Was Afrika war, ist und sein könnte wird von kollektiven Bildern geprägt. Folgt man dem postkolonialen Vordenker Édouard Glissant (1928-2011), so lassen sich diese „Afrikas” als technisch vermittelte Beziehungsgeflechte verstehen, die weit über die physischen Grenzen des Kontinents hinausragen. Afrika erscheint hier nicht als die eine Vision, sondern vielmehr als eine relationale Kategorie, die eine Vielzahl sich widersprechender Möglichkeiten enthalten kann. Doch wie sind diese vielen Afrikas in die Welt gekommen? Ausgehend von den Science-, Technology- und Postcolonial Studies liegt es nahe, dass Kulturtechniken eine besonders wichtige Rolle bei der Konstruktion kollektiver Vorstellungen spielen.

Derzeit erlebt Afrika einen radikalen Wandel, bei dem die Digitalisierung eine zentrale Rolle spielt. Die heute auf dem Kontinent entstehenden digitalen Praktiken verändern die afrikanischen Gesellschaften und deren globale Wahrnehmung. In Afrika entwickelte Apps und digitale Inhalte finden dabei zunehmend Eingang in die weltumspannende technologische Sphäre. Trotz der beinahe flächendeckenden Verbreitung von Mobiltelefonen sind die digitalen Infrastrukturen Afrikas jedoch von lokalen und globalen Asymmetrien geprägt. Einzelne gut vernetzte digitale Hubs und Szenen entstehen so zeitgleich mit neuen Formen digitaler Ungleichheit. Denn digitale Innovationen und Anwendungen sind in Afrika noch immer auf Infrastrukturen angewiesen, die vom Globalen Norden und zunehmend von China dominiert sind. Das Projekt setzt bei dieser widersprüchlichen Vielfalt des Digitalen auf dem afrikanischen Kontinent an und verdeutlicht die Notwendigkeit, unsere Vorstellungswelten des Digitalen reicher, vielfältiger und globaler zu denken.

Das Projekt bringt Kunstinstitutionen zusammen, die als Schnittstellen von Kunst und Wissenschaft fungieren, um so Techniken der Konzeption des Selbst, des Geschlechts und des Staates künstlerisch und wissenschaftlich zu untersuchen. Für jede Schau werden künstlerische Werke in Auftrag gegeben, die ihre eigenen Produktionsbedingungen reflektieren - sind Ausstellungen als koloniale Techniken doch ebenfalls an der Herstellung von Afrika-Bildern beteiligt.
In Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Zentrum für digitale Kunst Kër Thiossane und dem Afropixel Festival in Dakar, dem Wits Art Museum, dem Fak’ugesi Festival für Afrikanische Digitale Innovation in Johannesburg, der Martin-Luther-Universität in Halle und dem ZKM Karlsruhe.

Kurator/innen: Oulimata Gueye, Julien McHardy, Philipp Ziegler
Kuratorische Assistenz: Bettina Korintenberg, Barbara Zoé Kiolbassa
Wissenschaftlicher Berater und Projektinitiator: Richard Rottenburg
Künstler/innen: Larry Achiampong / Sénamé Koffi Agbodjinou, L’Africaine d’architecture / Younes Baba-Ali / David Blandy / Tegan Bristow, Alex Coelho, Russel Hlongwane & João Roxo / Kombo Chapfika / Joshua Chiundiza / CUSS Group / Milumbe Haimbe aka ArtisTrophe / Olalekan Jeyifous & Wale Lawal / Isaac Kariuki / Wanuri Kahiu / Francois Knoetze / Maurice Mbikayi / DK Osseo Asare & Yasmine Abbas, Agbogbloshie Makerspace Platform (AMP) / Marcus Neustetter / Tabita Rezaire / The Nest Collective

Weitere Termine

01.05.-15.06.2018, Kër Thiosanne Villa for Art and Multimedia/Dak’Art Biennale, Dakar – Workshop, Ausstellung
01.08.-30.09.2018, Wits Art Museum (WAM), Johannesburg - Ausstellung

TURN – Fonds für künst­le­ri­sche Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen Deutsch­land und afri­ka­ni­schen Län­dern

Mit dem Fonds TURN möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

Mehr zum Fonds TURN

  • Termine

    17.11.2018 –
    17.03.2019

    Ausstellung

    Eröffnungswochenende: 17./18.11.18: Mit Künstler/innen aus verschiedenen afrikanischen Ländern, einem Coding-Workshop und einem Maker's Brunch.

    ZKM | Karlsruhe

Kon­takt

ZKM - Zentrum für Kunst- und Medientechnologie

Lorenzstr. 19
76135 Karlsruhe
www.zkm.de