Die Kulturstiftung des Bundes fördert in der ersten Förderrunde des Programms 360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft 17 Kultureinrichtungen mit rund 6 Mio. Euro. Die Einrichtungen umfassen sechs Museen, fünf Theater, fünf Bibliotheken sowie eine Musikschule.

  • Museen

    Mit dem Vorhaben „Focke vernetzt!“ setzt sich das Focke Museum mit den Themen Einwanderung, kulturelle Vielfalt und Teilhabe auseinander. Der Erneuerungsprozess des Museums soll durch die Entwicklung neuer Perspektiven auf die Stadtgeschichte, die Erarbeitung neuer Inhalte und Outreach-Formate und den Aufbau neuer Kooperationen mit kulturell vielfältigen Akteuren in der Stadt vorangetrieben werden. Eine begleitende interkulturelle Sensibilisierung des Teams unterstützt das Vorhaben.

    Einen grundlegenden Perspektivenwechsel strebt die Kunsthalle Bremen mit dem Vorhaben „Diversifying the Kunsthalle Bremen“ an, um das Haus für neue Zielgruppen zu öffnen. In ihrer Arbeit widmet sie sich besonders den migrantischen und postkolonialen Aspekten ihres Programms und seiner Vermittlung, des Personals und der Kommunikation. Dazu möchte sie die Geschichte Bremens als ehemals global vernetzter Stadt des Handels und der Emigration kreativ interpretieren. Das Team beabsichtigt außerdem, Ausstellungsangebot und Rahmenprogramm kulturell vielfältiger zu gestalten und in der Personalentwicklung demographische Entwicklungen stärker zu berücksichtigen.

    Das Museum für Völkerkunde in Hamburg erhält eine Förderung unter anderem für die Neugestaltung der Programmatik und die Überarbeitung der Dauerausstellung. Das Museumsteam möchte Rolle und Aufgabe des Hauses in der polykulturellen Gesellschaft überdenken und seinem kolonialen Erbe auf die Spur kommen. Durch ein erweitertes Outreach-Programm sollen neue Ansätze der Beteiligung und Inklusion entwickelt werden, um weitere Akteure und Zielgruppen der Hamburger Stadtgesellschaft anzusprechen. Das Museum möchte zum Forum und zum Vorbild für ein vernetztes und kulturell vielfältiges Kulturverständnis werden.

    Das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz ist eine der größten und zugleich jüngsten Kultureinrichtungen in Chemnitz. Es wirkt mit seinem Programm bereits in breiter Form in die Stadt hinein. Mit dem Vorhaben „Change the smac“ strebt es die Vertiefung der Verankerung des Hauses in der Stadtgesellschaft an und will verstärkt nach neuen Formen der Zusammenarbeit mit migrantischen Bevölkerungsgruppen suchen. Es hat sich zum Ziel gesetzt, ihre kulturelle Vielfalt in den Personalstrukturen und im Programm besser zu berücksichtigen und dadurch modellhaft in der Region tätig zu werden.

    Das Deutsche Hygiene Museum will sich der gesellschaftlichen Verantwortung einer Kultureinrichtung in Dresden stellen, um zu einer Plattform und zum Vorbild für kulturelle Vielfalt in der Stadt zu werden. Das Museum anerkennt seine besondere gesellschaftliche Position, da es als außer-schulischer Bildungsort ein überdurchschnittlich junges Publikum aus allen Teilen der Gesellschaft mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen erreicht. Interkulturelle Vielfalt soll daher zum Querschnittsthema aller Arbeitsbereiche werden.

    Das Historische Museum Frankfurt möchte sich mit der fast 1.200jährigen Zuwanderungsgeschichte der Stadt mit dem größten migrantischen Bevölkerungsanteil Deutschlands auseinandersetzen und zu einem zentralen Begegnungsort zum Thema werden. Das Haus, das sich als Museum über und für die Stadt versteht, will die Möglichkeiten für eine aktivere Teilhabe von Migrant/innen an der Museumsarbeit erweitern. Dieses Vorhaben soll sich nicht auf Vermittlungsangebote beschränken, sondern auch die Mitgestaltung der Museumsangebote selbst einbeziehen.

  • Theater

    Mit dem sparten- und sprachenübergreifenden Vorhaben „Everyone's welcome – Theater Bremen goes Diversity“ widmet sich das Theater Bremen der internen Innovationsarbeit in multidisziplinären und kulturell vielfältigen Teams. Mit ihm sollen ein vielfältigeres Publikum in der Stadtgesellschaft gezielter als bisher angesprochen und Zugangsbarrieren allmählich abgebaut werden. Bei der Entwicklung des Vorhabens soll die „Design Thinking“-Methode zum Einsatz kommen und das erworbene interkulturelle Wissen auf allen Ebenen tief im Hause verankert werden.

    Das Theater Dortmund will im Rahmen des Vorhabens „RuhrOper 21“ gemeinsam mit seinen Besuchern erkunden, wie die Oper des 21. Jahrhunderts aussehen kann. Dazu will es auf diejenigen Bevölkerungsgruppen in der Stadt zugehen, welche das Haus bisher kaum als attraktiven Kulturort wahrgenommen haben. So will es zur Oper für alle werden und gleichzeitig innovative neue Formen der Opernarbeit und -vermittlung erarbeiten, zum Beispiel durch ein Bürgerensemble mit Laien aus der Region, in dem sowohl europäische als auch nicht-europäische Instrumente zum Einsatz kommen.

    Das Staatstheater Nürnberg möchte mit Mitarbeitern und Besuchern über Bedeutung und Position des Theaters in der Stadtgesellschaft der Zukunft nachdenken. Die Bewerbung Nürnbergs zur Kulturhauptstadt 2025 bildet den Rahmen, innerhalb dessen das Theater grundsätzliche Weichen für die Zukunft stellen möchte. Die bereits existierende interkulturelle Theaterpädagogik und zahlreiche künstlerische Einzelvorhaben sollen partizipativ und dauerhaft angelegt werden, um so Strukturen zu schaffen, die über punktuelle Bürgerbeteiligungen hinausgehen.

    Mit dem theater junge generation in Dresden will Deutschlands größtes Kinder- und Jugendtheater zu einem Modell einer vielfältigen Gesellschaft werden. Das Theater spiegelt bereits hinsichtlich seiner Publikumszusammensetzung die Bevölkerungsstruktur seines Standortes. Daher hat es sich jetzt vorgenommen, die Zusammensetzung der Belegschaft kulturell vielfältiger zu gestalten, die Programmatik zu überarbeiten und eine Expertise im Bereich Diversität zu entwickeln, von deren Impuls Kulturakteure in der ganzen Region profitieren können.

    Vielfalt zum Querschnittsthema des ganzen Hauses zu machen, ist das Vorhaben des Berliner Theater an der Parkaue. In mehreren Ateliers hat das Theater bereits Aspekte von Interkulturalität und Inklusion beleuchtet. Um die gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis, in Prozessen und Strukturen zu verstetigen, will sich das Haus jetzt noch aktiver für kulturelle Vielfalt einsetzen. Vor allem Programmangebote für Familien sollen ausgebaut werden.

  • Stadtbibliotheken

    Die Stadtbibliothek Bremen möchte ihre erfolgreiche Diversitätsarbeit weiter ausbauen und „blinde Flecken“ genauer betrachten, um die Bremer Stadtgesellschaft zukünftig noch besser einbeziehen zu können. Dafür sollen unter anderem neue Zielgruppen und Einzelpersonen mit bisher geringen Teilhabemöglichkeiten angesprochen, neue Wege in der Kommunikation eröffnet und das gegenseitige Verständnis für kulturelle Vielfalt gefördert werden. Vor allem Menschen mit Einwanderungsgeschichte, die bisher nicht in Vereinen organisiert waren, sollen gemeinsam mit neuen Partnern einbezogen werden, um die Angebote der Bibliothek gemeinschaftlich weiterzuentwickeln.

    Die Hamburger öffentlichen Bücherhallen wollen alle Bevölkerungsgruppen der Stadt einladen, die Bibliothek zu „ihrem“ Kultur- und Begegnungsort zu machen. Sie möchten so der Zusammensetzung der Hamburger Bevölkerungsstruktur besser Rechnung tragen. Außerdem möchte das Haus die Personalstruktur verändern, seine Kompetenzen mit interkulturellen Öffnungsprozessen verbessern und lernen, dieses Wissen an andere Kultureinrichtungen und öffentliche Bibliotheken in Hamburg und deutschlandweit weiterzugeben.

    Die Stadtbibliothek Heilbronn strebt im Rahmen einer geplanten räumlichen Erweiterung 2018/19 ihre inhaltliche Neukonzeption an. Sie möchte zukünftig größere kulturelle Vielfalt in Angebot, Publikumsansprache und Personalstruktur widerspiegeln. Das Haus möchte zu einem interkulturellen Literatur- und Medienhaus werden und Begegnung und Partizipation für alle in den Vordergrund stellen. Kulturelle Integration versteht sie als einen Prozess wechselseitigen Lernens. Die Bibliothek möchte daher Kooperationen mit migrantischen Bevölkerungsgruppen besondere Aufmerksamkeit schenken.

    Mit dem Format „Maker interkulturell“ will die Stadtbibliothek Köln ihre partizipativen Strukturen und Angebote im Rahmen des Vorhabens ausbauen. Als ein lebendiger Ort des Wissens, der Inspiration, der Innovation und der Chancengerechtigkeit will sie allen Menschen offenstehen. Das Vorhaben soll daher einen Prozess in Gang setzen, bei dem Migranten/innen selbst Angebote entwickeln und sich aktiv an ihrer Durchführung beteiligen. So will die Bibliothek als meistgenutzte Kultur- und Bildungseinrichtung Kölns ihre Akzeptanz und Zugänglichkeit für die Bürger/innen dazu nutzen, zu einem unverzichtbaren Ort in der Mitte der Stadtgesellschaft zu werden.

    Die Stadtbibliothek Pankow beabsichtigt, ihr Profil als freier Zugangsort zu Bildung für alle zu schärfen und die Lebenswirklichkeit, Bedürfnisse und Interessen aller Besucher/innen aus allen Teilen der Bevölkerung angemessen widerzuspiegeln. Dazu soll der Bestandsausbau durch langfristige Kooperationen mit Migrantenselbstorganisationen bedarfsorientierter werden. Außerdem möchte die Bibliothek mehr fremdsprachige und bilinguale Veranstaltungen anbieten und so die Anzahl der Nutzer/innen mit Migrationshintergrund erhöhen und das Personal diversifizieren.

  • Musikschule

    Die Musikschule der Stadt Bochum bezieht bereits seit Jahren Musiktraditionen aus unterschiedlichen Kulturen in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein. Im Rahmen des Vorhabens „Unsere Musik – für Vielfalt und Respekt“ möchte das Haus nun verstärkt auf Musiklehrer/innen mit Einwanderungsgeschichte zugehen, deren musikalische Biografie sichtbar machen und das eigene Musikprogramm erweitern. Zudem sollen weitere Kooperationsstrukturen mit Akteuren der Stadtgesellschaft aufgebaut und existierende verstetigt werden.

Kul­tur­stif­tung des Bun­des mit neu­en Pro­gram­men

Auf seiner jüngsten Sitzung am 8. Dezember 2017 verabschiedete der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes Vorhaben im Gesamtumfang von 24 Mio. Euro.

Das Pro­gramm

360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft möchte eine große Bandbreite von Ansatzpunkten, Strategien und Methoden fördern, die in exemplarischer Weise aufzeigen, wie Kulturinstitutionen – thematisch und personell – ihr Potenzial zur Mitgestaltung der neuen Stadtgesellschaft wirksam entfalten können.