Das Festival Theaterformen ist eines der größten Festivals für internationales Theater in Deutschland. Für 2019 hatte das Festival Theaterarbeiten bei Regisseurinnen aus Argentinien, Ägypten, Belgien, Großbritannien und Russland in Auftrag gegeben. Die ausgewählten Künstler sind mit ihren dokumentarischen sowie partizipativen Ansätzen in der internationalen Theaterlandschaft erfolgreich, in Deutschland waren sie jedoch noch kaum bekannt.
Die Produktion „Die Geschwindigkeit des Lichts“ widmete sich den Stadtvierteln, die in Vergessenheit geraten sind, wie auch dem menschlichen Vergessen. Der argentinische Regisseur Marco Canale entwickelte das Stück mit Seniorinnen aus Hannover; ihre vielfältigen kulturellen Hintergründe sowie Erzählungen, Stimmen und die Musik ihrer Herkunftsorte flossen in die Inszenierung ein. Die Regisseure Laila Soliman aus Kairo und Ruud Gielens aus Antwerpen erarbeiteten gemeinsam mit einer selbstorganisierten Gruppe von Frauen die Produktion "My body belongs to me" zum Thema weibliche Genitalverstümmelung. Das Stück der beiden britischen Regisseure Selina Thompson und Scottee entstand ebenfalls mit Mitwirkenden vor Ort. Ausgehend von autobiografischen Fragen – Was bedeutet es, als schwarzes Kind bei weißen Eltern aufzuwachsen, oder als gleichgeschlechtliches Paar ein Kind zu adoptieren? –, war die Produktion ein Parcours durch das europäische Adoptionssystem. Der russische Theaterregisseur Semion Aleksandrovskiy aus Sankt Petersburg entwarf ein Museum menschlicher Beziehungen, in dem das Publikum verschiedenen Dialogen zwischen einem Vater und seinem erwachsenen Kind zuhören konnte. Diese Familiengeschichten zwischen Vater und Tochter bzw. Vater und Sohn wurden vor Ort in Hannover recherchiert und auch in ihnen wurde die kulturelle Diversität der Bevölkerung thematisiert.
Ein mehrteiliges Rahmenprogramm ergänzte das Festival mit zahlreichen theaterpädagogischen Formaten, Masterclasses sowie einer Fachtagung, welche die Bezüge zur geschichtswissenschaftlichen Forschung der „Entangled History“ untersuchte. Das Institut für diskriminierungsfreie Bildung begleitete und beriet das Projekt im Hinblick auf Zugänglichkeit und Antidiskriminierungsstrategien im Theater und wird die Ergebnisse anderen Kulturinstitutionen zur Verfügung stellen.

Künstlerische Leitung: Martine Dennewald
Künstler/innen: Semion Aleksandrovskiy (RU), Marco Canale (AR), Ruud Gielens (BE), Scottee (GB), Laila Soliman (EG), Selina Thompson (GB)

  • Termine

    20.06. –
    30.06.2019

    Festival

    Staatstheater | Hannover

Kon­takt

Niedersächsische Staatstheater Hannover GmbH

Festival Theaterformen
Opernplatz 1
30159 Hannover

www.theaterformen.de