Zitat
Musik kann subtil politisch agieren, indem sie modelliert oder hinterfragt, wie Menschengruppen, Objekte und Ökosysteme einzeln oder gemeinsam funktionieren.
Projektbeschreibung
Die 1921 gegründeten Donaueschinger Musiktage sind das älteste Festival für Neue Musik der Welt und das renommierteste dieser Art in Deutschland. Viele bedeutende Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts haben hier ihre Werke uraufgeführt. Das jährlich im Oktober stattfindende Festival gibt einen Überblick über die Musikavantgarde der Gegenwart.
Das Programm 2024 stand unter dem Titel alonetogether. In 15 Konzerten, Performances und Installationen mit 26 Ur- und Erstaufführungen widmete sich das Festival dem Verhältnis zwischen Individuum und Gruppe in der zeitgenössischen Musik.
Musik im digitalen Raum und Klanginstallationen
Vier Kompositionen bzw. Klanginstallationen eröffneten das Festival: Mit einem audiovisuellen Auftragswerk der Komponistin Lucia Kilger eroberten die Donaueschinger Musiktage erstmals den digitalen Raum: Kilger erschaffte eine künstlerische Reflexion verschiedener digitaler Wirklichkeiten, die unsere Zeit entscheidend prägen. Ihr Werk kann online unter swr.li/smonize (externer Link, öffnet neues Fenster) abgerufen werden. Robin Minards Klanginstallation „Kaminoyama Soundmark“ verlieh im Karlsgarten der japanischen Partnerstadt Kaminoyama akustische Präsenz und verneigt sich vor dem japanischen Dichter Saitō Mokichi. Lilja María Ásmundsdóttir transformierte die Galerie im Turm in ein großes Instrument und lud die Besucher ein, mit ihren Bewegungen den klanglichen Charakter der Installation zu verändern. Elsa Biston verwandelte die Räume des Museum Art.Plus in eine dichte Landschaft aus vibrierenden Objekten, die einen großen Organismus bilden.
Drumsets, KI und Performance
Enno Poppe multiplizierte ein Solo-Instrument und machts so aus einem Individuum eine Gruppe identischer Mitglieder. Die zehn Drumsets des Percussion Orchestra Cologne gaben dem Publikum das Gefühl, in einem einzigen gigantischen Schlagzeug zu sitzen. Das SWR Symphonieorchester brachte gemeinsam mit IRCAM unter der Leitung von Susanne Blumenthal unterschiedliche musikalische Akteure auf die Bühne, beispielsweise konfrontierte George Lewis den Saxophonisten Roscoe Mitchell und das Orchester mit einem KI-Solisten. Am Freitagnachmittag war eine Performance zu erleben, die die Cellistin und Komponistin Séverine Ballon gemeinsam mit Geflüchteten entwickelt hat.
Debüts und besondere Arrangements
In einer posthumen Würdigung des kürzlich verstorbenen New Yorker Komponisten Phill Niblock war seine Musik mit zwei Uraufführungen zu hören. Erstmals als Solist bei den Musiktagen gastierte Pierre-Laurent Aimard, der gemeinsam mit dem SWR Experimentalstudio zerbrechliche Dimensionen von Klang erzeugte, die dem Andenken eines Kindes gewidmet sind. Zum ersten Mal spielte auch das Kollektiv lovemusic aus Straßburg und präsentierte drei jüngere Komponisten aus England und den USA: David Bird, Hannah Kendall und Laura Bowler. Der Kontrabassist Florentin Ginot versammelte das Publikum im Schlosspark zu einem Konzert in der Dunkelheit mit Werken für Kontrabass und Elektronik von Carola Bauckholt und Lucia Kilger. Der Komponist und Saxophonist Roscoe Mitchell war u. a. in einer neuen Triobesetzung gemeinsam mit dem italienischen Schlagzeuger Michele Rabbia und dem Berliner Musiker Ignaz Schick zu erleben.
Reflexionen und Emotionen
Im Konzert des SWR Vokalensembles und des SWR Experimentalstudios unter der Leitung von Yuval Weinberg kamen ästhetisch sehr unterschiedliche Werke von Claudia Jane Scroccaro, Franck Bedrossian und Michael Finnissy zur Uraufführung, die auf Probleme und Erfahrungen unserer Gegenwart reagierten. Das Abschlusskonzert brachte verschiedene Emotionen zum Ausdruck: Francisco Alvarado ließ sich von analogen Kassetten anregen. Sara Glojnarić komponierte eine kollektive Feier von Queer Joy. Und bei Chaya Czernowin übermittelten die Stimmen der Neuen Vocalsolisten wilde Empfindungen, die aus der Tiefe der Körper entspringen.
Neben dem Musikprogramm gab es u. a. Künstlerinnengespräche, Führungen durch die Klanginstallationen, Workshops für Schüler, das Programm „Next Generation“ für Studierende und das Seminar „Abenteuer Neue Musik“ für Lehrende und Studierende. Außerdem war der Film „Stehende Wellen“ über die Entstehung des Orchesterwerks „Occam Océan Cinquanta“ von Éliane Radigue und Carol Robinson zu sehen.
Künstlerische Leiterin der Donaueschinger Musiktage: Lydia Rilling
Termine
Aktuell keine bevorstehenden Termine
Vergangene Termine
17. Oktober, 2024 bis 20. Oktober, 2024: Festival für Neue Musik
verschiedene Orte, Donaueschingen
Kontakt
Donaueschinger Musiktage
Amt für Kultur, Tourismus und Marketing Donaueschingen
Karlstraße 58
78166 Donaueschingen
www.swr.de/swr2/musik-klassik/donaueschinger-musiktage (externer Link, öffnet neues Fenster)
