Gabriele Stötzer: Dabei sein und nicht schweigen

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Gabriele Stötzer: Dabei sein und nicht schweigen

Seit über fünf Jahrzehnten setzt sich Gabriele Stötzer mit Themen wie Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Geschlecht auseinander. Ihr eigener Körper spielt dabei oft eine zentrale Rolle – nicht als Objekt, sondern als Schauplatz von Widerstand und feministischer Selbstbehauptung. In der bisher größten institutionellen Werkschau der 1953 geborenen Künstlerin, befasst sich der Berliner Gropius Bau mit einem Schaffen, das untrennbar mit dem politischen Engagement Stötzers und ihrer Auflehnung gegen repressive Strukturen in der DDR verbunden ist: 1976 nach einer Protestaktion zwangsexmatrikuliert, wurde sie wenig später wegen Staatsverleumdung zu einer einjährigen Haftstrafe im Frauengefängnis Hoheneck verurteilt. Nach ihrer Freilassung wurde Gabriele Stötzer zu einer zentralen Figur des literarisch-künstlerischen Untergrunds Erfurts, übernahm dort den privaten, bald verbotenen Ausstellungsraum „Galerie im Flur“, war Mitgründerin der in der DDR einzigartigen „Künstlerinnengruppe Erfurt“ (auch: Exterra XX) und 1989 Teil der Initiative „Frauen für Veränderung“, die die erste Besetzung einer Stasi-Zentrale durchführte.

Stötzers Erfahrungen zwischen Protest, Überwachung und Selbstorganisation prägen ein Werk, das Befreiung, Mut und die gesellschaftliche Rolle der Frau in verschiedenen Medien experimentell verhandelt. Der Fokus auf künstlerischen Widerstand angesichts politischer Repression weist so auch deutliche Bezüge zur Gegenwart auf. In der zweiten Jahreshälfte 2026 wird der Gropius Bau mehr als 150 Werke aus Stötzers gesamten Schaffenszeit bis in die Gegenwart präsentieren – von Malerei, Zeichnung und Fotografie, über Super-8-Filme, Keramik und Textilkunst bis hin zu Performance und Installation. Geplant sind zudem zwei Neuproduktionen, die teilweise aus recyceltem Material früherer Arbeiten entstehen und das Publikum aktiv einbeziehen. Parallel dazu ist eine internationale Zusammenarbeit mit dem Stedelijk Museum in Amsterdam und Muzeum Sztuki in Łódź vorgesehen.

Kuratiert von Julia Grosse, strategische und konzeptionelle Beratung und Entwicklung, Gropius Bau, mit Christopher Wierling, Assistenzkurator, Gropius Bau
Konzept: Julia Grosse und Franziska Schmidt, Leitung Kommunale Galerien Tempelhof-Schöneberg
Beteiligte: Exterra XX, Ensemble für Intuitive Musik Weimar

 

Termine

  • 19. Juni, 2026 bis 6. Dezember, 2026: Ausstellung

    Gropius Bau, Berlin