Viola Vahrson, Hannes Böhringer und József Tillmann untersuchten in ihrem Forschungsprojekt "In den Architekturen des Alltags: Gewohnheit, Faulheit, Muße" Gewohnheiten unter dem Gesichtspunkt des Nichtstuns. Im Nichtstun verbirgt sich oft eine stille Renitenz gegen die Zumutungen des gewöhnlichen Lebens, gegen die Vereinnahmung von einer immer mehr fordernden Wirtschaft. Es gibt das von außen aufgezwungene Nichtstun, die Freizeit mit ihrer Verführung zur Passivität, zum Konsum und den unfreiwilligen Verlust der Arbeit, das Abgleiten aus der gewohnten Ordnung des Alltags in Gleichgültigkeit, Verzweiflung, Verwahrlosung und Verbrechen. Im Thema Faulheit spiegelt sich die Krise des Arbeitsbegriffs: Nicht nur gibt es zu wenig Arbeit für alle, sie gewährleistet auch nicht mehr von selbst Emanzipation, Fortschritt und Bildung, wie das 19. Jahrhundert glaubte. So rückt die Last der Arbeit wieder in den Vordergrund und mit ihr die Lust, sie abzuwerfen.

Um die verschiedenen Spielarten des Nichtstuns, wie Faulheit, Langeweile und Muße, praktisch zu untersuchen begaben sich 16 Kulturschaffende (Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler, Architekten) aus Ungarn und aus Deutschland in einer Zeitspanne von ca. drei Monaten auf Reisen. Zuvor entwarfen die Teilnehmer allein oder als ungarisch-deutsches Team eine Idee oder eine Methode, mit der sie das Nichtstun erleben, erforschen und festhalten. Da alle Teilnehmer sowohl im eigenen Heimatland als auch im Nachbarland reisten, fand eine Reflektion über das Gewohnte und Ungewohnte an unterschiedlichen Orten statt.

Bevor es auf die Reise ging, führte ein Workshop (09. Februar 2007) und ein Symposium (10. und 11. Februar 2007) in der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig in das Thema ein. Im Anschluss an die Reisen fand im Kunstverein Wolfsburg ein zweiter Workshop statt. Hier wurden vom 20. - 31. Mai 2007 die Reiseberichte und Materialien ausgewertet und in einer Ausstellung präsentiert. Im September 2007 wanderte die Ausstellung nach Budapest und wurde dort in der am Moszkva Platz liegenden neuen Universitäts-Galerie PONTON gezeigt. Parallel zur Ausstellung fand in Budapest eine Veranstaltungsreihe statt, die das Thema um weitere Aspekte ergänzte.

Künstlerische Leitung: Dr. Johannes Böhringer, Viola Vahrson, Justin Hoffmann - Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Prof. Dr. József Tillmann - Moholy-Nagy University of Art and Design Budapest

28 deutsch-un­ga­ri­sche Kul­tur­pro­jek­te bei bi­po­lar

Bipolar, ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes, vergab 1,6 Mio. Euro für Kooperationsprojekte zwischen deutschen und ungarischen Partnern. Nach einer Ausschreibung waren 144 Bewerbungen eingegangen, aus denen eine deutsch-ungarische Fachjury 28 Vorhaben der zeitgenössischen Kunst und Kultur für eine Förderung auswählte. Die Ergebnisse der bilateralen Projektarbeit wurden in den Jahren 2006 und 2007 sowohl in Deutschland als auch in Ungarn präsentiert. Die Kulturstiftung des Bundes stellte für die deutsch-ungarischen Kulturprojekte insgesamt 3 Mio. Euro über einen Zeitraum von drei Jahren (2005-2007) zur Verfügung.

Projekt Bipolar

Jugend auf dem Lande

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Institut für Kunstwissenschaft

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