In den letzten Jahren hat sich der von der Kulturstiftung des Bundes als kultureller Leuchtturm geförderte Tanzkongress zu einer der wichtigsten Veranstaltungen, Netzwerktreffen und Reflexionsstätten der deutschen Tanzszene entwickelt. Für 2019 hat die Kulturstiftung des Bundes die renommierte Choreografin Meg Stuart mit der künstlerischen Leitung des Tanzkongresses beauftragt und damit den experimentellen und internationalen Charakter dieser Veranstaltung gestärkt. Stuart ist bekannt für ihre genreerweiternden und thematisch vielfältigen Arbeiten, wie auch für ihre innovativen Improvisations- und Kollaborationsformate. Für den Tanzkongress 2019 entwickelt Meg Stuart ein experimentelles Versammlungsformat, das zeitgenössische Fragen des Tanzes – inspiriert vom utopischen Setting des Festspielhaus Hellerau – praxisbasiert und gemeinschaftlich angehen wird.

Unter dem Namen ‚Tänzerkongress’ in den 1920er Jahren als Versammlung Tanzschaffender in Deutschland ins Leben gerufen, und für kurze Zeit zu Beginn der 1950er Jahre wiederbelebt, wurde die Tradition des Tanzkongresses 2006 von der Kulturstiftung des Bundes wiederaufgenommen. Die ersten Kongresse in der Weimarer Republik – 1927, 1928 und 1930 – waren gemeinsame Reflexionen über die gesellschaftlichen und ästhetischen Potenziale des modernen Tanzes. Initiiert vom Dramaturgen Hanns Niedecken-Gebhard und dem Choreografen Rudolf von Laban dienten sie zur Selbstbestimmung und öffentlichen Darstellung der Ideale des modernen Tanzes: neue Körperbilder, freie Bewegung und soziale Utopien. Neben ästhetischen und künstlerischen Debatten wurden dort aber auch Arbeits- und Ausbildungsbedingungen verhandelt, und in einigen Beiträgen klang bereits das faschistische Potenzial des modernen Tanzes an – denn sowohl Niedecken-Gebhard wie auch Laban waren später maßgeblich an der Tanzpolitik des dritten Reiches beteiligt.

Im Bewusstsein dieser Paradoxien der Moderne knüpft der Tanzkongress 2019 an künstlerische Utopien von Gemeinschaft, Anarchie und Spiritualität an, wie sie der Veranstaltungsort des Tanzkongresses 2019 – das Festspielhaus Hellerau in der gleichnamigen Gartenstadt am Rande von Dresden – aber auch die künstlerische Exilkolonie Monte Verità in den 1910er Jahren, die legendäre Abschlussparty des ersten Tänzerkongress 1927 in einem Club in Magdeburg oder die Happenings der 1960er Jahre in den USA verkörpern.

Erstmals unter der Leitung einer Choreografin, ist der Tanzkongress 2019 als Versammlung internationaler Tanzschaffender und Interessierter konzipiert. Meg Stuart und ihr Team schaffen dazu die räumliche und zeitliche Struktur für eine gemeinschaftlich hergestellte Erfahrung. Gemeinsam mit Expert*innen aus den Künsten, Wissenschaften, Politik und Esoterik probieren die Teilnehmenden diverse körperlichen Praktiken, diskutieren philosophische und naturwissenschaftliche Konzepte und betrachten politischen Aktivismus verschiedener Zeiten und Orte, um Inspirationen für den zeitgenössischen Tanz zu finden. Der Tanzkongress 2019 geht dabei über konventionelle Kongressformate hinaus und schafft alternative Umgebungen für Austausch und Erwerb von Wissen, Konflikt und Vermittlung, Versammlung und Heilung. Die gesamte Anlage des Festspielhaus Hellerau, inklusive der großen Halle und des umgebenden Gartens, wird dafür in modulare Arbeitsräume in Form eines Clubs, Kinos, Schlafsaals, Bibliothek, etc. verwandelt.

Neben der Versammlung vom 5. bis 10. Juni 2019 im Festspielhaus Hellerau besteht der Tanzkongress 2019 außerdem aus Salons auf der ganzen Welt, die den Kongress inhaltlich vorbereiten; in Satelliten-Events in Dresden, die im Vorfeld Ideen und Konzepte des Tanzkongresses der Stadtöffentlichkeit in Form von Workshops, Konzerten und Vorträgen vorstellen; wie auch in einem öffentlichen, kuratierten Event, in dem sich die Teilnehmenden des Tanzkongress und das Dresdner Publikum begegnen.


Die Kulturstiftung des Bundes fördert den Tanzkongress 2019 mit 960.000 Euro.

Eine Veranstaltung der Kulturstiftung des Bundes
In Kooperation mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Goethe-Institut und DIEHL+RITTER
Unterstützt durch die Landeshauptstadt Dresden

  • Termine

    05.06. –
    09.06.2019

    Tanzkongress 2019

    Europäisches Zentrum der Künste Hellerau | Dresden

Kon­takt

Antonia Lahmé
Kulturstiftung des Bundes

Franckeplatz 2
06110 Halle (Saale)
Tel.: +49 (0)345 2997 117
Fax.: +49 (0)345 2997 333
E-Mail
 

Jana Bäskau
DIEHL+RITTER gUG

Crellestraße 29 – 30
10827 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 81 82 82 33
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