Die Dringlichkeit einer drohenden Apokalypse nehmen Gob Squad zum Anlass, das Verhältnis zwischen Vergangenheit als schon „geschriebener“ und Zukunft als noch zu „schreibender“ Geschichte zu untersuchen und ihr Publikum auf eine imaginäre Zeitreise in das Jahr 1984 zu schicken. Das britisch-deutsche Performancekollektiv zählt zur Avantgarde des postdramatischen Theaters und feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. Kollektive Gestaltungspraxis und die Interaktion mit dem Publikum sind zentrale Elemente ihrer künstlerischen Arbeit. Auch bei ihrer neuen Produktion „1984 – A Possible Future from the Past“ steht die Begegnung zwischen Performerinnen und Publikum im Mittelpunkt. Für ihre Inszenierung an der Schnittstelle von Theater und Popkultur greifen Gob Squad Motive von George Orwells dystopischer Zukunftsvision „Nineteen-Eighty-Four“ auf, in der Geschichte systematisch vom „Ministerium der Wahrheit“ umgeschrieben wird. Ihr Stück ist performative Science-Fiction – ein interaktives Experiment, mit dem der Versuch eines „Reset“, der Re-Programmierung von Geschichte unternommen wird, um gemeinsam mit dem Publikum Visionen einer besseren Zukunft zu entwickeln.

Projektionsfläche der „possible future(s)“ sind Musikvideos von 1984, dem Jahr, in dem die MTV Video Music Awards erstmals stattfanden. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, wirken nicht nur die Frisuren, die Mode und die Musik antiquiert – noch eindrücklicher wird das Fortschreiten der Zeit mit Blick auf die vermittelten Geschlechterbilder oder den Umgang mit kultureller Appropriation. Gob Squads „1984“ ist eine multimediale Performance, in deren Zentrum das Reenactment von Szenen dieser Musikvideos steht. Das Publikum ist eingeladen, die Darstellung von Lebenswirklichkeiten zu verändern. Mit der (Re-)Vision von Vergangenheit und Zukunft möchte das Künstlerkollektiv mit dem westlich geprägten Narrativ brechen und insbesondere unterrepräsentierte Stimmen zu Wort kommen lassen um – im Sinne des Romans – die „wahre“, unredigierte Geschichte zu erfahren und von hier aus Zukunft neu zu denken. Abhängig von der Zusammensetzung des Publikums entwickeln sich Konstellationen und Beziehungen in jeder Aufführung neu. Den Inszenierungen gehen Forschungsaufenthalte in New York, Shanghai, Bengaluru und Leipzig voran. Gemeinsam mit lokalen Partnerinnen arbeiten Gob Squad vertiefend zu ausgewählten Fragestellungen wie Afrofuturismus und Identitätspolitik, Marginalisierungserfahrungen, künstlicher Intelligenz und multiperspektivischem Storytelling.

Künstlerische Leitung: Gob Squad Arts Collective
Künstlerinnen: Gob Squad Arts Collective (Johanna Freiburg, Sean Patten, Sharon Smith, Berit Stumpf, Sarah Thom, Bastian Trost, Simon Will), Anuja Ghosalkar, Joris Weijdom u.a.

  • Termine

    04.05. –
    09.05.2021

    Aufführungen

    HAU Hebbel am Ufer | Berlin

Kon­takt

Gob Squad Arts Collective GmbH

www.gobsquad.com