Seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi in Libyen im Zuge des „Arabischen Frühlings” 2011 durchlebt die Sahel-Region eine schwierige Zeit. Sie ist Schauplatz von Attentaten und Entführungen, Drehkreuz des Waffen- und Drogenhandels und ein Hort des islamistischen Terrorismus. Die meisten Länder dieser Region wie Mali, Niger, Burkina Faso, Mauretanien und Tschad haben zusätzliche Probleme, darunter ethnische und religiöse Differenzen und ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum. Ländliche Armut und Bodenstreitigkeiten spitzen sich immer mehr zu, während eine perspektivlose Jugend sich leicht von den Parolen fundamentalistischer Prediger verführen lässt.

Der Sahel ist so binnen weniger Jahre zu einem Raum geworden, in dem eine gefährliche Verschränkung von fundamentalistischer Religion, Terrorismus und Politik vorherrscht. Dies stellt eine enorme Herausforderung für die politisch Verantwortlichen und die Bevölkerung dar, die sich zuvor auf einem guten Weg der Demokratisierung befanden und deren erste Erfolge nun wieder vernichtet werden könnten. Auffallend ist, dass sich die kulturellen Akteure der Region lebhaft an der Debatte über diese Entwicklungen beteiligen. Sie bringen nicht nur ihre Wut und ihr Entsetzen zum Ausdruck, sondern greifen die Geschehnisse sowie die Verschränkung von Politik, Religion und Terrorismus auch in ihren Arbeiten auf.

Vor diesem soziopolitischen Hintergrund kuratiert toucouleur e.V. im Rahmen des Afrikamera Filmfestivals 2017 den Themenschwerpunkt „Talking about Sahel – African Cinema between Religion, Terrorism and Politics“. In Kooperation mit Wassakara Production in Abidjan und Génération Films in Ougadougou wird eine Auswahl von Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Animationsfilmen gezeigt, die von Regisseur/innen aus verschiedenen Generationen stammen und die sich mit den Themen Religion, Politik und Menschenrechte in der Region auseinandersetzen. Besondere Akzente setzen dabei neue Produktionen sowie libysche Kurzfilme aus der Post-Gaddafi-Zeit („Libyan Shorts“). Ergänzend zum Festival finden ein Workshop in Ougadougou zu den Produktionsbedingungen und Strategien von Filmemachern sowie ein Expertenpanel in Berlin statt, die zusammen mit dem 908 Motion Design Studio und der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin organisiert werden und deren Teilnehmer zusammen mit allen Projektpartnern ausgewählt wurden.

Künstlerische Leitung: Alex Moussa Sawadogo (DE)
Mit: Daouda Coulibaly (ML), Andrey S. Diarra (ML), Alain Gomis (SN), Mahamet-Saleh Haroun (TD), Gaston Kaboré (BF), Rahmatou Keita (NE), Abderrahmane Sissako (MR), Cheick Oumar Sissoko (ML)

Weitere Termine

April 2017: Workshop in Ougadougou

TURN – Fonds für künst­le­ri­sche Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen Deutsch­land und afri­ka­ni­schen Län­dern

Mit dem Fonds TURN möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

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Kon­takt

toucouleur e.V.

Dieffenbachstr. 58
10967 Berlin
www.afrikamera.de