Südafrika durchlebt derzeit die größte Protestwelle seit dem Ende der Apartheid im Jahre 1994. Im März 2015 beschmierte ein Student der University of Cape Town (UCT) ein Denkmal des britischen Imperialisten Cecil Rhodes mit Exkrementen und löste damit die Proteste unter dem Slogan „Rhodes must fall!“ aus. Im Mittelpunkt der Forderungen stand die Dekolonisierung der Bildungseinrichtungen und die Abschaffung von Studiengebühren. Der Protest zeigt, dass die Generation der so genannten „born free“, die nach dem Ende der Apartheid geboren wurde, von Nelson Mandelas Vision einer „Regenbogennation“ bitter enttäuscht ist und die soziale und ökonomische Kluft zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen durch die Regierung des ANC nicht überwunden worden ist. Während sich diese Frustration in der Wut über ungleiche Bildungschancen entlädt, ist zugleich ein kathartischer Effekt in den Protesten zu spüren, der auch einen verhaltenen Optimismus zur Zukunft des Landes zulässt.

Mit „Chasing Rainbows“ präsentiert das Festival Spielart einen interdisziplinären Südafrika-Schwerpunkt, der zusammen mit Jay Pather vom Gordon Institute for Performing and Creative Arts und dem Live Art Festival in Kapstadt kuratiert wird. Ausgehend von den aktuellen Protestbewegungen präsentiert das Festival die lebendige Tanz-, Theater- und Kunstszene der Post-Apartheid-Zeit und hinterfragt kritisch den Zustand der einst beschworenen Rainbow Nation. Quer durch alle Genres werden Themen verhandelt wie das soziale und wirtschaftliche Gefälle, die Debatte um eine Neuverteilung von Land, der durch Kriminalität, Rassismus und Korruption geprägte Alltag, Genderproblematiken, die Vereinbarkeit von traditionellen Zulu- oder Xhosa-Traditionen mit modernen Lebensformen oder das koloniale Erbe. Die Auseinandersetzung mit der auf Versöhnung ausgerichteten Politik der 1990er Jahre und einer homogenisierten Geschichtserzählung durch die damals eingesetzte Wahrheitskommission präsentiert alternative Lesarten der Vergangenheit und lässt marginalisierte Stimmen zu Wort kommen, die eine zutiefst gespaltene Gesellschaft zum Vorschein bringen.

Nach dem Modell von südafrikanischen Public-Art-Festivals, wie “Infecting the City” in Kapstadt oder „In House” in Johannesburg, soll ein Teil der Poduktionen tagsüber in einem Parcours im Münchner Stadtraum gezeigt werden. Ein Seminar an der Theaterakademie August Everding bereitet den Schwerpunkt vor. Studierende verschiedener Disziplinen übernehmen während des Festivals die Vermittlung (z.B. Artist Talks) und gestalten gemeinsam mit südafrikanischen Künstlern den städtischen Parcours.

Künstlerische Leitung: Sophie Becker (ZA), Jay Pather (ZA)
Mit: The Brother Moves On (ZA), Eduardo Cachucho (ZA), Hasan Essop (ZA), Husain Essop (ZA) Gabrielle Goliath (ZA), Paul Grootboom (ZA), Dean Hutton (ZA), Silindokuhle Albert lbokwe Khoza (ZA), Gerald Machona (ZW/ZA), Themba Mbuli /Unmute Dance Company (ZA), Sethembife Msezane (ZA), Zanele Muholi (ZA), Neo Muyanga (ZA), Mamela Nyamza (ZA), Sello Pesa (ZA), Koleka Putuma (ZA), iQhiya (ZA), Tracey Rose (ZA) Athi-Patra Ruga (ZA), Buhlebewze Siwan (ZA), Chuma Sopotela (ZA), Ntombe Thongo (ZA), James Webb (ZA), Nelisiwe Xaba (ZA)

TURN – Fonds für künst­le­ri­sche ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Deutsch­land und Afri­ka­ni­schen Län­dern

Mit dem Fonds TURN möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

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  • Termine

    27.10. –
    11.11.2017

    Performances, Theater, Diskussionen

    SPIELART Festival | München

Kon­takt

Spielmotor München e.V.

Lothstr. 19
80797 München
www.spielart.org