Seit der Erzählung “Herz der Finsternis”  von Joseph Conrad bildet der Fluss Kongo in der europäischen Literatur eine koloniale Metapher: Der Fluss wird zur „Schlange“, die bezwungen werden muss (Joseph Conrad) oder zur Kulisse für den „weißen Abenteurer“ in der „schwarzen Wildnis“ (Tim Butcher). Nicht nur die „Entdecker“ Livingston und Stanley orientierten sich am Lauf des Kongo und benutzten ihn als Transportweg, sondern das gesamte System der kolonialen Ausbeutung des Landes wurde entlang des Flusses, mit und durch den Fluss organisiert. Dabei wird der Fluss, seine Umgebung und die Menschen, die an seinen Ufern wohnen, mit denselben rassistischen Stereotypen belegt, wie sie für den gesamten afrikanischen Kontinent verbreitet sind: Der Kongo ist das „Andere der Vernunft“, die Finsternis, das Schwarze, das Dunkle, das Wilde, Ungezähmte, das Unbekannte, Bedrohliche, Nicht-Zu-Durchdringende, Geschichtslose. Wie aber sieht der kongolesische Blick auf den Fluss aus?

Das Projekt „Fluss im Bauch/Le Fleuve dans le ventre“ des Goethe-Instituts Kinshasa stellt diese Sichtweise ins Zentrum, indem sie das gleichnamige Langgedicht von Fiston Mwanza Mujila „Le Fleuve dans le ventre“ zum Ausgangspunkt nimmt. Die deutsch-österreichisch-kongolesische Kooperation begibt sich auf eine künstlerische Recherchereise – „im Bauch", im Kopf und in der Landschaft. „Fluss im Bauch“ ist der Versuch, radikal die Perspektive zu wechseln, Ambiguitäten zuzulassen und so die europäische topographische Konstruktion zu dekonstruieren. Der Kongo, so Mwanza Mujila, sei „ein freier Fluss. Ein unabhängiger Fluss. Ein Fluss großgeschrieben. Ein Flussfluss!“

Das Team aus Regie (Österreich), Choreografie (Kongo), Schauspiel (Deutschland, Kongo), Tanz (Kongo), Musik (Kongo), Dramaturgie und Ausstattung erarbeitet gemeinsam mit Fiston Mwanza Mujila ein auf seinem Gedicht basierendes Stück, das als Performance-Tanz-Lyrik-Projekt in Kinshasa zur Uraufführung kommt und in Deutschland und Österreich gezeigt wird. 

Carina Riedl (AT): Inszenierung und künstlerische Leitung
Fiston Mwanza Mujila (CD): Autor
Kerstin Grübmeyer (DE): Dramaturgie
Otto Krause (AT): Ausstattung
Nelson Makengo (CD): Video
Dorine Mokha (CD): Choreografie und Performer
Mit: Huguette Tolinga Lola (CD): Musik und Performerin, Dada Kahindo (CD): Performerin, Magdalena Chowaniec (PL/AT): Performerin, Nicolas van Diepen (DE): Performer

Termine

März 2019: Kinshasa – Premiere und Aufführung
Juni 2019: Schauspielhaus Wien – Aufführungen
Juni/Juli 2019: Nationaltheater Mannheim – Aufführungen

TURN – Fonds für künst­le­ri­sche Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen Deutsch­land und afri­ka­ni­schen Län­dern

Mit dem Fonds TURN möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

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Kon­takt

Goethe Institut e.V.
Dachauer Straße 122
80637 München

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