Im Hof der Kulturstiftung des Bundes in Halle startet im Sommer 2020 ein neues Projekt zum Schutz von Insekten und zur Sicherung von Artenvielfalt. Auf einem - aus wiederverwertbarem Holz - errichteten Hochstand ist ein Honigbienenvolk aufgestellt. Der Hochstand ermöglich es, die Bienen in einer Höhe von mehr als 3 Metern zu halten, die sie sich auch in der Natur aussuchen würden.

Die Bienen-Beute (so der Namen des Holzkastens, in dem die Bienen leben) steht hierbei auf einem zweiten Kasten, der mit Stroh, Totholz, Holzspänen, und etwas Erde, gefüllt ist. Dieser Unterbau, auch Habitatboden genannt, simuliert das Klima einer natürlichen Bienenbehausung in einem Baumstamm und wirkt wie eine Klimakammer für die Bienen. Es stabilisiert Temperatur und Luftfeuchtigkeit und bietet einen Lebensraum für Mikroorganismen und Insekten, die in Koexistenz mit den Bienen leben. In einem solchen Umfeld kann sich auch der sogenannte "Bücherskorpion" ansiedeln – ein natürlicher Feind der für die Bienen tödlichen Varroa-Milben und damit ein gern gesehener Gast in Bienenbeuten.

Im unteren Bereich des Hochstands befindet sich in Erdtrögen sowie in angeschraubtem Altholz weiterer Lebensraum für Pflanzen und Insekten - auch für Wildbienen. Ein Tränke mit flachem Wasser sorgt dafür, dass die Insekten in diesem vertikalen Garten im städtischen Raum ausreichend Wasser finden. Die Beete des Gartens sind mit bienenfreundlichen Pflanzen ausgestattet, sodass auch hier eine Nahrungsquelle für die Insekten zur Verfügung steht.

Das Projekt ist auf die Jahre 2020 bis 2022 angelegt und findet im Rahmen der EMAS-Aktivitäten der Kulturstiftung des Bundes statt. Projektpartner ist der Imker- und Kulturverein Kleinfolgenreich e.V. Es geht um den gemeinsamen Versuch, im öffentlichen Raum Insektenschutz zu praktizieren und um artgerechte (Wild-)Bienenhaltung tiergerecht, praktisch und kostengünstig zu betreiben. Der Hochstand erlaubt dabei ein aufmerksames Hinsehen und schützt Mensch und Biene davor, einander unfreiwillig zu nah zu kommen. Ab dem Jahr 2021 soll ein digitales Handbuch für Hochstand-Insektenhabitate entstehen, das der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung stehen wird. Eine Broschüre zur Hochstandimkerei für Honigbienenhaltung steht hier bereits zum Download zur Verfügung.

Das EMAS-Projekt korrespondiert darüber hinaus mit dem Ziel der Bundesregierung, das Insektensterben zu stoppen und die Artenvielfalt in Deutschland zu schützen. Dazu hat das Bundeskabinett ein "Aktionsprogramm Insektenschutz" verabschiedet. Insekten sind integraler Bestandteil der biologischen Vielfalt und spielen in unseren Ökosystemen eine wichtige Rolle. Sie sind die artenreichste Gruppe aller Lebewesen und stellen gut 70 Prozent der Tierarten weltweit. Doch sowohl die Gesamtmenge als auch die Artenvielfalt der Insekten ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Eine Gefahr, die Ökosysteme in Stadt und Land betrifft - von der Blüte des Apfelbaums bis zum Zwitschern der Vögel.

Ein Forschungsprojekt der Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit Kleinfolgenreich e.V. Verantwortlich für die fachliche Begleitung ist der Künstler, Fotograf, Imker und Bienensachverständige Max Baumann.

On­line-Hand­buch Hoch­stand-Im­ke­rei

Wie funktioniert das Imkern mit Honigbienen auf einem Hochstand in öffentlichen Kultureinrichtungen? Das Online-Handbuch von Kleinfolgenreich e.V. gibt praktische Tipps und Hinweise.

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Pro­jekt­part­ner Klein­fol­gen­reich

Weitere Informationenzu unserem Projektpartner Kleinfolgenreich e.V. finden Sie hier:

www.kleinfolgenreich.de

Um­welt­po­li­tik der Kul­tur­stif­tung des Bun­des

Die Kulturstiftung des Bundes besitzt das EMAS-Zertifikat für ökologisches Wirtschaften und verpflichtet sich damit zu einer fortwährenden Verbesserung ihres Umweltverhaltens. Die Betreuung der Bienen findet im Rahmen der ökologischen Zertifizierung nach EMAS statt.

Das Ver­schwin­den der Bie­nen

Lesen Sie hier den Essay des Philosophen Srécko Horvat über "Das Verschwinden der Bienen, oder: Die Singulariät des Tieres" aus unserem Magazin #23.

Kon­takt

Tinatin Eppmann

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