Im Jahr 2013 jährten sich zum 75. Mal die Novemberpogrome des Jahres 1938 – dem Jahr, als der Kunstbetrieb im Deutschen Reich bereits fast vollständig „arisiert“ war. Aus diesem Anlass wollte das Fritz Bauer Institut einen Querschnitt des deutsch-österreichischen Kunstbetriebes aus jener Zeit abbilden. Neben der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ – der alljährlichen Leistungsschau nationalsozialistischer Kunst – oder der Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ sollte insbesondere auch die Rolle der kulturellen Akteure dargestellt werden. Entlang der Biografien und Arbeiten von Künstlern, Sammlern und Galeristen, Kunstkritikern und Museumsangestellten suchte die Schau Antworten auf Fragen wie: Wer durfte seine Arbeiten ausstellen? Wer sie sammeln und verkaufen? Wie hießen die Gewinner, wie die Verlierer? Darüber hinaus hat die Schau ihre Exponate ästhetisch und kunstgeschichtlich mit dem Ziel analysiert, sich gegen die verbreitete Annahme stark zu machen, die NS-Kulturpolitik habe sich vorwiegend über stilistische Kriterien definiert und prinzipiell gegen avantgardistische Kunst gerichtet. Die Ausstellung versammelte die Werke von verfolgten Künstlern wie Lotte Laserstein, Elfriede Lohse-Wächtler oder Jankel Adler. Gezeigt wurden auch Arbeiten von NS-Künstlern wie etwa Werner Peiner oder Edmund Steppes. Anhand aktueller Forschungsergebnisse zeigt sie, dass es dem Nationalsozialismus an einer eigenen konsistenten Kulturtheorie mangelte und seine Kulturpolitik sich überwiegend rassenideologisch begründete.

Konzept: Dr. Julia Voss
Kuratorin: Dr. Eva Atlan
Gestaltung: Tobias Rehberger
Künstler/innen: Hannah Ryggen, Werner Peiner, Lotte Laserstein, Heinrich Ehmsen, Elfriede Lohse-Wächtler

Kon­takt

Jüdisches Museum

Untermainkai 14/15  

60311 Frankfurt am Main

www.juedischesmuseum.de