Mit dem Programm „WAYS – Faire und nachhaltige internationale Partnerschaften“ fördert die Kulturstiftung des Bundes bis 2031 langfristige kulturelle Partnerschaften weltweit. Ziel ist es, deutsche Kulturinstitutionen und Freie Gruppen darin zu unterstützen, neue außereuropäische Partner zu gewinnen und gemeinsam künstlerische Vorhaben umzusetzen. Die Partner entwickeln und erproben dabei neue Modelle fairer und nachhaltiger internationaler Zusammenarbeit.
Die neunköpfige internationale Fachjury hat nun für die erste Phase knapp 60 deutsche und außereuropäische Kultureinrichtungen ausgewählt, dafür stellt die Kulturstiftung des Bundes rund 1,5 Mio. Euro zur Verfügung. In den kommenden Monaten werden die teilnehmenden deutschen Kultureinrichtungen in Reisen, Gesprächen und Workshops neue Partner in Ländern identifizieren, die bisher nicht im Fokus standen, etwa in Armenien, El Salvador, Marokko, der Mongolei, Simbabwe und Tonga. Sie haben ausreichend Zeit, sich kennenzulernen, andere Perspektiven zu entdecken und Ideen für künstlerische Partnerschaften zu entwickeln. Zu den Geförderten gehören beispielsweise das Haus der Kunst München, das in Kasachstan zu experimentellen Kunstpraxen forschen will, das Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt am Main, das in Chile eine Partnerschaft anstrebt, das Literaturhaus Stuttgart, das mit Autorinnen in Namibia arbeiten möchte, das Ensemble Musikfabrik aus Köln, das Kontakte in die Demokratische Republik Kongo aufbauen will oder die Sound Gallery SPACE21 in Slemani, Irak (kurdische Region), die u. a. in Halle (Saale) nach einer Partnerschaft im Bereich Radiokunst sucht.
Katarzyna Wielga-Skolimowska, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes: „Wir erleben derzeit massive Brüche in den internationalen Beziehungen. Über Jahrzehnte gewachsene Partnerschaften werden infrage gestellt oder beschädigt. Mit WAYS geben wir deutschen Kultureinrichtungen deshalb das, was in Zeiten politischer und finanzieller Unsicherheit rar wird: Zeit und Raum, um Vertrauen aufzubauen, Machtverhältnisse zu reflektieren und gemeinsam mit außereuropäischen Partnern faire, nachhaltige Arbeitsweisen zu erproben. So entstehen belastbare Partnerschaften, die über kurzfristige Projekte hinaus wirksam sind – als praktizierter Gegenentwurf zu Abschottung und Kulturboykotten."
Worum geht es konkret?
Kultureinrichtungen in Deutschland arbeiten schon lange mit internationalen Partnern zusammen. Doch der Anspruch wächst, diese Partnerschaften fairer und nachhaltiger zu gestalten. Wie beispielsweise lassen sich Probenprozesse in transnationalen Tanz-, Musik- oder Theaterproduktionen organisieren, wenn unterschiedliche Arbeitsweisen, Rahmenbedingungen und Kommunikationsstile aufeinandertreffen? Wie wird das Budget verwaltet? Wer hält die Rechte an gemeinsamen Werken und in welcher Sprache wird gearbeitet? Wie gelingt eine Kultur der Offenheit und Unterstützung, auch bei unterschiedlichen Auffassungen und Standards von Fairness und Nachhaltigkeit?
Die aktuelle Anbahnungs- und Recherchephase ist der erste Schritt im Programm WAYS. In dieser Phase formulieren die angehenden Partner zunächst Erwartungen, Interessen und Ziele, erkennen frühzeitig Hindernisse und versuchen, diese zu minimieren. Die gemeinsam entwickelten Inhalte und Arbeitsweisen halten die Partner in einer „Roadmap of Collaboration“ schriftlich fest. Anschließend können sie sich bis zum 30. November 2026 für einen der beiden aufbauenden Fonds im WAYS-Programm, „Fonds Tandem“ oder „Fonds Fellows-at-Large“, bewerben. Begleitende Akademien, Arbeitsgruppen und World Summits vertiefen den Prozess. Insgesamt stellt die Kulturstiftung des Bundes rund 27 Mio. Euro im Zeitraum von 2023 bis 2031 für das Förderprogramm WAYS zur Verfügung.
Der „Fonds Anbahnung“ wird in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut durchgeführt.
Die Liste der geförderten Kultureinrichtungen finden Sie hier.
Die Jury
Zur internationalen Jury des Programms WAYS der Kulturstiftung des Bundes gehören: Rebecca Ajnwojner (Dramaturgin, Schauspiel Zürich; Schweiz), Princess Marilyn Douala Manga Bell (Kuratorin und Präsidentin von doual’art; Douala, Kamerun), Martine Dennewald (Künstlerische Co-Leitung und Co-Geschäftsführung, Festival TransAmériques; Montréal/Tio’tià:ke/Mooniyang, Kanada), Maya El Khalil (Kuratorin; Oxford, GB), Matthias Mühling (Direktor Lenbachhaus; München, Deutschland), Keng Sen Ong (Künstlerischer Direktor, TheatreWorks; Singapur), Shiva Pathak (Co-Gründerin und Künstlerische Direktorin, Sandbox Collective; Bangalore, Indien), Marcelo Rezende (Kurator; Berlin, Deutschland und São Paulo, Brasilien), Stefan Rusu (Kurator; Apia, Samoa (Südpazifik) und Chișinău, Republik Moldau)
Internationale Konsultationen
Um internationale Perspektiven frühzeitig in die Programmgestaltung einzubeziehen, hat die Kulturstiftung zu Beginn des Programms erstmals einen halbjährigen Konsultationsprozess durchgeführt. Beteiligt waren 15 ausgewählte Expertinnen und Experten aus Europa, Mittel- und Südamerika, Zentral- und Südostasien, dem Nahen Osten sowie afrikanischen Ländern.
