Im Mythos von Babel wird die Menschheit von Gott mit der Sprachvielfalt bestraft, da sie ihn durch den Bau des Turmes herausgefordert hat. Die sprachliche Homogenität – die im Mythos als Paradies dargestellt wird – transportiert der Schriftsteller Fabio Morábito in seinem Essay „Por qué traducimos“ in die Zukunft und entwirft mit schneidender Ironie die Vision einer kulturell verarmten Welt, in der nur noch eine Sprache gesprochen wird. Morábito kehrt damit den Mythos um und macht deutlich, dass nur sprachliche und kulturelle Vielfalt trotz aller einhergehenden Konflikte als das einzig mögliche Paradies gelten könne.
Morábitos Essay bildet die Folie für die Musiktheaterproduktion „Der Fall Babel“, die die Räume erkundet, die zwischen dem Sprechen verschiedener Sprachen entstehen, wie z.B. beim Übersetzen oder durch den Verlust der Muttersprache. Drei Erzählungen der zeitgenössischen Autorinnen Cécile Wajsbrot (Frankreich), Yoko Tawada (Japan/Deutschland) und Fabio Morábito (Italien/Mexiko) werden hierfür sprachlich und szenisch miteinander verknüpft. Die Bühne fungiert als große „Sprachmaschine“: In jedem Winkel wird übersetzt, geschrieben, gedruckt und unterrichtet. Die Klänge der Aktionen und Objekte werden zum Ausgangsmaterial der Komposition und mischen sich mit dem Gewirr der Stimmen zu einem babylonischen Durcheinander. Aufgeführt wird das Werk von dem Vokalensemble Schola Heidelberg, zwei Schauspielern und drei Schlagzeugern. Anliegen des Projekts ist der Versuch, mit Mitteln des Musiktheaters eine eigenständige Erzählform zu entwickeln, in der Text, Musik und Szene miteinander interagieren. Die traditionelle Abfolge Libretto – Komposition – Inszenierung wird zugunsten einer durchlässigeren Verbindung von Konzeption, Komposition und Regie außer Kraft gesetzt. Die Uraufführung ist zur Eröffnung der Schwetzinger Festspiele 2019 geplant.

Künstlerische Leitung: Heike Hoffmann
Komponistin / Ko-Regie: Elena Mendoza (ES)
Regie / Kompositorische Mitarbeit: Matthias Rebstock
Musikalische Leitung: Walter Nußbaum
Compagnie / Ensemble / Orchester: Schola Heidelberg
Elektronik: SWR Experimentalstudio
Musiker/innen: Almut Lustig, Tobias Dutschke, Martin Homann
Schauspieler: Ayano Durniok, David Luque (ES)

Weitere Termine:

Paris, La Gaité Lyrique: Saison 2020/2021

  • Termine

    26.04. –
    29.04.2019

    Musiktheater

    Schwetzinger Festspiele, Rokokotheater | Schwetzingen

Kon­takt

Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH

Hans-Bredow-Straße
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76530 Baden-Baden

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