Austausch angesprochen fühlen.
Ab 11. Juni in Görlitz: Mit der Rikscha zum Lieblingsort
Mit „Wir sind Görlitz“ organisiert das soziokulturelle Zentrum Rabryka gemeinsam mit dem Performancekollektiv Polyformers Rikscha-Fahrten mit Künstlerinnen und der lokalen Bevölkerung: Mit einer gemeinsam gestalteten Rikscha steuern die Künstler der Polyformers die Lieblingsorte der Görlitzer an und kommen darüber ins Gespräch: über Görlitz, darüber, was vereinzelt und auch, was verbindet. Dabei kommen Menschen miteinander in Kontakt, die sich sonst selten begegnen und sich so auf eine ungewohnte Art kennenlernen. Aus den Gesprächen wird ein Archiv der Lieblingsorte entstehen, das später via QR-Codes für die Menschen vor Ort zugänglich gemacht werden soll. Es werden Termine mit vorheriger Anmeldung vom 11. bis 14. Juni sowie vom 25. bis 28. Juni 2026 angeboten.
Am 4. September in Quedlinburg: Kongress der Utopien
In Quedlinburg entsteht im Rahmen des Projekts „LOKAL Quedlinburg: network for future“ am 4. September 2026, zwei Tage vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, ein „Kongress der Utopien“. Mit diesem lädt das Soziokulturelle Zentrum Dachverein Reichenstraße die ganze Stadt dazu ein, zusammen Utopien zu entwickeln: Mit dem „Utomobil“, einem mobilen Einsatzfahrzeug des „Amts für Zukünfte“, dem Kiosk der Solidarität, einer großen gemeinsamen Tafel und einer Oase mitten auf dem Marktplatz. Gestaltet werden diese Formate von Künstlerinnen wie dem Syndikat Gefährliche Liebschaften oder dem Amt für Wunschentwicklung; das Geschehen wird parallel von Performerinnen als „Archivaren der Zukünfte“ in Stimmen und Eindrücken festgehalten. Beteiligt daran sind die unterschiedlichsten Menschen: Von Kita-Kindern über den Schulchor bis hin zur Feuerwehr.
Detaillierte Informationen zum LOKAL-Programm und allen weiteren Geförderten der ersten Förderrunde finden Sie unter www.kulturstiftung-des-bundes.de/lokal.