Für die Eröffnung der Ruhrtriennale 2018 unter der künstlerischen Leitung von Stefanie Carp, entwickelten der Regisseur und Artiste Associé der Ruhrtriennale 2018-2010, Christoph Marthaler, der Dirigent Titus Engel und die Bühnenbildnerin Anna Viebrock ihre ganz eigene Perspektive auf ein unvollendet gebliebenes Vorhaben des amerikanischen Komponisten Charles Ives (1875–1954): der Universe Symphony, die eines der großen utopischen Musikwerke des 20. Jahrhunderts ist. 

„Für den Fall, dass es mir nicht gelingen sollte, dieses Werk zu vollenden, findet sich vielleicht jemand anderes, der den Versuch unternimmt, meine Gedanken auszuarbeiten. Es könnte sein, dass die von mir erstellten Skizzen viel mehr Sinn ergeben, wenn man sie aus der Perspektive von jemandem betrachtet, der nicht ich selbst bin.“ (Charles Ives)

Utopisch ist die "Universe Symphony", weil Ives sein Werk als ein alle bisherigen klassischen Aufführungsformate sprengendes Klangereignis für 4250 Musikerinnen und Musiker konzipierte, die (aufgeteilt in Gruppen) in kilometerweit voneinander entfernten Stellen auf Berghöhen und in Tälern die Komposition realisieren sollten. Inmitten dieser Klanggruppen sollten die Zuschauer umherwandern, sich niederlassen, weiterziehen, die Komposition Ives’ anhand eines selbst gewählten Weges individuell erleben. Utopisch ist die "Universe Symphony" jedoch auch deshalb, weil Ives sie niemals vollendet hat. Im Gegenteil: von der seinerseits ins Auge gefassten dreiteiligen Gesamtkomposition existieren nur einige mehr oder weniger umfangreiche Ausschnitte, darüber hinaus schriftliche Anmerkungen zu rhythmischen Verläufen, Phasenverschiebungen, Orchesterbesetzungen und Tempi. Sie ist ein aus Notizen, Skizzenblättern und Partiturseiten bestehendes Konvolut der Unvollständigkeit. Hierbei stammen die auskomponierten Teile, Skizzen und Konzeptionspapiere aus unterschiedlichsten Lebensphasen des Komponisten.

Ausgehend von den tatsächlich komponierten Teilen des Werkes entwerfen Christoph Marthaler, Titus Engel und Anna Viebrock in der Jahrhunderthalle Bochum einen szenisch-musikalischen Raum, in dem Instrumentalsolisten, die Bochumer Symphoniker und ein aus Schauspielerinnen, Tänzern und Sängerinnen bestehendes Ensemble auf einer szenischen und einer klanglichen Ebene aus einer entfernten phantasierten Zukunft auf unser heutiges Leben zurückblicken. Andere, von der Universe Symphony unabhängige Kompositionen von Charles Ives werden dabei die Leerstellen des unvollendeten Universums einnehmen. Das künstlerische Team untersucht mit der Musiktheater-Kreation "Universe, Incomplete" ein musikalisches Gesamtwerk und bettet es in ein szenisch-visuelles Spannungsfeld heutiger Erfahrung zwischen Verlust und Erfindung ein. 

Die Musiktheater-Produktion "Universe, Incomplete" bildet den spektakulären Auftakt des Gesamtprogramms der Ruhrtriennale 2018. Schauplatz der Inszenierung sind Innen- und Außenräume der Bochumer Jahrhunderthalle.

Die Kulturstiftung des Bundes förderte in den vergangenen Jahren verschiedene Eigen- und Auftaktproduktionen der Ruhrtriennale: 2006 Bernd Alois Zimmermanns Oper »Die Soldaten«, 2009 Arnold Schönbergs »Moses und Aaron«, 2012 Carl Orffs »Prometheus« und 2015 Pier Paolo Pasolinis »Accattone«.

  • Termine

    17.08. –
    25.08.2018

    Universe, Incomplete

    Eröffnungsproduktion

    Bochumer Jahrhunderthalle | Bochum

Kon­takt

Kultur Ruhr GmbH
Ruhrtriennale

Gerard-Mortier-Platz 1 
44793 Bochum
www.ruhrtriennale.de