Mit der Russischen Revolution von 1917 wurde der Kommunismus erstmals von einer politischen Theorie in die Praxis überführt. Seine Ausdehnung als Gesellschaftssystem weit über die Grenzen Russlands hinaus und der damit einhergehende Wettkampf der Systeme prägten die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die Welt polarisierte sich in eine kapitalistische und eine kommunistische Hälfte, wobei jede gleichermaßen für sich beanspruchte, dem Menschen die wahre Freiheit zu ermöglichen. Mit dem Untergang des Sowjetkommunismus 1990 war daher auch schnell von einem „Ende der Geschichte“ die Rede, die marktwirtschaftliche Demokratie schien als beste aller möglichen Welten bestätigt. Heute stellt sich jedoch heraus, dass auch diese Ordnung Risse bekommen hat und die Kopplung von „Freiheit“ und Marktwirtschaft selbst eine große Erzählung ist. Trotz allem hat die kommunistische Praxis – die Arbeitswelt, Kunst und Medien, das Schulsystem – weltweit mehrere Generationen von Menschen bis in die Gegenwart nachhaltig geprägt. Neben dem 100. Jahrestag der Russischen Revolution ist somit auch die Gegenwart Anlass für das Kunstfest Weimar, mit dem Projekt „100 Jahre Kommunismus“ die Frage nach Erbe und Aktualität dieses Gesellschaftssystems zu stellen. Gemeinsam mit Weimarer Partnerinstitutionen und internationalen Gästen aus ehemals oder sich immer noch als kommunistisch bezeichnenden Ländern forscht es dem Alltag, dem Verschwinden und den Hinterlassenschaften des Kommunismus nach und untersucht Sinn und Notwendigkeit großer Erzählungen. Filmvorführungen, Tanz- und Theatergastspiele, eine Opernuraufführung sowie ein Diskursprogramm fragen: Was ist übrig geblieben von Idee und Praxis des Kommunismus? Lohnt es sich, die erledigt geglaubte Ideologie noch einmal genauer zu betrachten? Und welche Erzählungen erklären uns heute die Welt?

Eine zentrale Premiere des diesjährigen Kunstfestes ist Sergej Prokofjews »Kantate zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution«. Die Kantate entstand in Prokofjews kreativster Phase, ihre außergewöhnliche Besetzung verbindet sinfonische Wucht mit russischer Chormusik, Folklore mit Gewehrschüssen, Sirenen und Marschgeräuschen. Ergänzt wird die Aufführung durch das »Concerto for Turntables« seines Enkels Gabriel Prokofiev, der in seinen Kompositionen sinfonische mit elektronischer Musik und Klassik mit Clubkultur zusammenführt.

Künstlerische Leitung: Christian Holtzhauer
Komponist: WANG Lin (CN), Gabriel Prokofiev, Sergej Prokofjew
Regie: Andrea Moses
Kurator: Konstantin Bayer
Dramaturgie: Anja Goette
Musikalische Leitung: Kirill Karabits (UA)
Künstler/innen: Dai Hua (CN), WEN Hui (CN), Sanja Mitrović (RS/NL), DJ Mr Switch u.a.

  • Termine

    23.08.2017

    Kantate zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution

    Weimarhalle | UNESCO-Platz 1 | Weimar

    18.08. –
    03.09.2017

    Festival

    Deutsches Nationaltheater and other venues | Weimar

Kon­takt

Kunstfest Weimar

Windischenstr. 10
99423 Weimar

www.kunstfest-weimar.de