Im Globalen Norden richten sich Maßnahmen zur Bewahrung des städtischen Kulturerbes hauptsächlich auf die Erhaltung historischer Gebäude und Strukturen. An vielen Orten des Globalen Südens werden Richtlinien zum Schutz des urbanen Kulturgutes erst langsam entwickelt und sind oft wenig effektiv. Weder hier noch dort werden dabei in ausreichender Weise örtliche Gemeinschaften bei Entscheidungen über Raumnutzung und -entwicklung, über Abriss oder Erhalt von Bausubstanz miteinbezogen. An diesem Kritikpunkt setzte „Simulizi Mijini“ an und erkundete mit den Mitteln von Stadtforschung, Kunstpraxis und Publizistik vergleichend das urbane Erbe von Dar es Salam und Berlin.

Dar es Salam ist eine rasant wachsende, aber kaum regulierte Metropole, wohingegen Berlin einem zunehmend konservativen und institutionalisierten Begriff von Denkmalschutz unterworfen ist. Um ein differenziertes Verständnis von den Orten und Räumen dieser Städte zu entwickeln, denen eine besondere Bedeutung für Identitäts- und Gemeinschaftsbildung zukommt, untersuchten die Teilnehmer/innen des Projekts insbesondere ihr immaterielles Erbe. Mit Methoden wie partizipativer Kartierung, Oral History und Interventionen im öffentlichen Raum wird mündlich überliefertes, urbanes Wissen erfasst und zugänglich gemacht. Um diese Forschungen durchzuführen, disziplinenübergreifend zu diskutieren, zu archivieren und zu veröffentlichen, pendelten Studierende der Urbanistik, Künstler/innen und Architekturjournalist/innen aus Deutschland und Tansania zwischen beiden Städten. So konnten die westlichen Werte und Normen im Umgang mit Stadt durch neue Perspektiven aus der nicht-europäischen Stadtforschung und der Kunst hinterfragt und aktualisiert werden.

Eine Konferenz und eine entsprechende Publikation, sowie zwei Ausstellungen in Berlin und Dar es Salam schlossen das Projekt ab.

„Simulizi Mijini“ war eine Kooperation des Dar es Salam Centre for Architectural Heritage (DARCH!), des Habitat Unit/TU Berlin, des Nafasi Art Space in Dar Es Salam, und des Zentrum für Kunst und Urbanistik Berlin (ZK/U)

Künstlerische Leitung: Jan van Esch (TZ), Kaisi Kalambo (TZ), Rachel Lee (DE), Philipp Misselwitz (DE), ZK/U (DE)

 

Termine

Zentrum für Kunst und Urbanistik Berlin (ZK/U): 1.2.2016 (Magazinlaunch), März 2017 (Ausstellung)

Dar Es Salam, Tansania DARCH: April 2017 (Ausstellung)

TURN – Fonds für künst­le­ri­sche Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen Deutsch­land und afri­ka­ni­schen Län­dern

Mit dem Fonds TURN möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

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