Über zwei Spielzeiten verfolgt das Projekt die Entwicklung von Begehrensstrukturen und ihre ökonomischen Verflechtungen in einer Zeit, in der Genderfragen die politischen Diskurse und sozialen Kämpfe in Deutschland, Frankreich und anderswo mit bestimmen. LA FLEUR als transnationale Gruppe hat in diesen Fragen keine einheitliche Position, gerade im Bereich Sexualität „wimmelt“ es von delirierenden gegenseitigen Zuschreibungen. Vielmehr sollen Gefühle, Zwänge und Abläufe im Beziehungs- und Sexleben formuliert und dabei ökonomische Gegebenheiten mitgedacht werden. Weitere Ausgangspunkte der  Stückentwicklung sind der Roman „Nana“ von Émile Zola und Texte von Virginie Despentes.

„NANA ou est-ce que tu connais le bara“ nach Zola wird ein Theater- und Tanzstück über eine junge Frau, die ihren Körper als erste und zunächst einzig verfügbare Ressource in der Männerwelt einsetzt. Ihre Art der Präsenz auf der Bühne ist eine Vorwegnahme eines im 20. Jahrhundert entstehenden Performertypus', der sich durch Unberechenbarkeit, Erotik und Aggression auszeichnet. Gleichzeitg ist Nana eine Sexarbeiterin, die mal nach maximalem Profit und mal nach eigenem Vergnügen  strebt. In der zweiten Produktion, dem Musical „Nana kriegt keine Pocken“ beschäftigt sich LA FLEUR mit feministischen Pro Sex-Ansätzen zwischen Fiktion, Biografie und eigener Theoriebildung.

In beiden Theatern werden die Proben früh für Publikum geöffnet und von Workshops flankiert. Zwei Konferenzen führen zu einem Erfahrungsaustausch der beiden Partnertheater, die sich gegenseitig zu Runden Tischen mit Moderatoren und Publikum einladen. Sie analysieren die Rolle von Repräsentation auf der Bühne sowie von Mitarbeiterstrukturen am MC93 in Bobigny, einer Gemeinde in St. Denis mit jungen Einwohner/innen vieler Nationalitäten, und am Theater Bremen angesichts einer sich ebenfalls verändernden Stadtgesellschaft.

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