Im September 1972 empfingen jubelnde DDR-Bürger die afro-amerikanische Bürgerrechtlerin Angela Davis in Berlin. Tausende von ihnen hatten sich zuvor an der von offizieller Stelle geleiteten Kampagne „Eine Million Rosen für Angela Davis“ beteiligt, die dazu beigetragen hat, dass die junge Wissenschaftlerin in einem Terrorismus-Prozess in den USA freigesprochen worden war. In der DDR und in linken Kreisen der BRD wurde Davis als Ikone eines internationalen Kommunismus stilisiert. Die Ausstellung im Albertinum will dieses holzschnittartige Bild von Angela Davis dekonstruieren und den Blick auf die inzwischen emeritierte Professorin weiten: Ihre Strategien weiblicher Selbstermächtigung und schwarzen radikalen Widerstands sollen herausgearbeitet und ihr Engagement für soziale und ethnische Gerechtigkeit sowie gegen Genderdiskriminierung in den Blick genommen werden.

Neben Archivmaterialien und Werken bedeutender Künstler der DDR werden in der Schau daher vor allem Arbeiten von Gegenwartskünstlerinnen zu sehen sein, deren Arbeiten sich direkt oder indirekt auf Davis beziehen: Ângela Ferreira beschäftigt sich etwa mit den Auswirkungen des Postkolonialismus in Afrika, während Elske Rosenfeld in ihren Performances das „Vokabular revolutionärer Gesten“ hinterfragt und Sadie Barnette Strategien der Wiederaneignung von Geschichte verfolgt: Sie kreiert eine Installation aus FBI-Akten zu ihrem Vater, der Mitglied der Black Panther Party for Self-Defense sowie zeitweise Angela Davis‘ Leibwächter war. Gabriele Stötzers Video-Performance, in der sie ihre Inhaftierung während der DDR-Zeit verarbeitet, schlägt den inhaltlichen Bogen zu Angela Davis‘ Untersuchungen zu Diskriminierungen in Gefängnissen weltweit. Ein zentraler Leseraum, zusammengestellt von den Contemporary-And Herausgeberinnen Julia Grosse und Yvette Mutumba, bietet eine Auswahl an Büchern, die auf verschiedene Weise mit dem Thema kolonialer Hinterlassenschaften verbunden sind und für die Ausstellung einen speziellen Fokus auf Angela Davis als Intellektuelle richten.

Das Projekt untersucht auch die sozialistische Utopie, die Davis mit der DDR verbunden hat und die auch heute noch Menschen inspiriert, die gerechtere Gesellschaftsformen suchen.

Zeitgleich zu der Ausstellung finden weitere Projekte in den USA statt; mit dem Zimmerli Art Museum in New Brunswick und dem Oakland Museum plant das Albertinum gemeinsame Auftragsarbeiten. Außerdem ist eine Tour der Ausstellung durch die USA angedacht, um dort den internationalen Einfluss von Davis aufzuzeigen.

Künstlerische Leitung: Kathleen Reinhardt
Künstlerinnen: Sadie Barnette, Ângela Ferreira, Steffani Jemison, Lawrence Abu Hamdan, Julie Mehretu, Julia Phillips, Alex Martinis Roe, Elske Rosenfeld, Lewis Watts u.a.

  • Termine

    01.05. –
    13.09.2020

    Ausstellung

    Albertinum/Lipsiusbau | Dresden

Kon­takt

Kunsthalle im Lipsiusbau

Brühlsche Terasse
01067 Dresden

https://albertinum.skd.museum