Musik, Musik, Musik – Zwischen Gesellschaftskritik und Gassenhauer – Der Schlager in der Kunst
Das musikalische Genre des deutschen Schlagers existiert seit rund 140 Jahren. Was zunächst einfach anmuten mag, erweist sich bei näherer Betrachtung als hochkomplexe Kulturform und kollektiver Resonanzraum für gesellschaftliche Rollenbilder und Vorstellungswelten, die auch in der bildenden Kunst ihren Niederschlag finden. Dem möchte die Ausstellung in der Kunsthalle Rostock nachgehen.
Die Geburt des Schlagers ist eng verknüpft mit der Entstehung der Moderne und ihren technologischen und gesellschaftlichen Grundlagen, insbesondere Elektrifizierung und Urbanisierung. Die Ausstellung untersucht das Verhältnis von Schlager, Gesellschaft und Bildender Kunst anhand von Themenfeldern wie Migration, Heimat, Körperbilder oder Fernweh. Auf diese Weise werden die Vielschichtigkeit und wechselseitige Prägung des Schlagers durch zeitgenössische Strömungen herausgearbeitet und im Spiegel der Zeit betrachtet. Der Bogen spannt sich dabei von „Die fesche Lola“ (Marlene Dietrich, 1930) bis zu „Bauch Beine Po“ (Shirin David, 2024). Die Frage nach Heimat und Fernweh wird in „Junge, komm bald wieder“ (Freddy Quinn, 1962) anders gestellt als in „Griechischer Wein“ (Udo Jürgens, 1974). „Lili Marleen“ (Lale Andersen, 1939) oder „Ein bisschen Frieden“ (Nicole, 1982) beziehen Stellung zu Krieg und Militär.
Anhand von Schlagermusik, Objekten der Alltagsgeschichte und künstlerischen Arbeiten, die sich mit der Welt des Schlagers verbinden, werden verschiedene Perspektiven auf Gesellschaft und auf kollektive Bilder sichtbar. So treffen Lesser Urys „Hochbahnhof Bülowstraße“ von 1922 und Sibylle Bergemanns Serie „Clärchens Ballhaus“ aus dem Jahr 1976 auf die Sammlung der Kunsthalle Rostock mit Claus Weidensdorfers „Schlagersängerin“ von 1977. Hans Ticha thematisiert in seiner Arbeit mehrfach die Schlagersängerin als weibliche Ikone und Rosa von Praunheim setzt Rex Gildo im Jahr 2022 ein filmisches Denkmal. Ortsspezifische Arbeiten von Stephanie Lüning oder :mentalKLINIK zeigen die Wirkmacht von Kunst und Schlager und spielen mit ähnlichen ästhetischen Formen und Überwältigungsstrategien.
Ein Rahmenprogramm in Rostock sowie Satellitenausstellungen ermöglichen generationsübergreifende Zugänge und umfassen Konzerte, Gesprächsformate und Vermittlungsangebote, die sich speziell auch an jüngere Zielgruppen wie die Gen Z richten werden.
Kurator:innen: Ingo van Aaren, Elke Neumann
Künstler:innen: Joël Andrianomearisoa, Sybille Bergemann, Norbert Bisky, Andrea Grützner, Ulrich Hachulla, Stephanie Lüning, :mentalKLINIK, Gundula Schulze Eldowy, Hans Ticha, Claus Weidensdorfer u. a.
Termine
27. Juni, 2027 bis 9. Januar, 2027: Ausstellung
Kunsthalle Rostock, Rostock