Kontext – Literatur veranstalten

Modellprojekt der Unabhängigen Lesereihen e.V.

Auf einen Blick

Mit dem Modellprojekt Kontext – Literatur veranstalten fördert die Kulturstiftung des Bundes innovative und experimentelle Formate für die Präsentation zeitgenössischer Literatur. Die eigenständig kuratierten, sparten-übergreifenden Veranstaltungen sollen innovative Literaturformate stärken und mehr Menschen an Literatur heranführen. Die neuen Veranstaltungsideen werden bundesweit und dezentral vorgestellt, so dass sie in die deutschsprachige Literaturszene ausstrahlen können. Die Kulturstiftung stellt dem Unabhängige Lesereihen e.V. für die Umsetzung des Modellprojektes in den Jahren 2025 bis 2028 bis zu 600.000 Euro zur Verfügung.

Zahlen & Fakten 

Projekt
Kontext – Literatur veranstalten
Laufzeit
2025–2028
Projektträger
Unabhängige Lesereihen e.V.
Fördersumme
bis zu 600.000 Euro

Ausführliche Informationen zum Modellprojekt

Zeitgenössische Literatur im Umbruch

Traditionell prägen Literaturhäuser, Verlage und Festivals das literarische Leben – meist mit Fokus auf das gedruckte Buch. Daneben erweitern aktuell gerade junge Autorinnen und Schriftsteller das literarische Spektrum um spartenübergreifende, mehrsprachige und performative Formate. Diese neuen ästhetischen und sozialen Qualitäten bereichern die Literaturlandschaft.

Der Verein Unabhängige Lesereihen e.V. (externer Link, öffnet neues Fenster) ist in diesem dynamischen Feld ein Ankerpunkt und wichtiges Netzwerk. Er besteht aus vielen Initiativen in Städten im deutschsprachigen Raum, die weitgehend unabhängig vom Buchmarkt und etablierten Förderstrukturen Lesereihen kuratieren – von jungen Menschen für junge Menschen. Der Verein ist schon seit vielen Jahren ein wichtiges Forum, um neue Stimmen zeitgenössischer Literatur zu entdecken. 

Was wird gefördert? 

Mit Kontext – Literatur veranstalten ermöglicht die Kulturstiftung den Lesereihen in den Jahren 2025 bis 2028, bundesweit künstlerisch zu experimentieren und neue Ideen für die Präsentation von Literatur zu erproben. Im Fokus stehen dabei die kuratierten Veranstaltungen, bei denen Veranstaltungsorte – ob auf dem Land oder in der Stadt, in Buchhandlungen, Galerien, Gaststätten oder auf Marktplätzen – als Teil der literarischen Erlebnisse verstanden und bewusst inszeniert werden. Thematisch soll der Schwerpunkt auf der Viel- und Mehrsprachigkeit der Literatur, auf der Vielfalt literarischer Erscheinungsformen sowie auf der Teilhabe an und in der Literatur liegen. Dabei kann es darum gehen, das Zusammenspiel von Sprache und Klang neu zu denken oder Texte von einer Gattung in eine andere zu übersetzen, etwa eine Kurzgeschichte in eine Graphic Novel. Es können auch inklusivere Lesungen erprobt werden, wie so genannte Relaxed Readings, in denen man sich freier bewegen kann und in denen sich auch Menschen wohl fühlen, die bisher selten Kulturorte besucht haben. 

Das Projekt hat 2025 die Mitglieder des Unabhängigen Lesereihen e.V. dazu eingeladen, sich mit innovativen Konzepten für Literaturveranstaltungen zu beteiligen. Ein kuratorisches Team übernimmt derzeit die künstlerische Auswahl. Im weiteren Verlauf wird es die experimentelle Entwicklung neuer und auch adaptierbarer Formate begleiten sowie den Wissenstransfer begleiten. Veranstaltungen wie ein bundesweiter Kongress sollen die neuen Ideen in der deutschsprachigen Literaturszene verankern.
 

Neue Impulse für die Literaturszene

Pressemitteilung vom 18. Juni 2026 zum Start von „Kontext – Literatur veranstalten"

Die ausgewählten Formate im Überblick

Ausgepackt

Das Format lädt Autor*innen und ihr Publikum dazu ein, ein zuvor auf den Text hin kuratiertes Paket voller Gesprächsmöglichkeiten, Spiele und Requisiten live auf der Bühne auszupacken. So entstehen experimentelle, kollaborative Literaturabende ohne klassische Moderation. Konzept und Erprobung in Hannover und Münster durch Nitay Feigenbaum für die Lesereihe „Irgendwie 248 Sachen”.

 


Die andere Lesung

„Die andere Lesung“ ist ein offenes, fluides Literaturformat, das künstlerisch-literarische Beiträge mit gemeinschaftlichem Essen verbindet. In entspannter Atmosphäre entsteht ein Raum für niederschwellige Begegnungen, Gespräche, Übersetzungen und Lesarten. Konzept und Erprobung in Hamburg und Sittensen durch Jonis Hartmann und Ayna Steigerwald für die Lesereihe „i’m growing fur” gemeinsam mit Annika Dorau.


Literaturwaende

Das Format verbindet Schreibworkshops mit künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum. In Zusammenarbeit bespielen Autor*innen und bildende Künstler*innen diesen visuell und mehrsprachig mit Texten an Wänden, Plätzen oder Objekten und machen damit Literatur als kollektive, räumliche und alltägliche Erfahrung sichtbar. Konzept und Erprobung in Leipzig durch Olav Amende, Jascha Riesselmann und Özlem Özgül Dündar für die Lesereihe „Literaturwaende”.

bitte -setzen! : Dichten in 4D

„bitte -setzen! : Dichten in 4D“ ist ein intermediales Veranstaltungsformat, bei dem die Transformation eines lyrischen Texts und einer weiteren künstlerischen Arbeit nach einem spezifischen „Setzungs”-Prinzip, etwa der Übersetzung oder der Zersetzung, in die jeweils andere Disziplin stattfindet. Es entstehen transmediale Arbeiten in Sound, Performance, Raum oder Bild, die Literatur als offenen, inklusiven und vielstimmigen Erfahrungsraum erlebbar machen. Konzept und Erprobung in Berlin durch Manuel Irmey, Julia Dorsch und Eliana Kirkcaldy für die Lesereihe „textOUR”.

 


Flux Sessions

Das Format verbindet Kunstformen, die mit Klang arbeiten – wie Lyrik, Sound Poetry und Musik – in improvisierten Live-Sessions. Durch kollektive Prozesse und die aktive Einbindung des Publikums entstehen offene, inklusive Erfahrungsräume zwischen Avantgarde und Soziokultur. Konzept und Erprobung in Leipzig, Freiburg im Breisgau und Bautzen / Weisswasser durch Anne Munka und Jan F. Kurth für die Lesereihe „Lyrik ist Happening”.


zwischen/raum

„zwischen/raum“ ist ein inklusives Lesungsformat in Einfacher Sprache in den Lebensräumen von Menschen insbesondere mit kognitiven Beeinträchtigungen. Gemeinsam mit den Zielgruppen entwickelt es niedrigschwellige Lesesituationen und verhandelt Literatur in Einfacher Sprache als Ausgangspunkt ästhetischer Erfahrungsräume. Konzept und Erprobung in Stuttgart durch Stephanie Hofmann und Lotta Mayer für die Lesereihe „zwischen/miete Stuttgart”.

brave as poetry

„brave as poetry“ ist ein performatives Lyrikformat, das Gedichte mit theatralen Mitteln in den Raum bringt. Gesellschaftspolitische Themen bilden die Ausgangspunkte für die Tandemfindung von Lyriker*innen und Regisseur*innen, und es entstehen darüber neue Zugänge zu zeitgenössischer Lyrik. Konzept und Erprobung in München durch Jan Geiger und Theresa Seraphin für die Lesereihe „GLITSH – Reihe für performative Texte”.


i speak as a twin

„i speak as a twin“ verlagert Poesie in urbane Alltagsräume. Es begreift Spätis als informelle, mehrsprachige soziale Räume, in denen keine strenge räumliche Trennung zwischen Performenden und Publikum besteht. Durch offene Moderation und fließende Interaktionen entstehen hybride Formen zwischen Lesung und performativer Intervention. Konzept und Erprobung in Berlin durch Magdalena Filkova und Yessica Klein für die Lesereihe „OPEN Späti”.


„An Stelle von Heimat“

Eine Installation des kollektiv flexen, realisiert im Rahmen des Modellprojekts „Kontext – Literatur veranstalten“


Was ist Heimat? Was und wo ist Zuhause? Diese und andere Fragen stellt das „kollektiv flexen“ in seiner Videoinstallation, die es im Auftrag der Kulturstiftung des Bundes eigens für die Fensterfront des Hauptgebäudes der Stiftung in Halle an der Saale entwickelt hat.

 

Die Installation, ein Wechselspiel aus Videoloop und Fensterdesign, ist an das Gedicht „In der Flucht“ von Nelly Sachs (1891-1970) angelehnt. Der Titel „An Stelle von Heimat“ zitiert den Vers „An Stelle von Heimat/halte ich die Verwandlungen der Welt –“, mit dem Nelly Sachs ihr Gedicht abschließt. Das „kollektiv flexen“ möchte mit ihrer Installation Passantinnen und Passanten einladen, sich und andere nach ihrem Verständnis von Heimat und den Berührungspunkten damit im alltäglichen Leben zu befragen.

 

Die Kulturstiftung des Bundes setzt sich mit diesem künstlerischen Werk für eine offene und tolerante Gesellschaft ein. Die Installation ist bis Ende September 2026 zu sehen. 
 

Termine

Aktuell keine bevorstehenden Termine

Kontakt

Nuno de Brito Rocha

ProgrammentwicklungKulturstiftung des BundesFranckeplatz 206110 Halle an der Saale
Tel: 49 (0)345 2997 143Fax: 49 (0)345 2997 333