Im Juni 2011 wurde der Senegal von Massenprotesten erschüttert, die mehrere Monate andauerten und zu radikalen Umbrüchen im Land führten. Auslöser war ein Beschluss der Nationalversammlung, der es dem ehemaligen Hoffnungsträger und Präsident Abdoulaye Wade erlauben sollte, sich mit nur 25 Prozent der abgegebenen Stimmen ein drittes Mal wiederwählen zu lassen. Wade hatte es nach 11 Jahren Regierungszeit geschafft, zum unbeliebtesten und korruptesten Politiker Senegals zu werden. Angeführt von bekannten Künstler/innen, Intellektuellen und Musiker/innen gründete sich die Bürgerbewegung „Y‘en a marre“ (deutsch: Mir reicht’s!), die sich gegen die politischen Missstände im Land richtete. Der Einsatz von choreographischen und musikalischen Elementen verschaffte der Bewegung große Popularität. Protagonisten waren u.a. Rapper und Breakdancer, die ihre sozialen und politischen Botschaften auf Französisch und Wolof auf öffentlichen Plätzen in Dakar, in Bussen und auf Märkten verbreiteten und so eine massenwirksame Protestform kreierten, die sie „Urban Poetry Guerilla“ nannten.
 

Video Political Bodies - Fonds TURN

Für das Tanz- und Musikprojekt „Political Bodies“ untersuchten die deutsch-mexikanische Choreografin Yolanda Gutiérrez und der Dramaturg Jens Dietrich gemeinsam mit dem senegalesischen Musiker Matador, dem afroamerikanischen DJ Zen Jefferson sowie fünf senegalesischen Breakdancern die Methoden und choreographischen Ausdruckformen, mit denen die Protestierenden ihre Körper erfolgreich in Szene setzten. Im Dialog zwischen Musikern und Tänzern wurde ein tänzerisches Wörterbuch des politischen Kampfes erarbeitet, das dem Verhältnis von Körper und Politik, künstlerischer Aktion und politischer Mobilisierung am Beispiel der „Y’en a marre“-Proteste nachgeht.
Parallel zu den Aufführungen wurde auf Kampnagel ein zweitägiges Symposium zum Thema „African HipHop – a Lesson for European Democracy?“ ausgerichtet, in dessen Zentrum Themen wie die Ästhetisierung von Protestkulturen, die Politisierung des Hip Hop im Senegal sowie der Austausch zwischen senegalesischen und deutschen Projektkulturen standen. In Kooperation mit der Hamburger HipHop Academy fanden im Rahmen des Symposiums der Breakdance-Wettbewerb „Body is my battlefield“ sowie Workshops der senegalesischen Tänzer für junge Mitglieder der Hamburger Academy statt.

Konzept und künstlerische Leitung: Yolanda Gutiérrez (Choregraphie) und Jens Dietrich (Dramaturgie)
Künstlerische Assistenz: Daniel Chelminiak, Bühne: Anton Lukas, Kostüme: Mame Cheikh Dabo aka TUKKI MODE, Musik: MATADOR, DJ: Zen Jefferson, Fachberatung: Djliy Aidara aka Djily Bagdad, Dramaturgische Mitarbeit: Kerstin Ortmeier, Produktionsleitung: Janosch Pomerenke

Mit: Baidy Ba, B-Boy Abdallah, B-Boy Ben-J, Papa Sangone Vieira, Lamine Diagne

 

Termine

Aufführungen Dakar (L’ecole des sables) 09.01.2015 – 10.01.2015
Aufführungen Hamburg (Kampnagel) 04.02.2015 – 07.02.2015
Symposium Hamburg (Kampnagel) 06.02.2015 – 07.02.2015
Aufführungen Köln (Theater im Bauturm) 10.02.2015 – 11.02.2015

TURN – Fonds für künst­le­ri­sche Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen Deutsch­land und afri­ka­ni­schen Län­dern

Mit dem Fonds TURN möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

Mehr zum Fonds TURN

Kon­takt

Political Bodies GbR

Klaus-Nanne-Str. 114a

22457 Hamburg

www.yolandagutierrez.de