Die Kulturstiftung des Bundes hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Programmen auf den Weg gebracht, die Veränderungsprozesse in Museen anstoßen sollen. Dieses neue Programm soll die im Rahmen der Initiativen Museum Global (seit 2014) und Humboldt Lab Dahlem (2012–2015) begonnene Förderung einer zeitgemäßen und globalen Ausrichtung von Museumsammlungen fortführen. Beteiligt daran sind das Hamburger Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt und das Stuttgarter Linden-Museum, beide in öffentlicher Trägerschaft und im Besitz kulturhistorisch herausragender Sammlungen. Beide Einrichtungen haben ihre Afrika-Dauerausstellungsbereiche geschlossen, um sie einer grundlegenden Erneuerung zu unterziehen. Künftig werden die Häuser neue Wege in der Kooperation mit den Herkunftsländern, in der Provenienzforschung, bei der Erprobung neuer Formen musealer Präsentationund bei Öffnung gegenüber lokalen Stadtgesellschaften gehen. Dafür erhalten die zwei ethnologischen Museen jeweils 1 Mio. Euro über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren.

Der 2019 bevorstehende Eröffnungstermin für das Berliner Humboldt Forum lässt erwarten, dass Herausforderungen, vor denen ethnologische Sammlungen gegenwärtig stehen, in Deutschland auch weiterhin lebhaft diskutiert werden. Kaum eine der genannten Aufgaben lässt sich kurzerhand erfüllen. Allein schon die systematische Entwicklung und Umsetzung einer kolonialzeitlichen Provenienzforschung stellt eine Herkulesaufgabe dar, die in den Einrichtungen auf Jahre hinaus zusätzliche – vor allem personelle – Ressourcen erfordern wird. Ebenso wird die mit der Geschichte und Präsentation ethnologischer Sammlungen aufgeworfene Frage nach dem kolonialen Erbe auch auf Debatten über eine Einwanderungsgesellschaft ausstrahlen, in der das Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft, Sprache, Weltanschauung oder Religion zu einer zentralen gesellschaftlichen Gestaltungsaufgabe werden wird. Auf diese Weise beschäftigen sich ethnologische Museen mit Fragen, die über ihre musealen Inhalte weit hinausgehen.

Eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit den Museen in Hamburg und Stuttgart und in engem Austausch mit internationalen Partnern, bei der zentrale Themen ethnologischer Sammlungen erörtert werden, soll das Programm begleiten. Für eine Überprüfung und Veränderung gängiger Museumspraktiken in Deutschland geht es insbesondere auch darum, internationale Perspektiven auf die Gegenwart ethnologischer Sammlungen zu gewinnen.

Die Kulturstiftung des Bundes fördert das Programm für ethnologische Sammlungen (Arbeitstitel) in den Jahren 2018 bis 2022 mit Mitteln in Höhe von bis zu 2,3 Mio. Euro.

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Dr. Lutz Nitsche
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