29.12.2008 - Pressemitteilung der Kulturstiftung des Bundes

Projekte der Kulturstiftung des Bundes zum Gedenkjahr 2009


Pressemitteilung der Kulturstiftung des Bundes

Im neuen Jahr geben große historische Ereignisse Anlass zum Gedenken und Feiern: Der Fall der Mauer jährt sich 2009 zum zwanzigsten Mal und die Bundesrepublik Deutschland wird sechzig Jahre - um nur zwei geschichtliche Marksteine der jüngeren Geschichte zu nennen. Die internationalen Entwicklungen seit der europäischen Einigung tauchen die Zeit der deutschen Teilung und die Epoche des Kalten Krieges zwischen den Systemblöcken in ein neues Licht.

Die Kulturstiftung des Bundes beteiligt sich am Gedenkjahr 2009 mit einer Reihe Veranstaltungen, in denen die Beiträge von Künstlern und Kulturschaffenden als Chronisten, Kommentatoren und Kritiker der deutsch-deutschen Zeitgeschichte und des europäischen Einigungsprozesses im Vordergrund stehen. Mit Projekten, die Perspektiven aus Kunst, Wissenschaft, Politik verbinden, will die Kulturstiftung des Bundes der öffentlichen Auseinandersetzung mit sechzig Jahren gemeinsamer und getrennter Geschichte eine übergreifend kulturelle und internationale Ausrichtung geben.

Ihrer Maxime gemäß, mit öffentlichkeitswirksamen Formaten ein möglichst breites Publikum erreichen und möglichst viele gesellschaftliche Gruppen und Disziplinen beteiligen zu wollen, berücksichtigt die Kulturstiftung auch bei den Projekten zum Gedenkjahr 2009 eine große Vielfalt an Herangehensweisen, Haltungen und Deutungen, die die Perspektiven aus Mittel- und Osteuropa einbezieht.

Im Folgenden informieren wir Sie in Kürze über einige Projekte zum Gedenkjahr 2009: über das Geschichtsforum 1989 | 2009, die Ausstellung Kunst im kalten Krieg, die Filmreihe Winter adé - Filmische Vorboten der Wende, die Filminstallation Material von Thomas Heise, die dritte und letzte Staffel des Theaterprojekts 60 Jahre Deutschland. Annäherung an eine unbehagliche Identität der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin und das Theaterprojekt Der dritte Weg des Theaterhauses Jena. Weitere Informationen finden Sie unter http://kulturstiftung-bund.de/deutschland09.
 


Geschichtsforum 1989 | 2009
Europa zwischen Teilung und Aufbruch
Internationales Forum für Wissenschaftler, Kulturschaffende, Politik, Medien und Öffentlichkeit zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution

20 Jahre nach den friedlichen Revolutionen in der DDR und in Ostmitteleuropa schafft das Festival ein Forum für eine intensive und disziplinübergreifende Auseinandersetzung mit der Zeitenwende 1989. Deren politische, kulturelle und gesellschaftliche Voraussetzungen und Implikationen stehen im Zentrum eines "Geschichtsfests", das ein vielfältiges Vortrags- und Diskussionsprogramm mit Formen der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Geschichte, z.B. in Film, Theater, Lesung, Lecture Performance und Musik verknüpft. Zentrale Podiumsdiskussionen und künstlerische Positionen bilden den Rahmen für über 150 Einzelveranstaltungen, in denen sich Institutionen und Initiativen aus Deutschland und Europa in das offene Forum einbringen.

28. - 31. Mai 2009 Deutsches Historisches Museum, Humboldt Universität zu Berlin und Maxim Gorki Theater

Das Geschichtsforum 1989 | 2009 ist eine Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung, der Kulturstiftung des Bundes, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Institut für Zeitgeschichte München/Berlin, dem Zentrum für Zeithis-torische Forschung Potsdam, dem Verein Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. mit dem Deutschen Historisches Museum, der Hum-boldt Universität zu Berlin und dem Maxim Gorki Theater.
 


The Art of Two Germanys / Cold War Cultures
Deutsche Kunst im Kalten Krieg

Die Ausstellung umfasst ca. 300 kunstgeschichtlich herausragende Werke der Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Installationskunst sowie Bücher und Videos von mehr als 120 Künstlern, die zwischen 1945 und dem Ende der deutschen Teilung 1989 in der Bundesrepublik und der DDR ent-standen sind.
Sie handelt von der Auseinandersetzung um konkurrierende Menschenbilder und ideologische Konzepte in Konfrontation und Dialog der unterschiedlichen politischen Systeme in Deutschland. Kooperativ kuratiert von der amerikanischen Chefkuratorin des Los Angeles County Museums of Art, Stephanie Barron, und dem deutschen Ausstellungsmacher Eckhart Gillen, handelt es sich um die erste Ausstellung in den USA, die die deutsche Kunstgeschichte zu Zeiten der deutschen Teilung in ihrem gesamtdeutschen Zusammenhang präsentiert. Sie hat in Los Angeles ihre erste Station zu Beginn des Jahres 2009. In der 2. Hälfte des Gedenkjahres wird sie im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und schließlich ab 3. Oktober 2009 - dem Tag der Deutschen Einheit - im Deutschen Historischen Museum zu sehen sein. (Abb.: Curt Querner, Elternbild, 1948, Galerie Neue Meister Dresden, Dauerleihgabe der TU Dresden)

Broad Contemporary Art Museum, Los Angeles (USA), 25. Januar - 19. April 2009
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, ab 23. Mai 2009
Deutsches Historisches Museum Berlin, ab 3. Oktober 2009
 


Winter adé - Filmische Vorboten der Wende
Filmreihe zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution

Auf Initiative der Kulturstiftung des Bundes entsteht gemeinsam mit der
Stiftung Deutsche Kinemathek eine Filmreihe zum Thema "Filmische Vorboten der Wende". Sie wird erstmals im Februar 2009 auf den 59. Internationalen Filmfestspielen Berlin im CinemaxX 8 am Potsdamer Platz und im Zeughauskino Unter den Linden präsentiert. Gespräche mit den Regisseurinnen und Regisseuren und eine Sonderveranstaltung werden die Reihe begleiten.

"Winter adé" präsentiert in fünfzehn abendfüllenden Programmen deutsche und osteuropäische Filme, die im letzten Jahrzehnt des Kalten Krieges entstanden sind - und in denen sich die Ahnung des bevorstehenden, tief greifenden Wandels bereits abzeichnet. Teils sind die Filme in den offiziellen Studios Bulgariens, Polens, Rumäniens, Ungarns, der DDR, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei entstanden. Andere wurden in den Randbereichen des Kinos oder im künstlerischen Untergrund realisiert. Die von Claus Löser kuratierte Auswahl an Spiel-, Dokumentar-, Animations-, Kurz- und Experimentalfilmen bezieht große Namen der Filmgeschichte - Krzysztof Kieslowski oder Jan Švankmajer - ebenso ein wie Arbeiten weniger bekannter Filmemacherinnen und Filmemacher. In ihren Werken formuliert sich die Hoffnung auf politische oder wirtschaftliche, vor allem aber auf künstlerische Öffnung. Jeder der Filme hat auf formale oder inhaltliche Weise Grenzen erweitert und durch seine mutige Artikulation Veränderungsbedarf eingeklagt.

Premiere: Samstag, 7. Februar 2009 im CinemaxX 8, Potsdamer Platz, Berlin im Rahmen der 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin.
 


Filminstallation "Material"
Ein Beitrag zur Archäologie der realen Existenz von Thoma Heise

Mit "Material" präsentiert der 1955 in Ost-Berlin geborene Thomas Heise seine individuelle Wahrnehmung deutscher Geschichte, die durch seine Lebenserfahrungen in der DDR geprägt wurde. Heise montiert Bild- und Tonmaterial, das er im Laufe der letzten dreißig Jahre im Zuge seiner künstlerischen Arbeit gesammelt hat, zu einer Installation, die ein eigenwilliges historisches Panorama abseits offizieller Geschichtsbilder entwirft. Man sieht Fragmente aus dem wirklichen Leben, Menschen auf der Straße, bei Parteiveranstaltungen, im Gefängnis, im Parlament; Alltagsbeobach-tungen, die im Widerspruch standen zum offiziellen Selbstbild der DDR. Diese Aufnahmen entstanden in dem Wissen, dass sie aufbewahrt werden müssten für eine andere Zeit, in der sie öffentlich gezeigt werden dürften. Die ältesten Töne und Bilder stammen aus einer Reportageübung an der Filmhochschule Potsdam Babelsberg aus dem Jahr 1979. Die jüngsten Szenen zeigen beispielsweise Bilder vom Abriss des Palastes der Republik in Berlin.

Filminstallation: Akademie der Künste, Pariser Platz Berlin, Buchpräsentation und Lesung: Duisburger Filmwoche ZKM Karlsruhe, Zeughauskino und Arsenal Berlin. Berlinpremiere am 9. November 2009 in der Volksbühne Berlin.
 


60 Jahre Deutschland. Annäherung an eine unbehagliche Identität
Zweijähriges Theaterprojekt der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin

Die Berliner Schaubühne nahm den sechzigsten Jahrestag der doppelten Staatsgründung 1949 zum Anlass, um gemeinsam mit jungen Dramatikern ein zweijähriges Programm zur deutschen Nachkriegsgeschichte zu entwickeln. Das Programm lief über zwei Spielzeiten, 2007/08 und 2008/09, besteht aus drei großen inhaltlichen Teilen und einer Vielzahl von verschiedenen Stückaufträgen.

Im ersten Teil des Programms ging es um die Frage nach unserer kollektiven Erinnerung und den identitätsstiftenden Ereignissen der deutschen Geschichte. Autoren entwickelten zu jedem Jahrzehnt der deutschen Nachkriegsgeschichte zwanzigminütige "Minidramen". Der zweite Teil des Programms bestand aus einem Komödienwettbewerb, bei dem Dramatiker eingeladen waren, die politischen und gesellschaftlichen Konflikte des Nachkriegsdeutschland in den Blick zu nehmen und im Genre der gesellschaftskritischen Komödie in der Tradition von Kleist oder Dürrenmatt zu bearbeiten. Im dritten und letzten Teil weitet sich die Perspektive: Autoren aus ganz Europa werden eingeladen, im Genre des politischen Dramas ihre Sicht auf die großen ideologischen und politischen Konflikte der deutschen und europäischen Nachkriegsgeschichte vorzustellen. Dazu werden Stückaufträge an renommierte Autoren aus Deutschland und anderen europäischen Ländern vergeben, wo in den letzten Jahren große gesellschaftliche Umbrüche stattfanden.
Den Abschluss des Projekts bildet im Frühjahr 2009 ein Festival an der Schaubühne mit den Uraufführungen des dritten und letzten Teils. Weitere Informationen finden Sie unter: www.schaubuehne.de.

Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin, 19. - 29.3.2009
 


Der dritte Weg
Eine theatrale Demonstration am Theaterhaus Jena

Anlässlich des 20. Jahrestages der friedlichen Revolution in der DDR arbeitet das Theaterhaus Jena mit seinem Projekt "Der dritte Weg" die damaligen Ereignisse künstlerisch auf - jedoch nicht in einer historischen Rückschau, sondern um diese auf ihr Potential für Gegenwart und Zukunft hin zu untersuchen.
In Jena kippte 1989 die Forderung "Wir sind das Volk!" sehr schnell um in "Wir sind EIN Volk!" Gleichzeitig gab es eine Gruppe, die dieser Entwicklung von Anfang an kritisch gegenüberstand. Sie entwickelte eigene Ideen für eine ostdeutsche Alternative jenseits der Opposition zwischen Sozialismus und Kapitalismus: für einen reformierten Staat - eben den dritten Weg.
Die Regisseurin Nina Gühlstorff befragt Zeitzeugen danach, wie ihr dritter Weg ausgesehen hätte. Aus diesem Material entstehen Texte, die Antworten suchen auf Fragen wie: Wäre ein dritter Weg durchsetzbar gewesen? Und: Wie sähe dann Deutschland heute aus? Auf den Spuren von 1989 beginnt die Demonstration 2009: Ein Gang durch Jena führt die Besucher entlang historischer Orte ins Theater, wo sie einer Staatsgründung beiwohnen, die sich nicht als nostalgischer, sondern als utopischer Akt versteht.

Theaterhaus Jena, Premiere am 10. Oktober 2009, weitere Vorstellungen vom 11. Oktober bis 15. Dezember 2009

Kontakt

Friederike Tappe-Hornbostel

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