Der Begriff „zéro-mort“ ist übersetzbar mit „Toter ohne Wert“. Die Theaterproduktion untersuchte die Einwanderungs- und Asylpolitik der europäischen Union und der Bundesregierung. Wie gehen wir mit Menschen um, deren Leben bedroht ist und die um Hilfe bitten? Das Tampere-Programm von 1999 sollte die Europäische Union zu einem „Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts“ machen. Dem liegt in Analogie zum griechischen Altertum der Gedanke eines einheitlichen Schutzraums für Flüchtlinge zugrunde. Tatsächlich aber fühlt sich Europa angesichts der Flüchtlingssituation überfordert. Für die Kontrolle der europäischen Grenzen und nordafrikanischen Küsten sorgen seither Drohnen, Offshore-Sensoren, Satellitensuchsysteme und biometrische Identitätskontrollen.
Das Stück emtzerrte das Traumbild vom paradiesischen Europa und legte die westliche Wirtschaftspolitik mit ihrem Interesse an der ökonomischen Abhängigkeit afrikanischer Staaten bloß. Die zumeist negativ behafteten Klischeebegriffe zum Thema Asyl und Flüchtlinge wurden aufgebrochen und durch eine Sprache ersetzt, die differenzierte Denkweisen ermöglicht. Geprägt ist diese Sprache von der poetischen Ausdruckskraft des west-afrikanischen Autors Paul Zoungrana.

Für ihre Theaterkoproduktion „Die Schutzlosen. Les Zéros-Morts.“ griffen das Theater und die Philharmonie Thüringen (TPT) sowie das burkinische Carrefour International Théâtre de Ouagadougou (C.I.T.O.) dieses Thema auf und beschäftigten sich mit der Frage nach der Differenzierung von „wertvollem“ und „wertlosem“ Leben. Ausgehend auch von Gesetzestexten, einer Recherchereise nach Lampedusa sowie aus gemeinsamen Improvisationen, entwickelte der burkinische Autor und Dramatiker Paul Zougrana zunächst einen Text. Unter der Leitung des Regisseurs Bernhard Stengele wurde dann in einem gemeinsamen Probenprozess in Ouagadougou und Altenburg eine Inszenierung in Deutsch, Französisch und Mooré erarbeitet. Das Projekt knüpfte an die Zusammenarbeit für die Produktion „Les funérailles du désert“ von 2012 an und führte den Austausch der beiden Theater weiter.

"Die Schutzlosen. Les Zéros-Morts." Eine Tragödie von Paul Zoungrana und Bernhard Stengele nach Euripides’ und Ayschylos’ "Die Schutzflehenden". In Kooperation mit dem Carrefour International Théâtre de Ouagadougou.

Inszenierung/Künstlerische Leitung: Bernhard Stengele, Autor: Paul Zoungrana (BF), Bühne: Gesine Pitzer, Kostüme: Martine Somé (BF), Dramaturgie u. Übersetzung: Nora Wieczorek (DE), Mit: Mitgliedern des Schauspielensembles von Theater & Philharmonie Thüringen und des Carrefour International Théâtre de Ouagadougou (C.I.T.O.) aus Burkina Faso

 

Alle Termine

Workshop Altenburg (Landestheater) 24.06.2014 – 30.06.2014 (mit Unterbrechung 26. - 28.6.)
Workshop Ouagadougou (C.I.T.O.) 28.7. - 4.8. 2014
Rahmenprogramm Altenburg (Landestheater) 08.11.2014 – 22.11.2014

Aufführungen Altenburg
22.11.2014, 19.30 Uhr, Premiere
25.11., 10./27. und 29.12.2014, 19.30 Uhr

Aufführungen Gera
13.12.2014, 19.30 Uhr, Premiere
14./17. und 22.12.2014, 19.30 Uhr

Aufführungen in Ouagadougou (C.I.T.O.)
7.1.2015, Premiere
weitere Vorstellungen 08.01.2015 – 08.02.2015

TURN – Fonds für künst­le­ri­sche Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen Deutsch­land und afri­ka­ni­schen Län­dern

Mit dem Fonds TURN möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

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Kon­takt

Theater und Philharmonie Thüringen

Theaterplatz 19

04600 Altenburg

www.tpthueringen.de